Stralsbach
Ehrenamt

Dorf mit virtueller Visitenkarte

Er wurde 2011 gegründet, um die Schule zum Gemeinschaftshaus umzubauen. Mittlerweile wurde mehr daraus.
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Gerhard Kauf hat eine 50 Seiten umfassende Homepage für den Förderverein erstellt. Berthold Kröckel (rechts) gibt ihm noch ein paar Termine, die veröffentlicht werden sollen.  Fotos: Kathrin Kupka-Hahn
Gerhard Kauf hat eine 50 Seiten umfassende Homepage für den Förderverein erstellt. Berthold Kröckel (rechts) gibt ihm noch ein paar Termine, die veröffentlicht werden sollen. Fotos: Kathrin Kupka-Hahn
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Knapp 500 Menschen wohnen hier. Es gibt einen Gasthof, eine Kirche, einen Sportplatz, sonst nichts. Keinen Arzt, keinen Bäcker, keinen Laden, in dem man Lebensmittel einkaufen kann. Dennoch leben die Stralsbacher gerne in ihrem Dorf. "Unser Wir-Gefühl hat sich verändert", nennt Berthold Kröckel einen Grund.
Der Rentner ist Vorsitzender des Fördervereins Dorfgemeinschaft Stralsbach. Er sitzt soeben mit Gerhard Kauf zusammen und bespricht letzte Details für die neue Homepage des Vereins. Seit 1. Juni ist diese online. Noch wissen nur wenige davon. "Wir müssen noch optimieren, dass Suchmaschinen unsere Homepage finden", sagt der Tüftler. Viele Monate hat Kauf, der ebenfalls Ruheständler ist, daran gearbeitet. "Wir haben uns bewusst für keine fertige, sondern für eine individuelle Lösung entschieden", erklärt er.


100 Bauhelfer mit 7500 Stunden

Etwa 50 Seiten umfasst sein Werk. Es informiert über den Verein und sein Domizil "Alte Schuel". "Die Homepage ist unsere virtuelle Visitenkarte. Das hat der Gerhard gut gemacht", sagt Kröckel. Sie vollendet ein Projekt, das vor sechs Jahren begann.
2011 haben sich etwa 230 Stralsbacher zu dem Förderverein zusammengeschlossen. Dessen Ziel war zunächst, die leerstehende alte Schule zum Dorfgemeinschaftshaus umzubauen. "Wir haben damals nicht geahnt, was für Arbeit auf uns zukommt", erinnert sich Andreas Schmück. Er gehört ebenso wie Berthold Kröckel, Monika Knauer, Dorothea Heuer-Kretschmer und Bernd Müller von Anfang an zum Vorstand des Fördervereins. "Aber die Reihenfolge bei unserem Vorhaben hat gepasst", ist er überzeugt. "Der Raum für unsere Ideen und Träume war da. Jeder hat gewusst, wofür er schafft", fügt Monika Knauer hinzu. Etwa 100 Stralsbacher haben rund 7500 Stunden als Bauhelfer geleistet, damit wieder Leben in die Schule einziehen kann. "Der Umbau hat sich gelohnt", ist Berthold Kröckel heute überzeugt. "Denn sie ist jetzt 'unsere' Schule", ergänzt Monika Knauer.


Ein Raum für die Dorfjugend

Seit der Fertigstellung des Gebäudes Mitte Mai 2015 herrscht reger Betrieb. Die Band "Nur Mut", der Stralsbacher Gesangverein und die Musikkapelle proben in ihren Räumen, der Sportverein veranstaltet seine Kurse für Damen- und Skigymnastik im Saal. Regelmäßig treffen sich dort auch die Mitglieder der Osteoporose-Gruppe des Marktes Burkardroth und eine Yogagruppe. Außerdem feiern die Stralsbacher Vereine ihre Feste in dem Haus. "Jüngster Mieter ist unsere Dorfjugend", erzählt Berthold Kröckel. Seit etwa einem Jahr nutzen die Jugendlichen einen Raum im Erdgeschoss. Einige der Kids helfen auch bei der Pflege der Außenanlagen, mähen beispielsweise den Rasen.
Probleme mit den Mietern gibt es keine. "Alle achten darauf, dass es im Haus sauber ist", weiß er. Die "Alte Schuel" ist parallel dazu auch ein gefragter Versammlungs- und Veranstaltungsort - für Treffen, die der Markt Burkardroth organisiert, sowie anderer öffentlicher Einrichtungen. "Im vergangen Jahr waren beispielsweise 50 regionale Vertreter aus Bayern zu einer Tagung hier", sagt Kröckel.


Protest gegen Industriegebiet

Der Umbau der alten Schule hat im Dorf aber noch mehr bewegt. Im Frühjahr 2016 haben sich die Stralsbacher zusammen geschlossen, um gegen das vom Markt Burkardroth geplante Industriegebiet vorzugehen. Die Stralsbacher haben Bürgerinformationen veranstaltet, eine Interessengemeinschaft gegründet und dem Gemeinderat Druck gemacht - mit Erfolg.
Das Gremium beschloss schließlich, auf der geplanten Fläche oberhalb Stralsbachs nur noch ein Gewerbegebiet zu entwickeln. "Die Leute haben begriffen, wenn du zusammenhältst, kannst du etwas erreichen", sagt Kröckel. "Ohne die Schule wären wir heute nicht so eine gute Dorfgemeinschaft", fügt er hinzu.
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