Bad Kissingen
Kirche

Diözese setzt den Rotstift an: Unsicherheit auch im Landkreis Bad Kissingen

Schmerzlich spürbare Einsparungen hat das bischöfliche Ordinariat angekündigt. Diese könnten sich auch im Landkreis bemerkbar machen.
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Die Sparmaßnahmen der Diözese könnten auch die Pfarreien im Landkreis treffen. Fotos: Heike Beudert, pavelvinnik /Fotolia Grafik: Micho Haller
Die Sparmaßnahmen der Diözese könnten auch die Pfarreien im Landkreis treffen. Fotos: Heike Beudert, pavelvinnik /Fotolia Grafik: Micho Haller

"Das Bistum Würzburg befindet sich derzeit in einer schwierigen, finanziellen Situation", hieß es in der vergangenen Woche in einer Pressemitteilung des bischöflichen Ordinariats Würzburg (wir berichteten). Die Einsparungen werden "spürbare Auswirkungen zeigen beim vielfältigen kirchlichen und sozialen Engagement oder bei Baumaßnahmen sowie bei künftigen Personaleinstellungen zeigen". Die Mitteilung hat auch im Landkreis Bad Kissingen die Pfarrgemeinden überrascht. Die Reaktionen sind unterschiedlich.

Dekan Stephan Hartmann (Burkardroth) tut sich schwer, die Auswirkungen derzeit abzuschätzen. Auch er wurde, wie die Öffentlichkeit, von der Mitteilung des Bistums überrascht. Sorgen macht sich der Münnerstädter Stadtpfarrer P. Markus Reis um die seit Jahren geplante Kirchensanierung in Münnerstadt, vor allem um den 2. Bauabschnitt. Emil Müller, der Vorsitzende des Kreiscaritasverbandes Bad Kissingen, geht davon aus, dass nach dieser Ankündigung aus Würzburg die Spielräume auch für den Kreisverband enger werden könnten.

Die Sparmaßnahmen würden unter Umständen die Beratungsangebote der Caritas im Landkreis betreffen, so Müller. Hier ist die Caritas breit aufgestellt; zwar werden viele Angebote auch vom Freistaat mitgetragen, doch bleibt die Diözese ein wichtiger Geldgeber für die gemeinnützige Organisation. "Sorgen habe ich aber noch keine", meint Emil Müller. Die Finanzierung der Caritas werde deshalb nicht zusammenbrechen. Aber auch Emil Müller rechnet nach der jüngsten Ankündigung damit, dass unter Umständen bei der Caritas im Landkreis mit schmerzhaften Einschränkungen zu rechnen ist. Was aber tatsächlich sein wird, kann er derzeit nicht abschätzen.

Völlig überrascht wurde P. Markus Reis von dem Schreiben des Generalvikars, in dem dieser den Pfarrgemeinden mitgeteilt hat, dass künftig nur noch absolut notwendige Baumaßnahmen gefördert werden. Deshalb hat P. Markus bereits ein Schreiben an die bischöfliche Bauverwaltung verfasst. Eigentlich soll im Frühjahr in Münnerstadt der erste Bauabschnitt der Kirchensanierung beginnen. Gleichzeitig hat der Stadtpfarrer vom Kunstreferat des Ordinariats eine Anfrage, wie es um das Künstlerkolloqium steht, das im Frühjahr stattfinden soll; mit diesem werden die Grundlagen für die liturgische Gestaltung der Kirche im 2. Bauabschnitt gelegt. Jetzt ist Reis verunsichert und sorgt sich, wie es mit der Sanierung überhaupt weitergehen wird. "Muss ich Angst haben?" , fragt sich P. Markus, dass nach jahrelanger Planung die Kirchensanierung weiter aufgeschoben wird oder die Finanzierung noch stärker zu Lasten der Kirchenstiftung geht. Der Seelsorger geht jedoch davon aus, dass die Kirchensanierung dringend notwendig ist, schließlich musste bereits vor längerer Zeit ein Netz im Kirchenschiff gespannt werden, weil Teile des schadhaften Putzes abfallen könnten.

P. Markus unterstreicht, dass die Münnerstädter Pfarrgemeinde bei dem Mammutprojekt auf die finanzielle Hilfe aus Würzburg absolut angewiesen ist. Schließlich gibt es nicht nur das Gottteshaus, sondern auch einen Kindergarten sowie das Pfarrheim und das Jugendzentrum, die unterhalten werden müssen.

Froh ist Dekan Hartmann, der im Raum Burkardroth auch Ortspfarrer der Pfarreiengemeinschaft "Der gute Hirte" ist, dass die Sanierung der Kirche in Waldfenster bereits angelaufen ist. Er geht davon aus, dass die Sparankündigungen diese Maßnahme nicht mehr betreffen. "Was zugesagt ist, ist zugesagt", betont der Pfarrer. Aber er weiß und versteht, dass sich die Gemeinden jetzt Gedanken machen. "Baumaßnahmen sind eine spannende Frage", stellt er fest. Er erinnert an die Kindergärten, die im Landkreis in der Regel in kirchlicher bzw. kirchennaher Trägerschaft sind und in der Vergangenheit bei Bauprojekten von der Diözese gefördert wurden. Auch im Raum Burkardroth ist das so. Vielleicht werde es in Zukunft so sein, dass die Kommunen bei Sanierungsmaßnahmen stärker in die Pflicht genommen werden, überlegt der Dekan. In anderen Bistümern sei das bereits so geregelt, da die Kinderbetreuung ja eine Pflichtaufgabe der Kommunen ist.

Beruhigt ist Hartmann, dass die Diözese im pastoralen Bereich (Seelsorge) keine Einsparungen plant. Allerdings erinnert er daran, dass hier in den vergangenen Jahren bedingt durch den Priestermangel ohnehin schon viel weniger kirchliches Personal in der Seelsorge tätig sei. Gerade im ländlichen Raum sei die Personaldecke bereits eng.

Aktuell ist in der Diözese auch nicht mehr zu erfahren. Die Pressestelle verweist auf die Haushaltspressekonferenz im Februar.

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