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Bad Kissingen
Sicherheit

Eishalle: Das Ammoniak wird abgepumpt

Eine Fachfirma entsorgt das Kältemittel. Die Kosten bekommt der Besitzer der Immobilie vom Landratsamt in Rechnung gestellt.
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Große Fässer liegen im Sportpark bereit, um das gefährliche Ammoniak aus der Bad Kissinger Eishalle zu entsorgen. Foto: Jürgen Schmitt
Große Fässer liegen im Sportpark bereit, um das gefährliche Ammoniak aus der Bad Kissinger Eishalle zu entsorgen. Foto: Jürgen Schmitt

Mächtige Fässer liegen aneinander gereiht im Eingangsbereich des Bad Kissinger Sportparks. Dort, wo am Dienstag zwei Angestellte der in Lindau ansässigen Entsorgungsfirma "Engie Refrigeration GmbH" damit begonnen haben, das Ammoniak aus der Kühlanlage der Eishalle abzupumpen. Für die Fachfirma kein besonders komplizierter Vorgang, aber einer, der Zeit in Anspruch nimmt. Voraussichtlich bis Ende der Woche wird es dauern, um die 3000 Liter aus dem Technikraum in die grau-silbrigen Behälter zu bringen. Das hochgiftige Kältemittel wird danach fachgerecht entsorgt.

Da die Kühlanlage in der seit über einem Jahr geschlossenen Eishalle nicht im Betrieb war und es sich um ein geschlossenes System handelt, war die Gefährdungslage nicht akut. Dennoch hatte das Landratsamt den Eigentümer der Immobilie, Alexander Kondrashov, zur technischen Nachrüstung aufgefordert. "Die gegenwärtige Situation ist uns ein Dorn im Auge", hatte mit Thomas Schoenwald der Abteilungsleiter im Landratsamt für Bauen und Umweltschutz im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt. Ende März war das, als dem Besitzer der Eishalle, respektive der Eissport GmbH, eine Frist gesetzt wurde, das in der Kühlanlage befindliche Ammoniak abzupumpen.

Bis Mitte April hätte Kondrashov Zeit gehabt, die entsprechenden Schutz-Maßnahmen zu ergreifen und diese auch nachzuweisen. Doch dies geschah nicht, die gesetzte Frist hatte der ukrainische Geschäftsmann verstreichen lassen. "Derzeit wird der Bescheid vom 13.03.2020 vollstreckt. Die darin angedrohte Ersatzvornahme hat begonnen und wird die nächsten Tage andauern. Die entstehenden Kosten werden dem Betreiber in Rechnung gestellt", heißt die Stellungnahme aus dem Landratsamt.

Ein besorgter Bad Kissinger Bürger hatte vor einigen Wochen sogar mehrere Strafanzeigen gestellt, weil Gefahr für Leib und Leben sowie die Umwelt bestünde aufgrund der ungenügenden Wartung der Kühlanlage mit dem darin gelagerten Ammoniak - ein Gas, das bei hoher Konzentration tödlich sein kann. Die Wartung der Anlage lag bis zur Schließung der Immobilie in den Händen der Zimmermann GmbH aus Niedersachsen, die zum Hoch- und Runterfahren der Anlage zweimal im Jahr eine Fachkraft nach Bad Kissingen geschickt hatte.

Dass eine solche Gefahr nicht aus der Luft gegriffen ist, beweist der Störfall in der Bad Kissinger Eishalle aus dem Jahr 2012, als nach einem Ammoniak-Austritt zehn Menschen leicht verletzt wurden. Spezialisten waren im Einsatz, um in Chemikalien-Schutzanzügen die Ventile zu schließen.

Ammoniak ist ein stark ätzendes, übelriechendes Gas. Es führt zu Atemlähmung, greift die Augen an und verursacht ein Brennen auf der Haut. Als Gefahrstoff muss Ammoniak (NH3) entsorgt werden, wenn es aufgrund von Reparaturen oder Stilllegungen aus der Anlage entnommen werden muss.