Bad Kissingen
Infoaktion

Eissportfans wollen ihre Halle wiederhaben

Eishockey-Fans und andere von der Schließung der Bad Kissinger Eissporthalle Betroffene verteilten in der Innenstadt Handzettel. Sie fordern vor allem die Stadt zu Gesprächen und den Besitzer zur Öffnung der Sportstätte auf.
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Eishockey-Kinder machten gemeinsam mit ihren Eltern Passanten in der Bad Kissinger Altstadt auf das Schicksal der Eissporthalle und der betroffenen Fans und Vereine aufmerksam. Foto: Steffen Standke
Eishockey-Kinder machten gemeinsam mit ihren Eltern Passanten in der Bad Kissinger Altstadt auf das Schicksal der Eissporthalle und der betroffenen Fans und Vereine aufmerksam. Foto: Steffen Standke

Lag es daran, dass es Kinder waren? Oder dass sie in originellen Outfits steckten? Oder beides? Jedenfalls wurden die Kleinen in ihren schicken Eishockey-Trikots, mit Helmen und auf Rollerblades, ihre Handzettel in der Innenstadt schnell los. So, wie die Ini-tiatoren eines Infotreffens zum Erhalt der Eishalle es gehofft hatten. Mit der Aktion am Freitagnachmittag wollten sie nicht nur die Kissinger wachrütteln.

Melanie Schubert hat zwar keine Kinder. Doch die 21-Jährige verfolgt das Schicksal der Kissinger Wölfe seit neun Jahren als Fan. Sie bedauert nicht nur die Einstellung des Spielbetriebs des Bayernliga-Teams. Auch den Schul- und Freizeitsport sieht Schubert in Gefahr, bleibe die Halle weiter geschlossen.

Am Sonntag war die junge Frau beim spontanen Abschiedstreffen von mehr als 60 Eissport-Anhängern vor der Halle dabei (wir berichteten). "Dort haben wir uns entschlossen, eine Infoveranstaltung zum Erhalt der Halle durchzuführen", sagt die 21-Jährige, die mit einigen Eltern den Eishockey-Kindern und -Jugendlichen durch die Altstadt folgte.

Treffpunkt war 16 Uhr am Rathaus. Kein zufälliger Ort. Sollten doch auch Verwaltung und Stadträte durch die Infoveranstaltung motiviert werden, endlich aktiv zu werden.

Die Forderungen, die die Initiatoren auf ihren Handzetteln formuliert haben, sind klar und deutlich. "Wiedereröffnung der Eishalle spätestens zum 6. Januar 2020", steht dort geschrieben. Auch solle eine "klare Aussprache von Sanktionen gegen den ukrainischen Investor durch die Verantwortlichen der Stadt Bad Kissingen" erfolgen. Und zwar bis 4. Dezember dieses Jahres. "Bis dahin sollte der bestehende (Kauf)vertrag ausreichend von den relevanten Verantwortlichen der Stadt geprüft sein."

Von der Stadt erwarten die Herausgeber generell, "die Bevölkerung zeitnah und fortlaufend zum Sachstand zu informieren". Oberbürgermeister Kay Blankenburg solle "ein proaktives Angebot zu einem Austausch mit allen Betroffenen" bis 12. Dezember machen. Gemeint seien Vertreter des Eishockey-Vereins, der Eisstockschützen, von Schulen sowie die Herausgeber des Flyers - also Melanie Schubert und Michael Grimm.

Dieser gehörte zu den 25 bis 30 Eissportfans, die am Rathaus geblieben waren, um Passanten zu informieren. Und zwar neutral und nicht provokant, wie Grimm betont.

Was im Gespräch mit ihm auffällt: Über die Vertragsbedingungen, zu denen Investor Alexander Kondrashov die Eissporthalle vor zwei Jahren übernehmen durfte, besteht keine Klarheit. Wie lange musste er sich verpflichten, öffentliche Eislaufzeiten anzubieten? Steht überhaupt ein konkreter Zeitraum im Vertrag? Stimmt es, dass die Stadt eine Klausel eingebaut hat, dass sie die Halle zurückerwerben kann, wenn der Besitzer ein Jahr kein Eis macht?

Fragen, die auch Christian Draga nicht beantworten kann. 19 Jahre lang war er Vorsitzender des Kissinger Skiclubs, der auch von der Hallenschließung betroffen ist. Da gibt es 30 bis 40 Kinder, die bisher jährlich dort das Eislaufen lernten. Aber auch Eisstockschießen fand regelmäßig statt - als Gesellschaftssport. "Die Verantwortlichen sollen uns ihr Ohr leihen", fordert Draga.

Die Stadtverwaltung hat übrigens von der Infoaktion gewusst, sie sogar genehmigt. Bis auf einen Stadtrat war aber kein Vertreter der Kommune zugegen (Stand Freitag, 17 Uhr). "Wo das alles hinführt, steht in den Sternen", sagt Michael Grimm abschließend, "wir hoffen, dass wir die Halle bald zurückbekommen."

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