Bad Kissingen
Projekt

Elektromobilität: "Wir biegen auf die Zielgerade ein"

Die Bad Neustädter Stadtwerke legen nach 15 Monaten Planung los. Auch beim Projekt "Mona" soll sich vor dem Abschluss des Modellprojektes noch etwas tun.
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Ein Blick in den Motorraum des neuen Bad Neustädter Elektrobusses. Foto: Martina Harasim
Ein Blick in den Motorraum des neuen Bad Neustädter Elektrobusses. Foto: Martina Harasim
Er surrt ganz leise und fährt ohne Ruckeln an: Nach 15 Monaten Planung und Wartezeit haben die Stadtwerke Bad Neustadt vor kurzem einen Elektrobus in Betrieb genommen. Im Auftrag der niederländischen Firma Ebusco wurde der Bus in Handarbeit in China gefertigt. Gerade einmal 56 E-Busse gibt es nach Angaben der Stadtwerke in ganz Europa. Auch deshalb wird die Neuerung von Bad Kissingen aus besonders beobachtet. Zudem machen die beiden Landkreise gemeinsam beim Modellvorhaben (MoVo) "Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen" des Bundesverkehrsministeriums mit.
18 Modellregionen wurden 2016 bundesweit ausgewählt, 490 000 Euro Zuschuss bekommen alleine die beiden Landkreise Bad Kissingen und Bad Neustadt. "Wir biegen gerade auf die Zielgerade ein", fasst Jürgen Metz vom Landratsamt Bad Kissingen den Sachstand zusammen. Im Juni sei ein Abschluss in der Modellregion geplant, im September würden dann die Ergebnisse aus allen 18 Regionen in Berlin vorgestellt.
Zwischenbilanz? "Es war klar, dass es kompliziert wird", blickt Metz auf die zurückliegenden beiden Jahre zurück. Nicht alle Projekte seien gelaufen, wie geplant, trotzdem gebe es viele Erkenntnisse: "Durch den wissenschaftlichen Ansatz haben wir viele Daten erhoben, die uns auch bei künftigen Projekten helfen."
Wichtigstes Einzel-Projekt war die Idee einer mobilen netzwerkmedizinischen Assistenz (Mona): Eine Arzthelferin sollte Hausbesuche auf dem Land und in Pflegeheimen machen, Daten in die Praxis übermitteln oder sogar den Arzt per Videokonferenz zuschalten. Das ist bislang nicht zustande gekommen, könnte aber noch kurz vor Ende klappen. "Wir sind mit drei Praxen im Gespräch, um die Software anzupassen", sagt Christoph Müller, Projektmanager für Mona am Zentrum für Telemedizin.
Allerdings gebe es auch ohne die eigentliche Mona schon viele neue Erfahrungen in der ambulanten Versorgung: Arztpraxen wurden untereinander über Video-Schaltungen vernetzt, Ärzte können mit Pflegebereichen oder Patienten, die daheim beatmet werden, Kontakt aufnehmen. Sinnvoll sei der Einsatz immer dann, wenn komplexe Vitalwerte begutachtet werden müssen. "Körper-Temperatur oder Blutdruck kann man auch mündlich durchgeben oder eintippen", sagt Müller. Herztöne, EKG-Kurve sowie Bilder von Entzündungen oder vom Innenohr dagegen müsse der Arzt genauer analysieren.
Gezeigt habe sich auch, dass das eingesetzte Elektro-Auto zwar für geplante Hausbesuche, aber nicht für Notdienste geeignet sei. Nach einer Arztpraxis arbeite im Moment ein Pflegedienst damit, auch davon erhofft sich Müller neue Erkenntnisse. Der Projektmanager geht davon aus, dass das Mona-Projekt sogar über das Modell-Projekt hinaus fortgeführt werden könnte.
Vielleicht gibt es dafür sogar noch weiter Geld aus Berlin. "Vier von 18 Regionen sollen eine Anschluss-Förderung bekommen", berichtet Metz. Das entscheide sich jedoch erst im Sommer. Neben dem offiziellen Modellvorhaben gibt es in beiden Landkreisen eigenständige Anstrengungen zum Thema Elektromobilität: Der Landkreis Bad Kissingen untersucht etwa Einsatz-Möglichkeiten bei Kommunen. Zudem gab es im Rahmen der Ausstellung "Elektromobilität" in Bad Brückenau auch Impulse für die Wirtschaft: Anja Pfeuffer von der Handwerkskammer Unterfranken stellte zum Beispiel die Familienbäckerei Metz aus Langenleiten vor, die ein Elektro-Fahrzeug einsetzt. Alexander Auth von der Deutschen Post AG berichtete außerdem über die Entwicklung des Streetscooters.
In Bad Neustadt wird nun der E-Bus getestet: Nach jeweils zwei in München und in Borkum ist es erst der fünfte elektrisch angetriebene Bus in Deutschland. Ob die 1028 Akkuzellen - jeweils etwa in der Größe einer Cola-Dose - alle Herausforderungen der Rhön meistern, interessiert auch Experten. "Die Topographie in der Rhön frisst wahnsinnig Reichweite", weiß Jürgen Metz aus eigener Erfahrung. Laut Hersteller muss der eine halbe Million Euro teure Bus täglich rund 240 Kilometer auf der Linie zwei ohne Nachladen schaffen.
"Wir schauen noch, was wir bei der E-Mobilität tun können", sagt der Bad Kissinger Stadtwerke-Chef Manfred Zimmer. Drei elektrisch angetriebene Pkw seien bereits im Einsatz, bei Bussen ist Zimmer eher zurückhaltend. Offen sei noch, ob Elektro-Busse auch bei den niedrigen Temperaturen funktionieren, die es in diesem Winter gab. Zimmer fühlt sich an die Einführung der Erdgas-Busse vor 20 Jahren erinnert. "Damals gab es viele Probleme, die uns Geld und Zeit gekostet haben", erinnert er sich. Deshalb überlasse er die Experimente jetzt anderen Betreibern.
Zum Zug gekommen sind die Stadtwerke dagegen bei der Verdichtung des Netzes an Elektro-Tankstellen: "Wir haben den Zuschlag bekommen und müssen jetzt innerhalb von vier Monaten bauen", berichtet er. Auf dem Betriebsgelände an der Münchner Straße sollen vier Ladestationen für jeweils bis zu 50 Kilowatt entstehen.
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