Bad Bocklet

Elf Jahre im Dienst für Senioren

Inge Markard hört als Seniorenbeauftragte auf. Für ihren Einsatz dankte Bürgermeister Andreas Sandwall in der Gemeinderatssitzung.
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Bürgermeister Andreas Sandwall bedankte sich bei Inge Markard für ihr außergewöhnliches Engagement als ehrenamtliche Seniorenbeauftragte.  Foto: Sigismund von Dobschütz
Bürgermeister Andreas Sandwall bedankte sich bei Inge Markard für ihr außergewöhnliches Engagement als ehrenamtliche Seniorenbeauftragte. Foto: Sigismund von Dobschütz
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Nach elfjähriger Tätigkeit als erste ehrenamtliche Seniorenbeauftragte der Marktgemeinde Bad Bocklet übergab Inge Markard (79) ihre Aufgabe an Gemeinderätin Barbara Schultze (65, CSU). Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU) würdigte in der Ratssitzung Markards außergewöhnlichen Einsatz für ältere und hilfsbedürftige Mitbürger.

Inge Markard habe sich 2008 "der Seniorenarbeit verschworen, ohne zu wissen, was auf sie zukommt", lobte der Bürgermeister die Aschacherin und sprach ihr im Namen der Gemeinde und des Gemeinderats "ein großes Kompliment" aus: Aus reiner Nächstenliebe habe sie vielen Menschen in der Marktgemeinde geholfen, die sich nicht zu helfen wussten. Sie habe sich nicht nur für Senioren eingesetzt, sondern sich für alle hilfsbedürftigen Bürgerinnen und Bürger zuständig gefühlt. Sandwall: "Inge Markard hat Impulse gesetzt, wo andere gar nicht dachten, dass ein Impuls notwendig sein könnte."

"Nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch jenen, die kein Geld haben, muss man die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen", nannte die früher bei der Regierung von Unterfranken für Aus- und Übersiedler zuständige Verwaltungsangestellte als Grund für ihr ehrenamtliches Engagement. Mehrfach wollte sie der damalige Bürgermeister Wolfgang Back ganz offiziell zur Seniorenbeauftragten der Marktgemeinde ernennen. "Aber ich wollte keinen Titel." Ohne jemals die Unterstützung der Gemeinde oder des Gemeinderats erbeten zu haben, begann Markard vor elf Jahren mit regelmäßigen Informationsstunden und führte zwei Jahre später einen Stammtisch für Senioren und Neubürger ein, der bis heute besteht.

Das Besondere in Markards Tätigkeit zeigte sich aber vor allem in ihrer persönlichen Fürsorge für einzelne Hilfesuchende, wie sie beispielhaft an einigen Erfolgen und Misserfolgen aufzeigte. "Wenn ich angesprochen wurde, habe ich immer erst eine Bedarfsermittlung gemacht, was für den Betreffenden überhaupt notwendig ist." Sie begleitete Senioren zum Mieterverein oder zu Behörden, half ihnen bei Vertragsabschlüssen oder warnte davor. "Es ist unglaublich, wie manche versuchen, alleinstehende Senioren über den Tisch zu ziehen." In einem Fall erreichte sie es sogar, dass ein ihr zweifelhaft erscheinender Betreuungsbeschluss vom Amtsgericht derzeit noch einmal überprüft wird.

Nicht nur im täglichen Kleinkrieg war Markard an der Seite vieler Hilfesuchender. In Einzelfällen begleitete sie die Senioren bis zum Tod und sogar darüber hinaus: Eine alleinstehende Seniorin hatte sich in Berlin im Grab ihrer Eltern beisetzen lassen und viele tausend Euro für die künftige Grabpflege bezahlt. Als Inge Markard einen Ausflug nach Berlin machte, stellte sie beim Besuch des Grabes entsetzt fest, das vom Auftragnehmer nichts gemacht worden war. Man hatte in Berlin wohl nicht mit der Einsatzfreude und dem Kampfgeist der Aschacherin Inge Markard gerechnet. "Du bist schon sehr hartnäckig, warst oft kurz vor dem Rausschmiss", konnte sich Bürgermeister Sandwall die Folgen für den Berliner Dienstleister lebhaft vorstellen.

Mehrfach hatte Markard mit Blick auf ihren nahen 80. Geburtstag bei Barbara Schultze in Aschach angefragt, ob sie die Nachfolge antreten wolle. "Ich habe immer gezögert", berichtete nun Schultze ihren Ratskollegen. Doch mit ihrer baldigen Pensionierung im Februar wird sich ihre Lebenssituation ändern. "Als Finanzbeamtin hatte ich mit dem Thema nichts zu tun." Aber in der Vergangenheit hatte sie mehrere Angehörige betreut und in den Tod begleitet. Dadurch lernte sie die entsprechenden Probleme und notwendigen Formalitäten kennen. "Die Arbeit mit Senioren hat mir auch viel gegeben."

Gemeinderat Mario Hümpfer (FCW Großenbrach) merkte abschließend kritisch an, dass es "leider immer nur dieselben" seien, die sich ehrenamtlich engagieren, und dankte deshalb seiner Ratskollegin für ihre Entscheidung: "Schade, dass es nicht mehr von euch gibt."

Bürgermeister Sandwall stimmte ihm zu: "Solche Menschen sind leider handverlesen." Der Gemeinderat ernannte daraufhin Barbara Schultze einstimmig und mit sofortiger Wirkung zur neuen Seniorenbeauftragten der Marktgemeinde Bad Bocklet.

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