Großenbrach
Verkleidung

Eine Fundgrube fürs Narrenvolk

Seit sechs Jahren betreibt Elke Bocklet das Fachgeschäft für Kostüme, Zubehör und Faschingsfummel aller Art. Nun denkt sie darüber nach, zu vergrößern. Denn nicht nur zur närrischen Zeit ist ihr Angebot gefragt.
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"Schwein ist dieses Jahr absolut in", sagt Ladeninhaberin Elke Bocklet und zeigt hier das entsprechende Kostüm. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
"Schwein ist dieses Jahr absolut in", sagt Ladeninhaberin Elke Bocklet und zeigt hier das entsprechende Kostüm. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
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Lothar braucht eine Glatze, Helene sucht einen Rapunzelzopf und Isolde möchte gern pinkfarbene Wimpern. Ziemlich ausgefallene Wünsche. Doch jetzt zur Faschingszeit sind diese ganz alltäglich - zumindest im Laden von Elke und Andreas Bocklet an der Hauptstraße in Großenbrach. Dort tummeln sich derzeit Faschingsfreunde aus der ganzen Region, von Mellrichstadt bis Karlstadt, und decken sich mit Kostümen oder dem entsprechenden Zubehör ein.


Am Donnerstagnachmittag ist Carina Geisel aus Lauter eine von ihnen. Die 15-Jährige hat sich das Kostüm "Superwoman" ausgesucht und probiert es in der Kabine an. "Ich mag Comics", erklärt die junge Kundin, weshalb die Wahl auf dieses Outfit fiel. Ihre Mutter Anke ist begeistert, nicht nur von ihrer verkleideten Tochter, sondern auch von dem Laden. "Hier ist es cool.

Als wir das erste Mal da waren, haben wir drei Stunden gebraucht", erzählt sie, so viel gab es zu entdecken.


Schwein ist im Trend

Inzwischen kaufen sie und ihre Freunde regelmäßig zur Faschingszeit hier ein. "Heuer gehen wir in unserer Clique als Schweine", sagt Anke Geisel. Damit liegen die Lauterer voll im Trend. "Tierkostüme gehen heuer besonders gut, bei Männer und Frauen", sagt Elke Bocklet.

Der absolute Renner sei jedoch das Schweinekostüm. "Dabei kostet es ganz schön Überwindung, es anzuziehen", erzählt die Frau aus Lauter. "Es macht fett." Doch wenn mehrere so rumlaufen, ginge es.
Zwischen 30 und 60 Euro kosten die Kostüme in Großenbrach. "Manche sind auch teurer. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt", so die Ladeninhaberin. Doch die Kunden geben das Geld gerne aus.

"Dann ziehe ich das Kostüm eben mehrere Jahre an", sagt Daniela Wehner aus Steinach, die sich soeben das Modell "Sexy Berry" einpacken lässt. Die Preise empfinde sie als normal, wie in anderen Geschäften auch. Manches sei auch günstiger. Weshalb sie gerne in dem Laden in Großenbrach einkauft, erklärt sie so: "Hier gibt es eine große Auswahl, man kann die Kostüme anprobieren und notfalls in der richtigen Größe nachbestellen."
Irmgard van

de Weyer hingegen interessieren die Kostüme weniger. "Ich bin kein Faschingsgeher. Und wenn, stelle ich mir meine Verkleidungen aus alten Sachen zusammen", erzählt die 64-Jährige. Sie ist vielmehr wegen des Zubehörs gekommen, braucht Perücken. Die Kissingerin kauft das erste Mal in der Party- und Faschingskiste ein und kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. "Es ist toll, dass es in einem so kleinen Dorf einen solchen Laden gibt", sagt sie.

Schließlich mangele es inzwischen an Fachgeschäften oder Kaufhäusern, in denen man wie früher Faschingszubehör kaufen kann und beraten wird.


Erweiterung geplant

Das ist auch einer der Gründe, warum Elke und Andreas Bocklet ihren Laden 2010 eröffnet haben. "Wir haben im Nachbarhaus im Obergeschoss angefangen", erzählt die Inhaberin, die vormittags als medizinische Fachangestellte in einer Arztpraxis

arbeitet und selbst viele Jahre beim Faschingsclub in Großenbrach aktiv war.
Die Kostüme bezieht sie über ihren Mann, der als Handelsvertreter tätig ist. Der Verkauf lief bereits im ersten Jahr so gut, dass sich das Paar dazu entschloss, zu vergrößern. Kurzerhand wurden der ehemalige Stall und ein Teil der Scheune zum Geschäft mit Lager umgebaut. Doch inzwischen ist auch das schon wieder zu klein geworden.

"Uns fehlt halt der Platz, mehrere Artikel auszustellen", so die 51-Jährige. Deshalb überlegt sie, den Laden zu vergrößern.
Zeit, darüber nachzudenken, hat sie im Moment aber nicht. Zu groß ist der Andrang im Laden: Vorbestellungen werden abgeholt, Kostüme aus- und wieder eingepackt und die Regale aufgefüllt. Die Stimmung ist trotz des Stress sehr gut, im Hintergrund läuft leise Faschingsmusik.

 


Rosenmontag zum letzten Mal

Zwischendurch klingelt immer wieder das Telefon. Da fragt gerade jemand nach, ob es das Kostüm "Zombie-Queen" gibt. Dabei ist anfangs gar nicht klar, was die Kundin will. Doch innerhalb weniger Minuten hat Elke Bocklet das geklärt und findet etwas Adäquates - die Verkleidung zur Gothik Prom Queen.
Der nächste Anrufer sucht einen Minion-Hut, ein weiterer bestellt Spitzenhandschuhe.

 

Bei all dem Trubel in ihrem Laden kommt die Kostümfachfrau kaum dazu, selbst Faschingsveranstaltungen zu besuchen. "Das mache ich erst am Faschingssamstag", sagt sie, da sei dann der größte Andrang vorbei. Für die ganz Späten macht sie nochmal am Rosenmontag-Vormittag auf.
Doch dann wird der Laden erst einmal geschlossen und nach einer mehrwöchigen Pause im Mai wiedereröffnet, für zwei halbe Tage in der Woche.

"Schließlich werden auch unterm Jahr Kostüme gebraucht, für Motto-Partys beispielsweise, und auch Partyzubehör", erklärt Elke Bocklet. Zudem bietet sie ausgefallene Geschenkverpackungen in Luftballons an. Langweilig wird ihr über den Sommer somit nicht. Im Herbst sind dann Dirndl und Lederhosen gefragt, kurz nach Weihnachten tauchen die ersten Faschingsnarren auf - und brauchen Glatzen, Rapunzelzöpfe oder eben falsche Wimpern.


Öffnungszeiten: Die Party- und Faschingskiste ist noch bis Faschingssamstag wochentags zwischen 12 und 19 Uhr sowie samstags von 9.30 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.

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