Bad Kissingen
Geschichte

Ein Platz für das Weltbad Bad Kissingen

Kulturreferent Peter Weidisch und Historikerin Birgit Schmalz bereiten eine Ausstellung für das Museum Obere Saline vor. Bad Kissingen spielte europaweit ganz vorne mit.
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Relikte aus großer Zeit. Birgit Schmalz und Peter Weidisch vor historischen Brunnengläsern. Foto: Thomas Mäuser
Relikte aus großer Zeit. Birgit Schmalz und Peter Weidisch vor historischen Brunnengläsern. Foto: Thomas Mäuser
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Reichskanzler Otto von Bismarck hat von Bad Kissingen aus Entscheidungen von weltpolitischer Bedeutung getroffen, der europäische Hochadel gab sich im Kurgarten ein Stelldichein, Industriemagnaten aus der Neuen Welt waren zu Gast. Etwa von 1820 bis 1920 währte die Phase Bad Kissingens als Weltbad. Und genau diese Zeit wollen Kulturreferent Peter Weidisch und Historikerin Birgit Schmalz im Museum Obere Saline erlebbar machen.

Seit gut einem Jahr laufen die Vorbereitung für die neue Ausstellung, die ab Ende 2015 in vier eigenen Räumen im Museum zu sehen sein wird. Die Themenvielvalt ist riesig. "Schon alleine an den Gotteshäusern lässt sich die Internationalität Bad Kissingen ablesen", sagt Birgit Schmalz. In seiner großen Zeit hatte Bad Kissingen eine katholischen, eine evangelische, eine russisch-othodoxe und eine anglikanische Kirche sowie eine Synagoge.

Auf der Höhe der Zeit

Birgit Schmalz und Peter Weidisch weisen nach, dass das Weltbad Kissingen stets auf der Höhe der Zeit war. Als das Gusseisen seine Erfolgsgeschichte antrat, war der Kurort an der Saale mit seiner Brunnenhalle ganz vorne mit dabei und im Vergleich zu anderen Kurbädern führend. 1883 - und damit lange vor Städten wie Hamburg - erhielt Bad Kissingen eine moderne Schwemmkanalisation.

In vielen Bereichen waren die Kurorte im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert aufgestellt wie Großstädte, waren Bildungs und gesellschaftliche Plattform für ein großstädtisches Publikum. Zum Beispiel im Bereich Musik. "In Bad Kissingen gab es Novitätenkonzerte", sagt Weidisch. Neue Musik war in den Kurstädten eher zu hören als in den Metropolen. Auch in therapeutischer Methodik war das Weltbad Kissingen führend.

In vielen Bereichen Spitze

Nicht vergessen werden darf die Infrastruktur in Form von Kurbauten, Hotels und Parks. Das 1867 bis 1880 entstandene Aktien- und spätere Luitpoldbad war zu seiner Zeit das modernste Badehaus in Europa. "Es ist bemerkenswert, dass Bad Kissingen mit seinen 4500 Einwohnern über eine Aktiengesellschaft ein dringend benötigtes Badehaus baute", sagt Peter Weidisch. Doch das Heilbad an der Saale war auch noch in anderer Hinsicht Spitze in Europa: Bei der Anzahl der Gäste im Verhältnis zur Einwohnerzahl.

Es gibt nach wie vor viel Arbeit für Weidisch und Schmalz. Zum Beispiel werten sie Memoiren und Briefe aus, die Bad Kissingen zum Thema haben: "Da gibt es noch einiges abzuarbeiten, auch über den Eröffnungstag hinaus." Die Vorbereitungen für die Bewerbung um den Status als Weltkulturerbe, den Bad Kissingen mit mehreren europäischen Heilbädern anstrebt, hilft bei der Vorbereitung der Ausstellung ungemein weiter.

Video- und Audio-Stationen

Die Ergebnisse all dieser Arbeit werden auf vielfältige Art aufgearbeitet werden. "Wir werden sehr stark visuell arbeiten", sagt Weidisch. Zum Beispiel mit zeitgenössischen Original-Exponaten, mit Video- und Audio-Stationen, mit Schautafeln. Im Eingangsbereich wird es sogar einen kleinen Blick in die Jetztzeit geben. Wichtig ist Weidisch und Schmalz auch ein harmonisches Miteinander der Weltbad-Ausstellung mit dem Bismarckmuseum.

Insgesamt 307 350 Euro stehen für die Jahre von 2013 bis 2015 im Städtischen Haushalt für diese Ausstellung bereit. Wobei nur ein sehr geringer B etrag bei der Stadt hängen bleiben wird. Den Löwenanteil der Kosten tragen der Bezirk, das europäische Förderprogramm Leader und die Landesstelle für nichtstaatliche Museen.


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