Bad Kissingen

Durch Zufall kam er einst zur Polizei

Polizeihauptkommissar Lothar Manger fällt der Abschied von der Bad Kissinger Polizeiinspektion nicht leicht.
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Polizeihauptkommissar Lothar Manger bei einer seiner letzten Tätigkeiten in der Polizeiinspektion: Schreibtisch aufräumen.  Foto: Thomas Ahnert
Polizeihauptkommissar Lothar Manger bei einer seiner letzten Tätigkeiten in der Polizeiinspektion: Schreibtisch aufräumen. Foto: Thomas Ahnert

Wenn ein Polizeibeamter in Pension geht, was hängt er dann eigentlich an den Nagel? Die Dienstwaffe? Die Handschellen, den Strafzettelblock? Den Dienstausweis? Lothar Manger ist ein bisschen überrascht von der Frage. Das sind schließlich alles Dinge, die er abgeben muss. "Die Uniform", meint er. Aber auch die kann er nicht behalten. Denn dazu war er den Vorschriften entsprechend nicht lange genug Uniformträger. Es sind eher die immateriellen Dinge, die an den Nagel kommen. Seine Erfahrungen und Erinnerungen nimmt er mit. Aber die, an die er sich erinnert, lässt er zurück. "Viele Beziehungen, die man geknüpft hat, bestehen weiter, werden aber nicht mehr gepflegt."

Dem Polizeihauptkommissar fällt der Abschied von der Bad Kissinger Polizeiinspektion nicht leicht. Aber auch die Kollegen werden ihn vermissen. Und die Bevölkerung, für die er in den letzten Jahren zur Personifikation der Dienststelle geworden ist.

Lothar Manger wurde am 25. Dezember 1958 in Arnstein geboren: "Ich bin mehr oder weniger ein Christkind." Er besuchte die Grundschule in Heugrumbach, die Verbandsschule in Arnstein, dann die Realschule in Karlstadt. "Dann kam ich anschließend, am 1. Oktober 1976, zur Bereitschaftspolizei nach Würzburg. Ich habe also keinen Beruf erlernt, aber ich habe mir nicht zuletzt in der Landwirtschaft meiner Eltern viele handwerklichen Fähigkeiten angeeignet, dass ich später mein Haus weitgehend selbst bauen konnte."

Dass er überhaupt zur Polizei kam, war ein Zufall. Eines Tages lag im Klassenzimmer eine Liste, in die sich Interessenten für den Polizeiberuf eintragen konnten. "Da habe ich mich halt auch eingetragen." Er würde das auch heute wieder tun - aber seine Karriere vielleicht ein bisschen anders anlegen.

Nach der Ausbildung, die ihn auch nach Nürnberg und zuletzt nach München führte, kam er sofort wieder nach Unterfranken, und zwar an die Inspektion Würzburg-West mit den Problembezirken Zellerau und Heuchelhof. Dann wurde er nach Schweinfurt versetzt: "Dort habe ich siebeneinhalb Jahre nur Verkehrsunfälle aufgenommen, schwere und auch tödliche." Da, so vermutet er, wurde der Grundstein gelegt, dass er weitere zehn Jahre später in Bad Kissingen den Posten des Verkehrssachbearbeiters übernommen hat. 1990/92 absolvierte Manger den Lehrgang für den Gehobenen Dienst in Sulzbach-Rosenberg, "seit September 1992 bin ich hier in Bad Kissingen, zunächst sieben Jahre als Dienstgruppenleiter. Da habe ich die Stadt und ihre Bewohner kennengelernt. Das war wichtig für meine spätere Arbeit."

