Premich
Dorfleben

Dorfladen sorgt für Unmut bei der Bürgerversammlung in Premich

Die Versorgung im ländlichen Raum bewegt die Premicher Bürger. Im März will der Gemeinderat des Marktes Burkardroth eine Entscheidung zum Dorfladen treffen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Hubert Herbert appellierte als Sprecher der Projektgruppe an die Vertreter des Markts Burkardroth.Johannes Schlereth
Hubert Herbert appellierte als Sprecher der Projektgruppe an die Vertreter des Markts Burkardroth.Johannes Schlereth

Nahversorgung für den ländlichen Raum ist in Zeiten des demografischen Wandels ein großes Thema. Die Premicher Bürger ergriffen deshalb selbst die Initiative. Ein Dorfladen sollte her, mitfinanziert und betrieben von den Bürgern. Seitdem geriet das Projekt durch Prüfungen und Stellungnahmen zunehmend ins Stocken. Die Projektgruppe um den Dorfladen sieht die Verantwortung dafür bei der Politik. Das sorgte für Gesprächsbedarf bei der Premicher Bürgerversammlung am Dienstag. Jetzt will der Gemeinderat im März eine Entscheidung zum Dorfladen fällen.

Alte Idee

Die Geburtsstunde hatte die Idee des eigenen Dorfladens im Jahr 2015 bei einer Versammlung des Marktes Burkardroth im Premicher Pfarrheim. "Es ging darum, die Möglichkeit eines Dorfladens auszuloten", sagt Hubert Herbert, Sprecher der Projektgruppe, rückblickend.

Die Idee fand Anklang, es gründete sich eine Projektgruppe und erarbeitete ein Konzept. "Der Dorfladen soll mehr als nur eine Verkaufsstelle sein - er soll auch als Treffpunkt dienen", betonte Herbert. Unterstützung erhielt sie dabei von Volker Hahn, der im Auftrag des Markt Burkardroths einen Wirtschaftsplan erarbeitete. Der auf Dorfläden spezialisierte Unternehmensberater hat bereits 80 solcher Projekte betreut. Die Konzeptidee ergab sich durch eine Umfrage unter den Premichern. "Wir haben uns kundig gemacht, was die Bürger wollen", teilt Herbert mit. Das Ergebnis der Befragung: Die Premicher wollen nicht nur eine reine Verkaufsstelle sondern gleichzeitig einen sozialen Treffpunkt. Herbert dazu: "Das war die Grundlage für unsere Arbeit."

Positive Resonanz

Das Konzept von Treffpunkt und Verkaufsstelle kam gut an. Herbert dazu: "Das Grundkapital in Höhe von 80.000 Euro steuerten nicht nur Premicher, sondern auch Bürger aus umliegenden Orten schnell bei." Bald standen Fördermittel fest. Das Amt für ländliche Entwicklung (ALE) in Würzburg unterstützt den Dorfladen mit 250.000 Euro. Die Summe ist für den Markt Burkardroth allerdings mit einer Bürgschaft verbunden. Würde der Dorfladen innerhalb von zwölf Jahren bankrott gehen, müsste die Kommune einen Rest des Geldes zurückzahlen. "Das gilt allerdings nur, wenn das Gebäude im Nachhinein nicht mehr für Soziales genutzt wird", betonte Gemeinderat Frank Voll. "Der Markt müsste also erst beim Leerstand des Dorfladens einen Teil der Fördersumme ans ALE zurückzahlen." Sollte er diese Zeit überstehen, gibt es ebenfalls keine Rückzahlungen ans ALE.

Die Europäische Union hat mit Mitteln aus dem Projekt LEADER ebenfalls Geld für den Premicher Dorfladen in Aussicht gestellt. "Mit 30.000 Euro soll die Erstausstattung finanziert werden", informiert Herbert.

Konkrete Pläne

Der Dorfladen soll insgesamt 660.000 Euro kosten. "Eigentlich sollte er in die alte VR-Bank. Das hat sich aber als zu umständlich und teuer erwiesen", führte Herbert aus. Die Folge: "Wir haben uns für den Abbruch und Neubau entschieden." Bei den Kosten sei alles berücksichtigt. "Bei der Summe inbegriffen sind auch die Außenanlage und die Photovoltaikanlage", zählt er auf. An den Kosten wäre der Markt Burkardroth mit 170.000 Euro beteiligt.

Trotz des ausgearbeiteten Konzepts sei es von da an nicht mehr vorangegangen, hatte doch der Markt Burkardroth regelmäßig Einwände gegen den Wirtschaftsplan. Die Projektgruppe nahm die Bedenken der Verwaltung zunächst pragmatisch. "Sobald ein Einwand kam, haben wir reagiert und entsprechende Änderungen am Konzept vorgenommen."

Dorfladen in den Mühlen der Demokratie

"Ich bin jedes Mal mit der Einstellung "Jetzt klappt es" ins Rathaus gegangen", sagte Hubert Herbert, Sprecher der Initiative, rückblickend. Allerdings habe sich die Hoffnung regelmäßig wieder zerschlagen. "Immer wieder wurden neue Stellungnahmen von uns gefordert. Und das, obwohl alle Fakten bereits auf dem Tisch liegen." Die Projektgruppe habe deshalb genug davon, auf neue Anforderungen zu reagieren. "Jetzt seid ihr als Politiker gefragt", appellierte Herbert an die anwesenden Gemeinderäte und den Bürgermeister Waldemar Bug (ödp). Nach mehreren Jahren sei die Zeit für eine Entscheidung reif.

Fakten müssen auf den Tisch

Ein Diskussionspunkt ist beispielsweise der von Volker Hahn erstellte Wirtschaftsplan. Ein Steuerbüro prüfte im Januar 2019 das erarbeitete Konzept. Jetzt sollen die Projektinitiatoren Stellung zur Kritik des Prüfers nehmen. "Wenn der Prüfer den Kontakt zu Volker Hahn aufgenommen hätte, wäre das nicht notwendig", meinte Herbert. Ein Streitpunkt ist der im Plan angenommene Umsatz. "Im Plan basieren die Umsätze auf den Erfahrungen von über 60 anderen Dorfläden", erklärt Hubert. "Jetzt sollen wir dazu Stellung nehmen - eine Rückfrage während der Prüfung hätte das erledigt."

Hüh und hott im Bürokraten-Dschungel

Durch die Prüfungen ergaben sich außerdem Unklarheiten. "Als wir das erste Mal unser Konzept im Marktgemeinderat vorgestellt haben, wurde moniert, dass wir mit zu wenig Personal kalkulieren." Es folgte eine Aufstockung seitens der Projektgruppe. Als nächstes prüfte die LEADER-Förderstelle den Plan. "Dort wurde bemängelt, dass wir den Personalbedarf zu hoch angesetzt haben." Die Projektgruppe reagierte erneut, und änderte ihren Personalschlüssel. Das Steuerbüro, dass im Januar diesen Jahres den Wirtschaftsplan prüfte, monierte sich darüber, dass das Personal zu knapp kalkuliert sei.

"Es ist gang und gäbe, dass mehrere Institutionen über ein Projekt schauen", sagte Bug. "Der Prüfer gibt Anregungen welche Punkte noch diskutiert werden müssen." Die Entscheidung könne der Gemeinderat erst fällen, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen würden, betonte der Bürgermeister. "Ich hoffe, dass die Projektgruppe noch die notwendige Vorarbeit macht." Im Gemeinderat soll über das Thema in einer der nächsten Sitzungen im März entschieden werden. Die Projektgruppe will sich deshalb den Hausaufgaben noch einmal annehmen.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren