Wildflecken
Bibliothek

Elektronische Bücher erobern die Rhön

Ferienzeit ist Lesezeit. Wer bisher gleich mehrere Wälzer mit in den Urlaub schleppte, braucht heute nur noch einen digitalen Reader. In Wildflecken gibt's dafür mehr als 2200 Titel zum Download.
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Da braucht Bibliotheksleiterin Heike Kettemer nicht viel erklären: Schnell klicken sich Kilian (v. l.), Paul, Alina und Raluca durch die Seiten.  Foto: uli
Da braucht Bibliotheksleiterin Heike Kettemer nicht viel erklären: Schnell klicken sich Kilian (v. l.), Paul, Alina und Raluca durch die Seiten. Foto: uli
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Es wird nicht mehr umgeblättert. Es wird nur noch gewischt. Heike Kettemer nimmt das kleine, handliche Gerät aus seiner Halterung und bewegt ihren Finger über die Oberfläche. Das Cover eines Buches erscheint. Ein paar Wisch-Bewegungen weiter steht das Rezept für einen Sommer-Cocktail. "Es sieht genauso aus wie in einem richtigen Buch", sagt die Bibliotheksleiterin von Wildflecken. Mehr als 2200 Titel stehen hier zur Auswahl.

Möglich wird es durch den Verbund "emu". Diese Abkürzung steht für elektronische Medien Unterfranken. Acht Bibliotheken (Bergrheinfeld, Grafenrheinfeld, Hammelburg, Karlstadt, Marktheidenfeld, Niederwerrn, Veitshöchheim und Wildflecken) haben sich zusammengeschlossen und teilen sich einen virtuellen Medienbestand. Auf den hat jeder Nutzer Zugriff - von seinem heimischen Computer aus.

Ausleihfrist beträgt drei Wochen

Das Prinzip ist dasselbe wie bei "physikalischen Medien", erklärt Kettemer. Bücher, die gerade verliehen sind, kann sich der Besucher nur vormerken, aber nicht mit nach Hause nehmen. Genauso ist es mit E-Books. Wenn jemand anderes das Buch schon heruntergeladen hat, so muss der emu-Nutzer warten, bis die Frist von drei Wochen abgelaufen ist. "Aber einen Vorteil hat es", sagt Kettemer. "Man kann nicht mehr vergessen, das Buch zurückzubringen." Denn nach Ablauf der Frist wird das E-Book automatisch auf dem Reader gelöscht. Es lässt sich dann einfach nicht mehr öffnen.

Einen weiteren Vorteil haben E-Books für ältere Menschen. "Die Schrift kann angepasst werden", erklärt Kettemer und demonstriert es auch gleich. Mit einer einfachen Bewegung der Finger wird die Schrift auf dem Reader größer - und kleiner. Je nach Bedarf. Um die 100 Euro kostet ein solches Gerät.

Und so funktioniert es: Mitglieder haben kostenlos Zugang zur emu-Datenbank. Dort können sie die Titel, die sie interessieren, herunterladen - auf ihren Computer, auf ein I-Pad oder andere mobile Endgeräte. Um den Service nutzen zu können, muss auf dem Rechner noch das Programm "Adobe Digital Editions" installiert sein, das im Internet frei verfügbar ist. Für Smartphones benötigt man eine E-Book-Reader-App. Liegt das Buch einmal digital vor, kann es jederzeit auf den Reader gezogen werden. Dort ist das Lesen am einfachsten.

Trotzdem sind elektronische Bücher nicht jedermanns Sache. Manchen ist die Anschaffung zu teuer. Andere wiederum hängen an dem Gefühl, echtes Papier in den Händen zu halten. Und überhaupt. Es geht doch nichts über ein gemütliches Stöber-Stündchen im Buchgeschäft. Oder eben in der Bibliothek.
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