Fabian Nürnberger mäht mit Hingabe und einer Motorsense eine Wiese oberhalb der Stadt. Dafür ist der Diplom-Biologe überqualifiziert. Dennoch hilft er gerne: "Ich freue mich, mitmachen zu können." Deshalb kommt er regelmäßig in den Garten der Ortsgruppe Bad Kissingen im Bund Naturschutz (BN), den es seit 25 Jahren am Sinnberg gibt.

Dort pflegen die Mitglieder 1260 Quadratmeter Natur. Die hat hier ihren Freiraum, sagt Vorsitzender Walter Hartmann. Hier würden auch "halbwilde Zustände" geduldet. Es handele sich nicht um ein ungeordnetes Chaos und auch nicht um einen Hausgarten, wie es so viele gibt. Walter Hartmann zeigt sich mit der Entwicklung dieses Kleinods zufrieden. Und ist überrascht, "dass wir so lange durchgehalten haben. Denn es muss dafür gearbeitet werden."

Der Garten, 140 Meter über der Saale, bietet Pflanzen- und Naturfreunden eine Menge von A wie Ackerwildkräuter bis Z wie Zauneidechsen. Die Stadt hat dem BN-Arbeitskreis Botanik das Areal zur Verfügung gestellt. Zweck war und ist die Einrichtung und Unterhaltung eines Wild- und Naturpflanzengartens. Der soll nicht nur die Besucher über die heimische Flora und Fauna informieren. Er dient, so Walter Hartmann, auch als wissenschaftliches Beweisstück für die Entwicklung verschiedener Pflanzengesellschaften. Ferner sei er eine "Arche Noah": Er soll Rückzugsraum sein. Als solcher bietet er gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Tieren wie der scheuen Schlingnatter und seltenen Pflanzen Überlebenschancen. Eins ist er nicht: ein Ziergarten. Das soll er auch nicht sein.


Seit 1975 engagiert



Dinkel? Okay. Aber wer kennt noch Getreidesorten wie Kalmut, Emmer oder Einkorn? Walter Hartmann weiß über sie, aber auch über andere Pflanzen eine ganze Menge. Französischer Ahorn, Haftdolde oder Wildtulpe - ein Stichwort und der 74-Jährige sprudelt sofort los. Er engagiert sich seit 1975 im BN-Arbeitskreis Botanik, den er seit 1986 leitet. Sein Wissen ist enorm, er erzählt spannend. Davon profitieren Gäste und Besucher, darunter viele Schulklassen. Der Garten, sagt er, spreche alle fünf Sinne an: Sehen (Blick auf Bad Kissingen), Hören (Vögel), Tasten, Riechen und Schmecken (Pflanzen). Aber gerade die sind manchmal richtig giftig, was viele gar nicht wissen. Deshalb warnen am "Giftbeet" auch rote Schilder.

Wer den Sinnberggarten näher kennenlernen will, kann das am Sonntag tun. Man kann sich aber auch mit Walter Hartmannn in Verbindung setzen (0971/ 99 12 2 ; E-Mail: W.u.E.Hartmann@t-online.de). Der Tag der offenen Gartentür findet alljährlich statt. Organisator vor Ort ist der Kreisverband der Vereine für Obst- und Gartenbau. Heuer ist dieser Tag am Sonntag, 24. Juni. Von 10 bis 18 Uhr gibt es im Sinnberggarten in Bad Kissingen Infostände, Führungen und Bewirtung. Der offizielle Auftakt mit geladenen Gästen ist dort am Freitag, 22. Juni, 17 Uhr. Dann wird auch das 25-jährige Bestehen der Anlage gefeiert.

Geöffnet sind am Sonntag acht weitere Gärten im Landkreis: bei Familie Dietrich (Pfaffstraße 20, Hammelburg), bei Familie Fahrmeier (Föhrenstraße 22,Langendorf), bei Familie Fella (Von-Hess-Straße 1, Hammelburg) und bei Familie Schmitt (Kreuzgasse 23, Roth). Ferner stehen offen der Garten des Juliusspitals (Riemenschneiderstraße 23), der Novizengarten (Am Dicken Turm) und der Garten des Seniorenzentrums St. Elisabeth (Seminarstraße 9, alle Münnerstadt). Die Gärten sind am Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr zugänglich, der Sinnberggarten sogar bis 18 Uhr. Informationen unter www.kv-gartenbauvereine-kg.de. Kreisfachberater ist Dieter Büttner (Telefon: 0971/ 801 51 12, E-Mail: dieter.buettner@landkreis-badkissingen.de). ed