Nein, weder eine neue noch die vertraute Muttergottesstatue steht derzeit am Wallfahrtsort Terzenbrunn, gelegen zwischen Arnshausen und Oerlenbach. Eigentlich sollte die Madonna, die nach der letzten Andacht im Oktober zur Restaurierung abgeholt worden war, rechtzeitig zur 1. Maiandacht wieder in alter Schönheit an ihrem angestammten Platz erstrahlen. Aber manchmal kommt es anders, und zweitens als man denkt - hier trifft dieser etwas flapsige Ausspruch wirklich zu.

Als im letzten Jahr das 100-jährige Bestehen des Gnadenorts 'Terzenbrunn' gefeiert wurde - die Pfarrei St. Peter und Paul Arnshausen ist zuständig für die Pflege und Termine rund um die Kapelle - war es spruchreif, dass nach Abschluss der Saison im Oktober, die Lourdes-Madonna eine gründliche Restaurierung verdient habe. Nach Aussage des Restaurators Thomas Keßler aus Stangenroth rechnete man mit einer Überarbeitungsdauer von rund einem halben Jahr. Aber die Statue, aus französischen Sandstein, die bereits dreimal überarbeitet, sprich mit mehreren Farbschichten bedeckt war, benötigte mehr Zeit als vorgesehen. Denn die ursprünglich angedachte Lösung für das Einlassen der Figur wurde, nach Rücksprache mit dem Amt für Denkmalschutz, wieder verworfen. Jetzt trägt Restaurator Keßler mehrfach Leinöl auf die Figur auf. Hier wird kein Schnelltrockner zugesetzt, denn es ist ein langsames und bestmögliches Eindringen des Öls in den Stein gewünscht. Erst wenn die Leinölauftragungen vollständig abgetrocknet sind, und dies dauert durchaus mehrere Wochen bis Monate, kann erst mit dem Auftragen der festgelegten Farben begonnen werden, betont Restaurator Thomas Keßler.


Auf der Suche nach Ersatz



Namensvetter Thomas Keßler, Dekan der Pfarreiengemeinschaft "Jesus, Quelle des Lebens Bad Kissingen" und somit auch zuständig für den Terzenbrunn, machte sich schon seit einiger Zeit Gedanken, was man als adäquaten Ersatz für die Madonna im 'Wellnessurlaub' verwenden könne. Beim Mittagessen, vielleicht beim Blick auf die derzeitige Baustelle in unmittelbarer Nachbarschaft zum Pfarrhaus, hatte Dekan Keßler eine Idee. Wo war eigentlich die Muttergottes-Statue die wegen den Baumaßnahmen am Caritashaus abgenommen worden war? Telefonate mit dem örtlichen Caritasbüro, einem Seniorenheim und dem Bistum in Würzburg brachten die erhoffte Lösung: die Diözese stellt ohne Zögern die Sandstein-Madonna mit Kind zur Verfügung, bis die 'alte' Madonna vom Restaurator zurückkehrt. Für diese Leihgabe ist Dekan Keßler sehr dankbar und glücklich und mit ihm die Arnshäuser Pfarrei.

Und so durfte die Madonna vom ehemaligen Haus Maria eine Nacht in Arnshausen übernachten, bevor sie am Freitagnachmittag von Restaurator Thomas Keßler, Kirchenpfleger Winfried Albert und dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Burkard Bayer in der Grotte am Terzenbrunn ihren Sommerurlaub verbringen darf.

Auch Dekan Keßler überzeugte sich vor Ort über den geglückten Umzug der Marienfigur. Gegenüber der ursprünglichen Statue mit etwa 8 Zentnern Gewicht ist die Kissinger Statue mit nur knapp zwei Zentnern fast ein Leichtgewicht. Die Gläubigen wird es auf jeden Fall freuen, dass die Grotte jetzt wieder mit einer Madonna bestückt ist, denn der Terzenbrunn hat in den 100 Jahren seines Bestehens nichts von seiner Faszination und Anziehungskraft für gläubige und betende Menschen verloren.