Bad Kissingen
Naturschutz

Diskussion um die Ziegen im Saaletal

Im Saaletal sorgen Schafe und Ziegen dafür, dass die ehemaligen Weinberge Magerrasen bleiben. Das macht immer wieder Ärger.
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Ziegen leisten einen großen Beitrag zum Landschaftsschutz, wenn sie allerdings Weinbergsmauern und Böschungen beschädigen oder Obstbäume entrinden, ärgert das Grundstücksbesitzer. Foto: Ralf Ruppert
Ziegen leisten einen großen Beitrag zum Landschaftsschutz, wenn sie allerdings Weinbergsmauern und Böschungen beschädigen oder Obstbäume entrinden, ärgert das Grundstücksbesitzer. Foto: Ralf Ruppert
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Wanderer und Kinder finden sie einfach nur süß, vielen Grundstückseigentümern geht der Hut hoch, wenn sie die Ziegen sehen. "Wir haben von nichts gewusst, und der Obstbaum war bis auf weit über zwei Meter komplett abgefressen", berichtet etwa der Sulzthaler Ernst Bischoff von seinem Ärger über die vierbeinigen Landschaftspfleger. Vor Jahren pflanzte er einen "Rheinischen Winterrampur" auf den ehemaligen Weinberg: Loch graben, Erde hintragen, angießen. Als endlich die ersten Äpfel am Baum hingen, wurde er kahl gefressen und starb ab. Selbst wenn er jetzt einen neuen pflanzt: "Davon ernte ich keinen Apfel mehr", sagt der 79-Jährige.

Auch bei Bürgerversammlungen waren die Ziegen bereits Thema: Grundstückseigentümer beschwerten sich, dass Steine von den historischen Weinbergsmauern getrampelt wurden. Deshalb kennt der Sulzthaler Bürgermeister August Weingart die Problematik, allerdings sei er nicht zuständig: "Ich verweise auf die Untere Naturschutzbehörde, die kommen raus und schauen sich die betroffenen Flächen an", sagt er.

Laut Landratsamt beweiden Ziegen und Schafe seit dem Jahr 2000 Flächen im Raum Hammelburg - bis 2009 im Rahmen des Naturschutz-Großprojektes "Xerothermverbund Fränkische Saale-Lauer", danach über das Life-Naturschutz-Projekt "Main Muschelkalk". Bis vor zwei Jahren war der Landkreis mit einer eigenen Ziegen-Herde auf den Magerrasen unterwegs. Die rund 400 Tiere wurden jedoch im Mai 2017 wegen Pseudotuberkulose gekeult.

"Ziel war und ist die Pflege von wertvollen und schützenswerten Mager- und Trockenstandorten", berichtet Lena Pfister vom Landratsamt. Die Beweidung soll verhindern, dass die Flächen verbuschen. Dafür arbeitet der Landkreis mit Schäfern wie Andreas Hartmann (Heckmühle) zusammen, gefördert über das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP).

"Für Flächen des VNP versuchen wir von Seiten des Landratsamtes Bad Kissingen größtmöglich die Einverständniserklärungen der Grundstückseigentümer einzuholen", betont Pfister. Allerdings könne das Landratsamt nicht verhindern, dass der Schäfer bei der Beweidung andere Flächen unbeabsichtigt mit beweidet. "Das liegt in der Verantwortung des jeweiligen Schäfers, aber wir bitten die Grundstückseigentümer auch um Verständnis, da es sich hierbei zum Teil um sehr kleine Parzellen handelt und die Tiere sich nicht immer so lenken lassen, wie wir Menschen uns das wünschen." Der Schäfer sei auch dafür zuständig, etwa Weinbergsmauern zu sichern. Bei Fragen könnten sich Eigentümer an die Untere Naturschutzbehörde wenden (siehe Info-Kasten).

Zwischen den Fronten steht Schäfer Andreas Hartmann, der aktuell mit seinen rund 100 Schafen und Ziegen in Sulzthal unterwegs ist: "Vor Ort kriege ich viel positive Rückmeldung", berichtet er, einige Grundstücksbesitzer würden ihn sogar bitten, die Fläche noch mitzubeweiden, obwohl er kein Geld dafür bekomme. Aber auch die Kritik kann er nachvollziehen. "Ich mache es, so gut ich kann", versichert er, und: "Ich gehe nie absichtlich auf eine Fläche, auf die ich nicht darf."

Wirtschaftlich sei der Einsatz der Herde eh "grenzwertig": "Auf dem Magerrasen werden die Tiere gerade so satt, aber mästen kann man sie dort nicht", stellt er klar. Umso wichtiger ist auch ihm, dass es keine Schäden gibt. Deshalb habe er sich auch bei der Gemeinde angemeldet. Am liebsten sei ihm, wenn Grundstückseigentümer spätestens ab Juli Hinweisschilder aufstellen, dass diese Fläche nicht beweidet werden soll. Und auch selbst will er mehr tun: In Zukunft stelle er Schilder mit seiner Handy-Nummer auf, kündigt er auf Nachfrage an, denn: "Mir ist es ja auch wichtig, dass die Menschen mit dem, was wir tun, einverstanden sind."

Ansprechpartner Neuer Leiter der Unteren Naturschutzbehörde ist Matthias Endres. Für die Gemeinden Elfershausen, Fuchsstadt, Hammelburg, Wartmannsroth, Zeitlofs, Bad Brückenau, Motten, Oberleichtersbach und Schondra ist Doris Hupfer zuständig, für Münnerstadt, Bad Bocklet, Burkardroth, Wildflecken, Geroda und Riedenberg Franz-Peter Ullmann sowie für Bad Kissingen, Nüdlingen, Maßbach, Thundorf, Rannungen, Oerlenbach, Euerdorf, Sulzthal, Ramsthal, Aura und Oberthulba Peter Piel.

Neubesetzung Unbesetzt ist aktuell die Geschäftsführung des Landschaftspflegeverbandes: Zum 1. Oktober soll dort laut Landratsamt ein neuer Mitarbeiter kommen, zum Jahreswechsel kehrt Geschäftsführerin Aglaia Abel aus der Elternzeit zurück.

Kontakt Schäfer Andreas Hartmann ist erreichbat unter andreas.hartmann1969@gmx.de.rr

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