Hier irgendwo in einem Umkreis von vier Metern muss es sein, sagt Brigitte Adelmann. Das GPS-Gerät hat sie und Thomas Schilk durch ein Wäldchen bis zu einer lichten Stelle mit zwei Bänken unterhalb der Burg Saaleck gelotst, wo jemand eine Plastikbox versteckt hat. Diesen so genannten Cache wollen die beiden finden. Die Technik hilft so kurz vor dem Ziel aber nicht mehr viel. Das GPS-Gerät verrät nur die ungefähre Position. Adelmann und Schilk müssen sich nun auf ihre Erfahrung verlassen.
Schilk legt seinen Rucksack auf eine der Bänke ab, um die Umgebung um die zwei Sitzmöglichkeiten genauer zu erkunden. Kaum hat er sich von seinem Rucksack entfernt, fällt ihm ein unscheinbarer, zugewachsener Steinhaufen hinter der zweiten Bank auf. "Das ist es." Schilk hebt den obersten, mehr als Handflächen großen Stein an und zieht eine Frischhaltedose hervor. Darin klappern Krimskrams aus Plastik, ein Teelicht, Stempelkärtchen und ein Notizbuch.
Der Inhalt ist für Adelmann und Schilk nicht wichtig. Entscheidend ist, dass sie die Box aufgespürt haben. Geocaching nennt sich die Freizeitbeschäftigung - eine Internet und GPS gestützte Schnitzeljagd. Vor einem Jahr hatte jemand die Box versteckt, die Koordinaten notiert und die Position in ein Rätsel gehüllt im Internet veröffentlicht. Die beiden Sucher mussten den Kreuzweg ablaufen und fotografierte Figurenköpfe den einzelnen Stationen zuordnen. Die Nummerierung verwandelte sich nach einer Rechenaufgabe in Längen- und Breitenkoordinaten. Adelmann und Schilk tippten diese in ihre GPS-Empfänger ein. Sie folgten der Spur.
Adelmann dokumentiert den Fund im Notizheft, das als Logbuch jedem Cache beigelegt ist. Schilk kramt einen Radiergummi aus der Tasche. Er hat ihn zu einem Stempel umfunktioniert und drückt ihn aufs Papier. Ein wanderndes Strichmännchen, sein Erkennungszeichen, bleibt im Notizbuch im steinernen Geheimfach zurück.
"Die Aussicht hier ist schön", sagt Adelmann. Der Ort des Verstecks ist sicherlich nicht zufällig gewählt. Die Lichtung öffnet einen Blick auf die Innenstadt. "Dank Geocaching lernt man Orte kennen, die man sonst nicht sehen würde", erklärt Adelmann. So gebe es zum Beispiel eine Runde durch die Altstadt, die an schöne Ecken führt. Seit 2009 hat die 55-Jährige Geocaching als Hobby für sich entdeckt. Schilk ist seit 2007 dabei. Die Ansbacherin und der Schweinfurter sind zum ersten Mal gemeinsam unterwegs. Ein Geocacher-Treffen im Raum Hammelburg, den Adelmann organisiert hat, bringt sie zusammen.
Adelmann hat sich für dieses Jahr als persönliches Ziel gesteckt, im Schnitt einen Cache pro Tag zu finden. Mit dem GPS-Gerät geht sie im Urlaub auch im Ausland auf die Suche, denn Caches gibt es überall.
Um Schloss Saaleck sind es mehrere. Adelmann und Schilk steigen den Berg zu den nächsten Koordinaten hinauf. Schilks Telefon klingelt. Jemand braucht zu einem anderen Cache einen Tipp: "An der Bank ist auf einer Seite ein Nagel zu viel. Wenn man ihn rauszieht, ist dort ein Zettel." Hinweise können überall besfestigt sein: hinter Pfosten, in umgestürzten Bäumen, an Zäunen. "Ich greife jetzt in Löcher", so Schilk, "in die ich vorher nie meine Hand gesteckt hätte."
Viele Cacher wollen den Kreis der Eingeweihten deshalb lieber klein halten. Sie fürchten, dass die Verstecke gestört werden.