Seit 1999 ist er Sachbearbeiter Verkehr. Sein Zuständigkeitsbereich umfasst den gesamten Landkreis. "Die Hauptaufgabe des Sachbearbeiters sind natürlich die Unfallbekämpfung und die Beratung der Gemeinden in verkehrsrechtlichen Angelegenheiten." Lothar Manger hat sie so weit gebracht, dass sie ihn fragen, bevor sie mit neuen Maßnahmen beginnen. Im Nebenamt war er Ausbilder für Laserpistole - eine Arbeit, die ihm immer großen Spaß gemacht hat, weil er da jungen Leuten etwas beibringen konnte.

Was er in den 42 Jahre bei der Polizei am liebsten gemacht hat? Da muss Lothar Manger kurz nachdenken. "Ich habe am liebsten Erfahrungen gesammelt und diese weitergegeben. Das klingt jetzt vielleicht etwas hochtrabend, aber Paradebeispiel ist die Laserausbildung zum Messbeamten. Ich habe selber oft gemessen und auch die Erfahrungen von Kollegen in die Ausbildung einfließen lassen."

Und was hätte er gerne weggedrückt? Da muss Lothar Manger kurz lachen, wird vorsichtig in den Formulierungen: "Ja, also, ich bin immer möglichst offen auch an schwierige Dinge herangegangen, aber irgendwann werden dann umfangreichere Fälle doch zur Last. Aber richtig drücken wollte ich mich nie. Ich habe das immer als Herausforderung gesehen."

In einer Hinsicht hat er großes Glück gehabt: Er musste nie die Dienstwaffe ziehen aus Gründen der Gefahrenabwendung oder des Eigenschutzes - er musste nicht einen Schuss abgeben. Dafür ist er dankbar, denn er hat auch in der engeren Umgebung Kollegen, für die das zum traumatischen Erlebnis wurde. Das ließ auch ihn nie kalt.

Nachfolger schon da

Was den Verkehrsexperten mit einer gewissen Befriedigung erfüllt, ist, dass sich die Verkehrssicherheit im Landkreis in den letzten Jahren verbessert hat: "Auf einer Skala von 1 bis 10 sind wir bei einer 9", sagt er. Dass es keine 10 ist, dafür macht Manger auch die Straßenbaubehörden verantwortlich: "Es passiert zu wenig, es geht nichts vorwärts." Ein Beispiel ist die Rottershäuser Kreuzung an der ehemaligen B19, die durch den Ausbau der B 286 eigentlich in der heutigen Form verschwunden sein müsste. Dass die Unfallzahl trotzdem gesungen ist, führt er auf die Errichtung eines "Sichtverhinderungszaunes" zurück, den er durchgesetzt hat. Dadurch werden die Autofahrer vorsichtiger.

Natürlich darf die Frage nicht fehlen, was Lothar Manger bei seiner Arbeit wirklich zum Lachen gebracht hat. "Es ist eigentlich Schadenfreude über die Dummheit mancher Leute, die erkennbar betrunken hierher kommen, und irgendeinen Sachverhalt anzubringen, und zwar mit dem Auto." Mehr muss er nicht sagen. Im Moment "verbüßt" Lothar Manger noch seinen Resturlaub. Aber Ende des Jahres ist dann endgültig Schluss. Seine Stelle wurde bayernweit schon sehr früh ausgeschrieben und ist bereits wieder besetzt. Sein Nachfolger Florian Heuring aus Hausen konnte sich schon eine Woche an seinem neuen Arbeitsplatz in die neue Materie einarbeiten - und er ist ortskundig. Manger wird ihm auch künftig bei Fragen behilflich sein.

So ganz wird er den Polizisten aber nicht vergessen können: "Das ist ein lange praktiziertes Verhalten. Man schielt in der Nachbarschaft schon manchmal noch auf die Tüv-Plaketten. Im Ernstfall rede ich dann aber mit den Leuten direkt." Das hat er eigentlich schon immer am liebsten gemacht. "Was ich künftig mache, weiß ich noch nicht. Aber da ich handwerklich ein bisschen begabt bin, wird mit die Arbeit nicht ausgehen." Was er bestimmt nicht tun wird, ist TV-Krimis anschauen.

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