Bad Bocklet
Kirche

Eine junge Kirche wird sechzig

Die Kirchengemeinde Bad Bocklet feiert das diamantene Jubiläum der St. Laurentius Kirche.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Kirche St. Laurentius Bad Bocklet  Fotos: Werner Vogel
Die Kirche St. Laurentius Bad Bocklet Fotos: Werner Vogel
+3 Bilder

Die Kirche St. Laurentius ist Zeit- und Kirchengeschichte zugleich. Als die Kur des Stahlbades in den 1950er Jahren in Schwung kam, war die alte Kirche aus der Julius-Echter-Zeit, zu klein geworden. Dem damalige Pfarrer Anton Uhl gelang es, Diözese, Gemeinde und vor allem die Menschen für einen Neubau der Kirche zu begeistern. Die Festschrift 60 Jahre St. Laurentius, die Redner beim Festakt im Pfarrsaal der Gemeinde und Kirchenpfleger Siegbert Holzheimer schwärmen von der großen Gemeinschaftsleistung der Gläubigen im damaligen Dorf, vom vielfältigen Spendensammeln, vom Briefmarken- und Altmetallverkauf der Ministranten und von den Sandsteintransporten aus der Nähe des Luitpoldsprudels mit Kuh- oder Pferdegespann. Jeder Haushalt musste zweimal fahren ist da zu lesen. Bad Bocklet stand hinter seiner neuen Kirche!

Eine der letzten Wegekirchen

Als Bischof Josef Stangl dann 1959 die Laurentiuskirche einweihte, freute sich nicht nur die Kirchengemeinde über ein modernes Gotteshaus mit freistehendem Glockenturm. Es war eine der letzten Wegekirchen entstanden, streng geordnet, alles ausgerichtet zum Altar, hinter dem Christus in einem Wandbild als triumphierender Erlöser die Gläubigen empfängt. Über die gesamte Stirnwand hat der Würzburger Künstler Curd Lessig die Johannes Offenbarung: "Wer will, empfange das Wasser des Lebens" als eindrucksvolles Fresko gestaltet, aus dem die Gnadenströme des Herrn fließen. Auch der Priester schaute damals auf dieses Bild. Das ist Vergangenheit, nach dem 2. Vaticanum wurde der Altar in die Mitte gerückt, der Zelebrant feiert den Gottesdienst seitdem mit Blick auf die Gläubigen. So gesehen ist die markante Wegekirche, erhaben, bewusst mitten in der Straße, mitten in der Gemeinde, schon jetzt ein kirchengeschichtliches Zeitdokument.

Mehr als sechzig Jahre Küster

Das alles hat Kirchenpfleger und Küster Siegbert Holzheimer miterlebt und mitgestaltet. Schon mit 17 Jahren ist er als Küster der alten St. Mauritiuskirche in die Fußstapfen seines Vaters getreten und dann "mit dem Grundstein in diese Kirche eingepflanzt", wie Bernhard Bauer von der Kirchenverwaltung schreibt. Siegbert selbst - volles Haar, rüstiger Mittsiebziger - sieht das gelassen: "Da ist man halt hineingewachsen". Er hat alle Pfarrer von St. Laurentius erlebt. Anton Uhl, den "Erbauer", dann Armin Ammersbach, unter dessen Verantwortung das Kirchenportal überdacht und die vierte Glocke angeschafft wurde. Der Senior wurde mit viel Beifall begrüßt, ebenso wie Hans Thurn, der bis 2006 Pfarrer war, die erste Sanierung 1998 durchführen ließ und jetzt wieder in die Rhön nach Bad Brückenau zurückgekehrt ist. Danach Eberhard Pfarr und seit 2010 Michael Kubatko, "der die Menschen mag und den Fußball liebt" so der Küster und der die zweite Sanierung 2017 verantwortet hat. "Bei jedem Pfarrerwechsel wollte ich aufhören, aber das konnte ich den Neuen doch nicht antun", lacht Holzheimer.

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Berndtheo Hansen moderierte den Festakt unpathetisch flott. Sein Credo: "Die Kirche ist nicht nur das Gebäude". Er begrüßte die ehemaligen und den amtierenden Pfarrer. Kubatko: "Ich bin gerne hier und in dieser schönen Kirche". Bürgermeister Andreas Sandwall dankte allen, die "mit großem Engagement an der aufwändigen Sanierung der Kirche mitgewirkt haben, damit sie zum Jubiläum in besonderem Glanz strahlt". Die Blaskapelle Bad Bocklet hatte flotte Musik auf dem Notenpult liegen und der Diarückblick von Werner Brönner wird zur nostalgischen Zeitreise über mehr als ein halbes Jahrhundert. Darin erfahren die Besucher, dass die Orgel 1962 fertiggestellt wurde, der spätere Kardinal Julius Döpfner 1968 und Bischof em. Friedhelm Hofmann 2015 die Kirche visitiert haben. Lustiger Ausklang war ein Sketch von Gabi Hansen, bei dem Elisabeth Bauer und Werner Horn beim sonntäglichen Frühstück mit der Lektüre des "Sonntagsblatt" die Lage der Kirche heute humorvoll glossieren. Er: "Es gehn immer weniger Leut nei di Kirch. Vielleicht söllte mer se verkäff, es is sowieso immer so kalt drin". Sie: "Bist Du verrückt: Mir brauche doch unnern Herrgott!" Mit Sternwallfahrt, Festgottesdienst und einem Fußballspiel der Bayerischen Klerusauswahl gegen die kickende Vertretung der Marktgemeinde ging das Fest in der Kirche und am Sportplatz weiter.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren