Eltingshausen
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Eltingshäuser diskutierten bis zum Anpfiff

Bürgermeister Kuhn geriet in der Bürgerversammlung in Eltingshausen schwer unter Druck, als es um den Kindergarten ging. Hier ist einiges im argen.
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Bürgermeister Franz Kuhn (CSU) bei seinem Rechenschaftsbericht in Eltingshausen.Sigismund von Dobschütz
Bürgermeister Franz Kuhn (CSU) bei seinem Rechenschaftsbericht in Eltingshausen.Sigismund von Dobschütz
Bis zum Anpfiff des Viertelfinal-Rückspiels der Champions League nutzten die Besucher der extra um eine halbe Stunde vorverlegten Bürgerversammlung in Eltingshausen am Mittwoch die Gelegenheit, mit Oerlenbachs Bürgermeister Franz Kuhn (CSU) über ihre Sorgen und Nöte zu diskutieren. Zuvor hatten die 75 Bürger im fast vollbesetzten Gemeindesaal eine knappe Stunde seinen Rechenschaftsbericht gehört.

Der Bürgermeister erinnerte an nennenswerte Vorgänge in der Gesamtgemeinde, wobei einige Themen auch das um sechs Mitbürger auf nur noch 977 Einwohner geschrumpfte Dorf direkt betrafen. So soll das leerstehende Englert-Haus nun abgerissen werden. Deshalb muss die dann freie Giebelwand der angrenzenden Kulturscheune verputzt werden. Zudem soll der Vorplatz neu gestaltet werden.


Bauphase ab 2020

Ausführlich berichtete Kuhn über den aktuellen Stand des um Eltingshausen geplanten, ersten Bauabschnitts der Bundesstraße 286 von der Ortseinfahrt über das Umspannwerk bis zur Einmündung in die Bundesstraße 19. Auf der Neubaustrecke zwischen Umspannwerk und B19 sind statt Kreuzungen nur Verkehrskreisel sowie einige Unter- und Überführungen geplant. Momentan liegen die Pläne dem Verkehrsministerium zur Prüfung vor. Im kommenden Jahr soll das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen werden, so dass noch 2019 die Ausschreibungen folgen sollen. Die Bauphase ab 2020 wird zwei bis drei Jahre dauern, glaubt Kuhn, zeigte sich aber zufrieden: "So nah am Ziel waren wir in den vergangenen 30 Jahren noch nie."


Windkraftanlagen werden geprüft

Die an der Straße nach Reiterswiesen geplante Aufstellung von zwei Windkraftanlagen sei weiterhin aktuell, informierte Kuhn die Zuhörer. Die naturschutzrechtlichen Prüfungen dauern an. "Wir werden also abwarten müssen." Warten muss auch die Eltingshäuser Feuerwehr auf ihre neue Tragkraftspritze. Nach Zusage der Förderung von 4700 Euro sei die 14 000 Euro teure Spritze sofort bestellt worden, doch habe der Hersteller Rosenbauer noch Lieferschwierigkeiten. Kuhn: "Zum Dorffest sollte sie wohl da sein."

Wer nach knapp einstündigem Vortrag des Bürgermeisters glaubte, nun sei es Zeit für Fußball, hatte sich getäuscht: Jetzt waren die Eltingshäuser dran. Da ging es um fehlende Ständer für Hundebeutel, die der Gemeinderat aber längst abgelehnt hatte. Hundebesitzer sollten sich selbst um die fachgerechte Entsorgung kümmern. Andere ärgerten sich über Schnellfahrer, die durch die Tempo-30-Zone rasen. Kuhn: "Mehr als in Abstimmung mit der Polizei Tempobegrenzung vornehmen, können wir nicht."

Unter Druck geriet der Bürgermeister, als eine Vertretung aus Erzieherinnen und Müttern die miserablen Zustände im Kindergarten anprangerte. Obwohl es inzwischen Ganztagsbetreuung und Krippenkinder gibt, müssen die 55 Kinder mit der Raumkapazität von 1975 auskommen. "Wir brauchen Anbau, Umbau, was auch immer", klagte eine Erzieherin. "Die Großen müssen schon im Flur vor der Toilette essen." Außerdem fehlen Fluchtwege aus den Gruppenräumen. "Was geschieht, wenn in der Küche ein Brand ausbricht?" fragte eine besorgte Mutter. Bürgermeister Kuhn verwies darauf, dass nicht die Gemeinde, sondern die Kirche der Eigentümer sei. Außerdem gelte für das Gebäude noch immer der Bestandsschutz. Prompt kam die Antwort: "1976 war es in Ordnung, jetzt haben wir 2018! Wenn sich nichts ändert, müssen wir Eltern Druck machen." Als nach langer Diskussion der Bürgermeister fragte, ob das Thema nun abgehandelt sei, kam prompt die Antwort: "Nein, jetzt fängt's erst an."

Abschließend fasste Ortssprecher Andreas Kukuk zusammen: "Die Diskussion war erfrischend und lehrreich. Wir haben verstanden. Das war gelebte Demokratie." Zur weiteren Belebung will er künftig zweimal im Jahr zu einem informellen Bürgerstammtisch einladen und versprach, der Gemeinderat werde die Vorschläge beraten. Ob überhaupt und wie diese dann umgesetzt werden, sei letztlich von der Ratsmehrheit abhängig. Kukuk: "Auch das ist Demokratie."


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