Bad Kissingen
Ehrenbürgerbrief

Eine ganze Ära geprägt

Alt-Oberbürgermeister Christian Zoll erhielt am gestrigen Mittwoch den Ehrenbürgerbrief der Stadt Bad Kissingen.
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Unter dem Stadtwappen beglückwünschte OB Kay Blankenburg seinen Vorgänger Christian Zoll zur Ernennung zum Ehrenbürger. Foto: Thomas Mäuser
Unter dem Stadtwappen beglückwünschte OB Kay Blankenburg seinen Vorgänger Christian Zoll zur Ernennung zum Ehrenbürger. Foto: Thomas Mäuser
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Wenn das Jugendmusikkorps zu Beginn und zum Schluss seines ersten Medleys den Schlager "Ein Freund, ein guter Freund" intonierte, so hat es die Stimmung bei der Verleihung des Ehrenbürgerbriefs an Alt-OB Christian Zoll hervorragend getroffen. Viele politische und private Weggefährten erwiesen Zoll im Tattersall ihre Reverenz, um einen Mann zu ehren, der, wie es sein Nachfolger Kay Blankenburg ausdrückte, den Typus des Ehrenbürgers auf ideale Weise verkörpert.

Am 9. April dieses Jahres hatte der Stadtrat beschlossen, Christian Zoll die höchste Auszeichnung zukommen zu lassen, die die Stadt zu vergeben hat. Und das nicht von ungefähr, wie Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) betonte. Habe Zoll doch eine ganze Ära geprägt. Der "Kissinger Bub' aus der Hartmannstraße" habe es geschafft, mit Mut und Ausdauer seine Heimatstadt immer wieder neu zu denken und mit den damals schon engen finanziellen Mitteln viel zu bewirken.

Unter Zoll habe die Stadt die Obere Saline vom Freistaat erworben, und Zoll habe es verstanden, sich gleich die nötigen Mittel mitgeben zu lassen, sagte Blankenburg. Außerdem habe es der Alt-OB geschafft, den von Georg Straus ins Leben gerufenen Kissinger Sommer zu ungeahnter Blüte hochzuziehen und dazu den Kissinger Winterzauber zu etablieren. Auch der Umbau der ehemaligen Reithalle Tattersall in einen Veranstaltungs- und Tagungssaal sei Christian Zoll zuzuschreiben.

Des weiteren habe Zoll durchgesetzt, aus der Ludwigstraße, einer der einst meistbefahrenen Straßen der Stadt, eine Fußgängerzone zu schaffen. Außerdem erinnerte Blankenburg an den Bau des Zentral-Parkhauses, die Fortführung der Kanalsanierung, den Neubau der Feuerwache, den Ausbau des Ostrings, die Übernahme des Kasernengeländes und die Schaffung der Musikschule. Federführend bei der Formung der Staatsbad GmbH habe Zoll auch die Stadtwerke GmbH entscheidend vorangebracht.


Therme als Erfolgsgeschichte

Die Therme sei eine Erfolgsgeschichte mit mehr als 1000 Besuchern geworden. "Ohne Christian Zoll gäbe es die Therme nicht, das alleine wäre schon eine Ehrung wert", betonte Blankenburg und bezeichnete Zoll als "konservativen Revolutionär und fortschrittlichen Bewahrer".

Dass Christian Zoll nicht selten auch unbequem sein konnte, verschwieg Blankenburg ebenso wenig wie Landrat Thomas Bold (CSU). Doch habe er die Streitbarkeit Zolls durchaus auch positiv erlebt, betonte der Landrat und begrüßte die Ernennung zum Ehrenbürger: "Es ist gut, dass die Stadt Menschen, die sich über ein normales Maß hinaus engagieren, würdigt."


Dank für Loyalität

"Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viel Lob ein einzelner Mensch ertragen kann", zitierte Christian Zoll mit dem ihm auch gestern zugeschriebenen Augenzwinkern den früheren Wiener Bürgermeister Helmut Zilk. Zoll nahm die Gelegenheit wahr, all den Menschen zu danken, die auch in schweren Stunden loyal zu ihm gestanden hätten. Der hohen Ehrung, die er erfahren habe, sei er sich sehr wohl bewusst.

Wie sehr Christian Zoll auch über Parteigrenzen hinaus geschätzt wurde und wird, bewies Bürgermeister Toni Schick (DBK), der in seine Begrüßung geschickt eine weitere Laudation eingeflochten hatte.
Dass sich Zoll ausdrücklich keinen Marsch für die Feierstunde gewünscht hatte, berücksichtigten die Schüler der Sinnberg-Grundschule, die ein Lied über Spuren der Freude und des Dankes sangen, nicht aber Bernd Hammer und das Jugendmusikkorps. So schloss die Feierstunde passend mit Edward Elgars "Pomp und Circumstance".


Vollblut-Politiker


Christian Zoll wurde am 27. März 1941 in Bad Kissingen geboren und war von 1990 bis 2002 der erste von der SPD gestellte Oberbürgermeister der Kurstadt. Vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 2014 war er zudem Mitglied des Stadtrates und des Kreistags und mit jeweils 42-jähriger Amtszeit der längstgediente Kommunalpolitiker in Stadt und Landkreis. Während seiner Amtszeit als Stadtrat und Oberbürgermeister war Zoll Mitglied in zahlreichen Gremien oder deren Vorsitzender, so im Verwaltungsrat der Sparkasse, im Aufsichtsrat der Stadtwerke und in der Gesellschafterversammlung der Bayerischen Staatsbad GmbH. Als Zoll sein Amt an Karl Heinz Laudenbach verlor, scheute er sich nicht, sich weiter im Stadtrat einzubringen. Zur Kommunalwahl 2014 trat Christian Zoll nicht mehr an.


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