Bad Kissingen

Drei Chöre der Bad Kissinger Pfarrei singen gemeinsam

Die Kulisse ist beachtlich. 80 Frauen und Männer, junge und ältere, stehen auf der Bühne. Dann beginnen sie ihren Gesang. Lautstark, filigran, gefühlvoll und akzentuiert. Weihnachtskonzerte gibt es derzeit sehr viele. Dieses in der Stadtpfarrkirche in Bad Kissingen war ein besonderes.
Artikel drucken Artikel einbetten
Es ist ein imposantes Bild, wenn sich die drei Chöre der Pfarrei - die Kantorei (hinten), der Julifa-Chor (Mitte) und der Jugendchor zum Abschluss versammeln. Foto: Ahnert
Es ist ein imposantes Bild, wenn sich die drei Chöre der Pfarrei - die Kantorei (hinten), der Julifa-Chor (Mitte) und der Jugendchor zum Abschluss versammeln. Foto: Ahnert
Sie sind schon zur guten Tradition geworden, die vorweihnachtlichen Chorkonzerte in der Stadtpfarrkirche mit den drei Chören der Herz-Jesu-Gemeinde: der Kantorei, dem JuLifa-Chor und dem Jugendchor der Städtischen Musikschule und der Herz-Jesu-Gemeinde. Da hat sich im Laufe der Jahre unter der Leitung von Burkhard und Brigitte Ascherl ein Liederkanon entwickelt, aus dem sich gut schöpfen lässt, weil das Publikum ihn mag.
Denn das sind Lieder, die im allgemeinen
Verständnis zu Advent und Weihnachten ganz einfach gehören und die man sich in der Herz-Jesu-Kirche live und authentisch zu Gemüte führen kann, die wirklich eine schöne, ungetrübte Einstimmung sind. Aber auch, weil ganz offensichtlich die Chöre diese Sätze mögen. Man merkt von Anfang an, dass sie da "drin" sind, dass jeder sehr genau weiß, was er wann zu tun hat, dass es vor allem in der Kantorei kein Zögern bei den Einsätzen gibt, die mitunter recht empfindlich sind, dass sich niemand hinter dem anderen versteckt, sondern gesamtverantwortlich singt.

Konzept der Differenzierung

Was dabei entsteht, sind sehr klar konturierte, bis zu acht Stimmen verwendende Satzinterpretationen, die auch dank einer pointierten Artikulation durchhörbar und textverständlich sind. Und es entsteht oft eine sehr schöne, sehr bewusste Klangrede wie gleich bei dem Eingangslied, dem berühmten "Machet die Tore weit" des Spätrenaissancemeisters Andreas Hammerschmidt: kräftig, rufend die Aufforderung, die Tore und damit sich selbst zu öffnen, leiser, sachlicher die Begründung. Dieses Konzept der Differenzierung hält Burkard Ascherl mit seinen Leuten weitestgehend durch, und so werden diese allgemein bekannten Lieder wie Haslers "Dixit Maria" oder Bachs "Brich an, du schönes Morgenlicht" oder Thiels "In dulci jubilo", die viele im Publikum leise mitsingen könnten, trotzdem immer wieder interessant, weil sich der Inhalt in der Gestaltung niederschlägt.
Nur bei Mendelssohns "Frohlocket, ihr Völker auf Erden" würde es sich nicht raten mitzusingen. Bei dem achtstimmigen Satz kann man sich leicht verirren. Dafür konnte man sich darüber freuen, wie der Chor trotz der komplizierten Struktur mit plastischer Rythmisierung das romantische Melos des Komponisten entwickelte.
Eine Kleinigkeit fiel aber auf (in der Abteilung Beckmesserei) - gerade weil der Chor so artikulierend sang: in "Geboren ist und Immanuel" von Michael Praetorius hätte man sich den Abbruch der langen Haltetöne an den Strophenenden markanter gewünscht, vor allem auf das Wörtchen "ist". Das ist natürlich auch ein Problem der Akustik, die allerdings dank der hohen Rückwand sehr viel besser ist als in früheren Jahren.
Sehr schön war, dass die drei Chöre der Pfarrei zunächst getrennt auftraten, dass man die unterschiedlichen Konzeptionen, die da unterlegt sind, sehr gut beobachten konnte. Denn der Julifa-Chor ist ein Angebot für Leute, die einfach nur gerne singen, ohne sich groß mit Strukturfragen auseinandersetzen zu müssen, die neudeutsch auf den Melodien surfen wollen und sich dabei auch gerne von einer melodiebetonten Klavierbegleitung tragen lassen wie bei "Es ist für uns eine Zeit angekommen" oder John Rutters "Die wunderbare Zeit". Da ließen sich leichter Emotionen zeigen, und die Gruppe betrieb gleichzeitig beste Werbung bei den Noch-nicht-Sängern.

Beste Nachwuchsarbeit

Mit dem Jugendchor betreibt Brigitte Ascherl beste Nachwuchsarbeit. Sie hatte ein Programm quer durch Europa zusammengestellt, das die Mädchen - Jungen halten Singen wohl für uncool oder sind dazu zu feige - zwar gefordert, aber nicht überfordert waren. Durchaus beeindruckend war die intonatorische Sicherheit und Konzentration. Aber deutlich wurde natürlich auch der unterschied zum großen Chor, in den sie hineinwachsen werden: Sie singen noch jede für sich, weil sie mit der Materie beschäftigt sind. Dass Chorgesang ein Gemeinschaftsresultat ist, ist eine Erfahrung, die sich noch einstellen wird.

Da legt sich jeder ins Zeug

Die Finalrunde, wenn alle drei Chöre zusammen singen, erinnert ein wenig an die "Last Night of her Proms". Die hat ihre programmatischen Rituale, die so etwas wie Ankommen signalisieren. Da wird's dann wirklich kraftvoll, da legt sich jeder noch mal ins Zeug, da wurde "Adeste fideles" geradezu zum Befehl. Wirkungsvoll war auch das langgezogene "Gloria" in "Hört der Engel helle Lieder".
Noch wirkungsvoller wäre es gewesen, wenn der A-Teil des Liedes ein bisschen leiser gewesen und so Kontrast entstanden wäre. Aber man konnte auch die Begeisterung verstehen. "Freu dich, Erd und Sternenzelt" gab's als Zugabe unter ein wirklich schönes Konzert.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren