Während entlang der Sinn zwischen Jossa und Wildflecken noch von einem durchgehenden Radweg geträumt wird, erfreut sich der Brendtalradweg zwischen Bischofsheim a. d. Rhön und Bad Neustadt seit vielen Jahren einer großen Beliebtheit. Besonders bei Familien mit Kindern. Der Brendtalradweg wurde zum großen Teil auf der ehemaligen Bahntrasse errichtet und führt über Unterweißenbrunn, Wegfurt, Schönau a. d. Brend und Brendlorenzen in die Kreisstadt im Rhön-Grabfeld, wo die Brend in die Fränkische Saale mündet.
Die Route ist fast durchgehend asphaltiert beziehungsweise auf einem kurzen Abschnitt gepflastert. Und weil die Lokomotiven ursprünglicher Bauart nur schlecht mit heftigen Steigungen zurechtkamen, ist der heutige Radweg auf der einstigen Bahnstrecke ohne allzu große Anstrengungen befahrbar. Der Höhenunterschied zwischen Bad Neustadt und Bischofsheim beträgt etwa 250 Meter.
Wählt man Bischofsheim als Startpunkt aus, dann geht es in Richtung Neustadt fast immer leicht bergab. Auf dem Rückweg braucht man dann etwas mehr Puste, um den leichten Anstieg zu bewältigen. Für geübte Radfahrer ist der Höhenunterschied auf der knapp 20 Kilometer langen Strecke indes kaum wahrnehmbar.
Mit kleinen Kindern empfiehlt sich Bad Neustadt als Startpunkt, denn die Rückfahrt belohnt auch die kleinsten Radfahrer mit einer leicht abschüssigen Strecke und sorgt so für eine entspannte Ankunft. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es bei dem "Vorzeigeradweg" allerdings auch: Die Strecke verläuft immer wieder mal parallel zur Bundesstraße B 279 von Fulda nach Bad Neustadt. Autolärm muss der Radfahrer also wohl oder übel in Kauf nehmen. Bäume und Sträucher sorgen zwar teilweise für natürlichen Lärmschutz, aber der Straßenverkehr ist allgegenwärtig - natürlich in sicherer Entfernung.
Zwischen Schönau a. d. Brend und der Abzweigung der B 279 in Richtung Burgwallbach wird man mit einem ungestörten Abschnitt entlang des Waldes belohnt. Familienfreundlich ist die Tour in jedem Fall, weil die Strecke nur sehr selten befahrene Straßen kreuzt. Bischofsheim und Bad Neustadt locken die Radler in der Altstadt und am Marktplatz mit zahlreichen Cafés und Gaststätten.
Weil man auf der flachen Strecke sehr schnell und komfortabel vorwärtskommt, erscheint der Brendtalradweg als relativ kurz. Für die ambitionierten Biker winkt der Kreuzberg als sportliche Herausforderung. Der steile Aufstieg auf den 928 Meter hohen Gipfel erfordert allerdings deutlich mehr Kraft in den Beinen. Bischofsheim liegt direkt am Fuß des heiligen Berges Franken, der weit über die Region hinaus für sein Kloster berühmt ist. Um zum Kloster zu gelangen, müssen jedoch mehr als 400 Höhenmeter vom Tal aus auf nur wenigen Kilometern Strecke überwunden werden.
Der kleine Fluss Brend, der parallel zum Radweg verläuft, ist selbst einheimischen Rhönern nicht zwangsläufig ein Begriff. Das "Brendtal" wirkt im Gegensatz zum "Sinntal" nicht unbedingt wie ein Flusstal, denn rechts und links des Flusses erstreckt sich eine weitläufige Ebene. Bei trockenem Wetter wird der Brendtalradweg ausgiebig von Inline-Skatern genutzt. Der Untergrund ist eben und gut ausgebaut, sodass Skater leicht, barrierefrei und risikolos auch zügiger unterwegs sein können. Das Miteinander von Radfahrer und Skatern funktioniert hier problemlos.
Von Rennradlern wird die Route häufig als Trainingsstrecke genutzt, um Fitness für die Sommermonate aufzubauen. Immer wieder können größere Gruppen auf Tempofahrt gesichtet werden. In Bad Neustadt angekommen, können Radfahrer die historische Altstadt, den Kurpark oder auch die Salzburg, eine der größten Burganlagen in Deutschland, besichtigen. Auch in Bischofsheim sind noch viele Teile der historischen Altstadt gut erhalten: Stadtturm, Stadtmauer, Marktplatz, Rentamt und Markt-Brunnen.
Der Brendtalradweg selbst ist eine "historische" Route: Bis zum Jahr 1989 wurde die Trasse für den Bahnverkehr zwischen Bischofsheim und Bad Neustadt genutzt. Nach rund 100 Jahren wurde die Bahnstrecke endgültig stillgelegt. Um Bischofsheim herum gibt es zahlreiche Wander- und Berghütten, die für sportliche Mountainbiker ein beliebtes Ziel sind. Der gesamte Brendtalradweg ist für Autos gesperrt, nur an manchen Abschnitten ist landwirtschaftlicher Verkehr zugelassen, der sich in überschaubaren Grenzen hält. Besonders die Einheimischen nutzen die Route auch für Spaziergänge und Wanderungen.
Im zurückliegenden Winter und Frühjahr war der Brendtalradweg für einige Monate fast komplett gesperrt. Es gab abschnittsweise eine Umleitung, die aber wenig bekannt war. Fünf Brückenbauwerke mussten ausgewechselt werden. Die zum Teil recht maroden Holzkonstruktionen wurden entfernt und durch stabile Betonteile ersetzt, die bis zu 22 Tonnen schwer sind. Die Wartezeit hat sich für die Wanderer, Inline-Skater und Radfahrer gelohnt: Die neuen Brücken bieten ein Höchstmaß an Sicherheit und stören selbst Anfänger auf Inlinern kaum im Bewegungsfluss. Die Übergänge zwischen Radweg und Brücke wurden entsprechend störungsarm gestaltet. Auch die Brückengeländer wurden modernisiert.