Diesmal geht es nicht um die Gleichstromtrasse Südlink, sondern um eine 380-kV-Wechselstromtrasse. Markus Stockmann, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Der Gegenstrom Elfershausen", weist auf die aktuelle Veröffentlichung des Netzentwicklungsplans Strom 2030 hin. Die so genannte P 43 könnte die Rhön streifen, und zwar als Freileitung. "Es gibt ein gewisses Grundrauschen", sagt Stockmann. Er rechnet damit, dass über den Verlauf der P 43 in den nächsten Wochen, spätestens aber bis Ende des Jahres, entschieden wird.

"Wir fordern die aktuelle und die zukünftige Bundesregierung auf, dass sie zu den Ergebnissen des Koalitionsgipfels vom Juli 2015 steht", betont Stockmann. Damals wurden die Weichen dafür gestellt, dass die Gleichstromtrasse Südlink unter die Erde kommt. Die Entlastung des Netzknotenpunkts Grafenrheinfeld wurde ebenfalls festgeschrieben. Aus diesem Grund kam die P 43 mod ins Spiel.
Die Alternativtrasse P 43 mod führt von Dipperz quer durch den benachbarten Landkreis Main-Kinzig bis nach Urberach südlich von Frankfurt. Der Vorteil: Dort gibt es bereits bestehende Stromtrassen, die technisch aufgerüstet werden könnten. Der Nachteil: Die Strecke ist 35 Kilometer länger als die ursprüngliche Variante P 43. Diese würde von Dipperz nach Bergrheinfeld führen, auch hier gibt es bestehende Infrastruktur. Rhönlink-Vorsitzender Jochen Vogel äußerte schon im Januar 2016 Bedenken, die Stromleitung durch die Schwarzen Berge bei Waldfenster könne für die P 43 aufgerüstet werden.


Forderung: Bestehende Leitungen ausbauen anstatt Neubau

Stockmann sagt: Die P 43 mod werde als Netzoptimierung einer vorhandenen Leitung geplant. Die P 43 wäre dagegen ein Neubau. "Wir bleiben bei unserem Grundsatz: Netzoptimierung vor Neubau", sagt er. Olaf Peter Eul von der Bundesnetzagentur widerspricht. "Es gibt noch überhaupt keine Entscheidung. Alles ist offen", sagt er zu den Plänen. Wo die Trasse konkret verlaufe und ob bestehende Infrastruktur genutzt werde oder nicht, werde erst im nachfolgenden Verfahren erarbeitet. Grundsätzlich gelte das Prinzip - da gibt er Stockmann recht -, eher Leitungen zu verstärken als komplett neue Masten hinzustellen. Aber: "Das kann eine Einzelfallentscheidung nicht ersetzen."

Für die kommenden Wochen kündigt Stockmann Gespräche mit Politikern und Vertretern des Netzbetreibers Tennet an. "Wir sind als Bürgerinitiativen bereit, in eine weitere heiße Phase der Kundgebungen zu gehen", sagt er - auch in Hinblick auf die Landtagswahl 2018. Auch Busse könnten wieder gechartert werden für eine Fahrt nach München. Während des Energiedialogs 2014/2015 hatte eine Abordnung aus der Rhön vor dem Wirtschaftsministerium gegen Südlink protestiert. "Diesmal wird die Staatskanzlei das Ziel sein", sagt Stockmann.


Wo steht die Region beim Südlink?

Die Bundesfachplanung zur unterirdischen Gleichstromleitung Südlink schreitet derweil fort. Der Vorschlag von Netzbetreiber Tennet sieht eine Trassenführung östlich durch den Landkreis vor, von Thüringen kommend. Nach aktuellem Stand wären Münnerstadt, Maßbach und Oerlenbach von der Trassenführung betroffen. Allerdings hat die Thüringer Landesregierung einen eigenen Trassenkorridor vorgelegt. Die Bundesnetzagentur hat Tennet nun damit beauftragt, diesen bis Dezember vorläufig zu prüfen. Erschiene der Verlauf der Bundesnetzagentur als geeignet, so würde sie darüber befinden, wie er in das weitere Verfahren mit einzubeziehen ist.

Stellungnahmen zum Netzentwicklungsplan können noch bis 16. Oktober abgegeben werden. Per Post gehen Schreiben an die Bundesnetzagentur, Stichwort Netzentwicklungsplan/Umweltbericht, ans Postfach 80 01 in 53105 Bonn. Per Mail können sich Bürger an NEP-UB-2017-2030@netzausbau.de wenden. Es gibt auch ein Online-Formular zum Ausfüllen im Internet.