Helga und Ewald Neder freuen sich, dass ihr Sohn Lorenz (22) seine Zukunft im Weinbau sieht. In Weingütern und landwirtschaftlichen Familienbetrieben spielt das Interesse der nächsten Generation für die Fortführung des Betriebs eine große Rolle.
Lorenz hat kürzlich seine Ausbildung zum Techniker für Wein- und Kellerwirtschaft an der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim erfolgreich absolviert und arbeitet jetzt im elterlichen Betrieb. Als einer der besten Absolventen erhielt er den Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung.

"Offen für neue Impulse sein"


Getragen von dem Gedanken, dass sich die Anforderungen an die Betriebe ständig ändern, erlernte der 22-Jährige den Beruf des Winzers im Bio-Weingut Roth in Wiesenbronn. Hier sammelte er Erfahrungen im ökologischen Weinbau.
Nach der Ausbildung ging er für ein Jahr nach Österreich ins Burgenland und arbeitete im Weingut auf Schloss Halbturn. Der Schwerpunkt liegt dort in der Erzeugung hochwertiger Rotweine, die größtenteils im Barrique ausgebaut werden.
"Rote Weine können viele machen, Rotwein aber nicht jeder", betont Lorenz und verweist auf die höheren Anforderungen dieses Weins an Boden, Umwelt, Klima und letztlich den Winzer. Mit seinen in Österreich erworbenen Kenntnissen kann er die bereits sehr erfolgreiche Rotweinlinie seines elterlichen Weingutes weiterentwickeln. "Mir ist es wichtig, dass meine Eltern offen für neue Impulse sind und sich auf die gemeinsame Arbeit freuen", unterstreicht er.
Vater Ewald meint, dass Lorenz auf seiner geschmacklichen Linie liege und ihn im Streben darin, einen immer besseren Wein zu machen, unterstützen werde. "Wenn wir Wein probieren, sind wir uns zu 80 Prozent einig", stellt er fest. Mit einer Flächenerweiterung wurden die Weichen für eine weitere Entwicklung des Betriebs gestellt.

Vom "Winzer des Jahres" gelernt


Im Rahmen der Technikerausbildung absolvierte Lorenz noch ein Praktikum im Weingut Bernhard Ott in Niederösterreich, wo überwiegend Grüner Veltliner erzeugt wird. Ott zählt zu den Lieferanten der Spitzengastronomie und wurde bereits als "Winzer des Jahres" in Österreich ausgezeichnet. Auch hier sammelte Lorenz Erfahrungen, die er künftig in Ramsthal einsetzen kann.
Dass die Zusammenarbeit von Vater und Sohn vielversprechend ist, zeigte die Bewertung des 2011er Ramsthaler St. Klausen Grauer Burgunder Spätlese trocken. Bei einer Verkostung des Magazins Capital belegte er den ersten Platz. Die Idee, ein Rotweincuvee "ä weng - rot" zu nennen, kam von Lorenz. Sie wurde zu einer Erfolgsgeschichte, die es inzwischen auch als "ä weng - weiß" gibt. Fachzeitungen und Weinjournalisten attestieren dem Familienweingut trockene fränkische Weinen auf höchstem Niveau.
Der Einstieg der nächsten Generation im Hause Neder verspricht auch die Möglichkeit, neue und junge Kunden für den Wein zu gewinnen. Nach den Aussichten für den Jahrgang 2011 befragt, meint Lorenz: "Jeder Jahrgang fordert den Winzer auf unterschiedliche Art - ich bin gespannt auf dieses Jahr."