Bad Kissingen
Podiumsdiskussion

Diskussion in Bad Kissingen: "Integration findet im Alltag statt"

"Alles eine Frage der Integration ... am Arbeitsmarkt?" - so lautete das Motto einer Podiumsdiskussion in Bad Kissingen.
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Zur Veranstaltung 30 Jahre Sozialdienst für ausländische Geflüchtete im Landkreis Bad Kissingen gehörte auch eine Podiumsdiskussion. Foto: Klaus Werner
Zur Veranstaltung 30 Jahre Sozialdienst für ausländische Geflüchtete im Landkreis Bad Kissingen gehörte auch eine Podiumsdiskussion. Foto: Klaus Werner
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Zur Veranstaltung 30 Jahre Sozialdienst für ausländische Geflüchtete im Landkreis Bad Kissingen gehörte eine Podiumsdiskussion. Diese stand unter dem Motto: "Alles eine Frage der Integration... am Arbeitsmarkt?", die Thomas Kipple vom Diözesanverband leitete. Eingeleitet wurde sie mit der Feststellung, dass "die hohe Schutzquote von 60 Prozent bedeutet, dass die Menschen dableiben werden".

In der Diskussionsrunde saß der Äthiopier Bekele Feleke Demlash, der über Ungarn nach Deutschland kam, dessen Asyl-Verfahren noch offen und der als studierter Umweltfachmann bei Institut Dr. Nuss beschäftigt ist. Sein Arbeitgeber, Jens Engelken, betonte die gute Zusammenarbeit, kritisierte jedoch die sehr kurzfristigen und oft nicht abgestimmten Genehmigungen zum Aufenthalt und zur Arbeitserlaubnis. Man habe einerseits keine Planbarkeit im Unternehmen und andererseits bedeute dies auch eine psychische Belastung des Mitarbeiters.

Stefan Seufert, der Integrationsbeauftragte des Landkreises, gestand komplizierte Behördenverflechtungen ein. Vereinfachungen seien auf dem Weg, auch vor dem Hintergrund das Migranten als Fachkräfte notwendig seien. Dies bestätigte Sabine Schloder von der Bundesagentur für Arbeit. Nicht nur bei der sogenannten Arbeitsmigration sei der Spracherwerb der erste Schritt, erst dann folge die Qualifikation mit Anerkennung von Abschlüssen oder weiterführender Qualifizierung.

Dass diese Migration nicht nur Aufgabe offizieller Stellen ist, sondern auch durch Ehrenamtliche geleistet wird, bestätigte Gesine von Postel von der Flüchtlingshilfe Hammelburg. Dies gehe jedoch zurück, einerseits aufgrund negativer Äußerungen auf den politischen Ebenen und andererseits, weil man im Behördendschungel an Grenzen stoße. Der Spracherwerb werde gefördert, wenn man den Geflüchteten ein "Leben in den Orten, mitten im Alltag ermöglicht".

Dies sei in Ankerzentren nicht möglich, denn dort werden die Flüchtlinge "gehalten" und dies sei das Gegenteil von Integration, meinte Asylsozialberaterin Jutta Ort. Schlecht für die Stimmung im Lande waren ihrer Meinung nach die ständigen politischen Wechsel bis zur bayrischen Landtagswahl. Sie bemängelte, dass es keine einheitlichen Standards gebe oder dass Sprachkurse für bestimmte Nationalitäten nicht angeboten werde. Dies habe negative Auswirkungen auf die Motivation und die Angst vor Rückführung verstärke die psychische Belastung der Geflüchteten.

Dezentralität war auch für Stefan Seufert ein Schlüsselwort, denn dies bedeute Kontakt mit der Bevölkerung - und man könne durch Information vor Ort der Bevölkerung die Ängste nehmen und Vorbehalte abbauen: "Integration findet nicht in den Behördenstuben statt, sondern im Alltag." Für Bekele Feleke Damlash ist dies mit der Arbeitsstelle gelungen, jedoch ist er aufgrund der Unsicherheiten noch nicht angekommen: "Ich wünsche mir ein Leben mit Plan. Ein Leben ohne Plan ist schwer."

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