Bad Kissingen
Konferenz

Digitale Bildung als Chance für die Zukunft

250 Besucher kamen zur zweiten Bildungskonferenz in den Regentenbau. Thema war die rauschhafte Entwicklung der digitalen Bildung.
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Einige Firmen präsentierten während der Bildungskonferenz ihr Angebot im Foyer des Regentenbaus. Sigismund von Dobschütz
Einige Firmen präsentierten während der Bildungskonferenz ihr Angebot im Foyer des Regentenbaus. Sigismund von Dobschütz
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Chancen und Herausforderungen digitaler Bildung waren das Thema der zweiten Bildungskonferenz, zu der das Bildungsbüro des Landratsamtes am Freitag in den Regentenbau eingeladen hatte. Die unerwartet hohe Teilnehmerzahl von über 250 Vertretern von Kindertagesstätten und sämtlichen Schulgattungen bestätigte nach Meinung von Sachgebietsleiter Stefan Seufert die richtige Wahl des Themas: "Digitale Bildung zeigt eine rauschhafte Entwicklung."

Noch sind Handys und Tablets in Kinderhand bei vielen Pädagogen und Eltern verpönt, die Nutzung digitaler Medien in Schulen umstritten. Zu groß ist die Sorge um mögliche Risiken für die gesundheitliche und geistige Entwicklung junger Menschen. Als klarer Befürworter digitaler Bildung trat Carsten Huge auf, Leiter der Oberschule Gehrden bei Hannover, an der seit 2009 nur noch digital gelehrt und gelernt wird. In einem Impulsvortrag berichtete Huge zunächst allgemein über die Chancen und Möglichkeiten digitaler Bildung. Zum Abschluss der Bildungskonferenz nahm er dann in einem der fünf Fachforen seine Oberschule als Beispiel für digitale Bildung an weiterführenden Schulen.

"Nicht das Gerät soll Macht über mich haben, sondern ich über das Gerät", ist die Forderung des Pädagogen. Um aber den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien beherrschen zu können, darf dies nicht unkontrolliert geschehen, sondern muss nach Überzeugung Huges "unter pädagogischer und psychologischer Begleitung gelernt werden". Und: Lehrer können die Problematik von Mobbing in sozialen Netzwerken oder von Fake News in den Nachrichten nur mit Schülern diskutieren, "wenn sich die Lehrer auf dieselbe Ebene, also in die Lebenswirklichkeit der Schüler begeben".

An der Oberschule Gehrden sind diese Voraussetzungen längst gegeben. Die Schüler haben ihr Tablet als notwendiges Medium zum Erlernen des Jahrespensums schätzen gelernt. Schulbücher werden auf Beschluss des Elternrats keine mehr angeschafft, "unser Unterricht läuft voll digital". Entsprechend dem Lehrplan erstellt das Lehrerkollegium den für das gesamte Schuljahr erforderlichen Lehrstoff digital, den sich die Schüler auf ihre Tablets abspeichern. "Unsere Schüler können Tag und Nacht in Selbstverantwortung lernen, wann, wo und wie lange sie wollen." Die Verantwortung des Lernens wird auf die Schüler übertragen. Jederzeit ist die digitale Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern sowie untereinander möglich. Auch die Lehrer sind miteinander vernetzt, so dass Fachgruppenbesprechungen oder Lehrerkonferenzen sogar vom heimischen Sofa aus geführt werden könnten. Huge: "Ich kann meine Schule auch von Bad Kissingen aus leiten."

Selbstverständlich lässt sich eine Schule "nicht von Jetzt auf Gleich von analog auf digital umstellen", verwies der Schulleiter auf die bald zehnjährige Entwicklungsdauer an seiner Oberschule. Er nannte drei einfache, aber unverzichtbare Punkte, sollten Schulen sich auf digitales Lernen umstellen wollen. "Das W-Lan muss im ganzen Schulgebäude hundertprozentig funktionieren." Außerdem sei ein "geschützter Raum, vollgestopft mit Elektronik", zwingende Voraussetzung, in dem sich Lehrer "unbeobachtet ausprobieren" können. Huge: "Welcher Lehrer zeigt schon gern, das er etwas noch nicht kann?" Die wichtigste Frage aber ist: "Was wollen wir?" Hier gilt es, zwischen Lehrern, Eltern und Schülern eine einvernehmliche Linie zu finden.

An der Oberschule Gehrden ist man sich seit Jahren einig. Sie gilt heute als Musterschule für digitales Lernen. Huge: "Wer zu uns kommt, weiß, worauf er sich einlässt." Lehrer und Schüler sind höher motiviert. Es wird fleißiger gelernt. Eltern hätten sogar festgestellt, berichtete Huge schmunzelnd, "dass ihre Kinder mehr wissen, als sie sollten, und mehr können, als sie dürften". Dies habe sich beispielhaft in einem Fall gezeigt, als ein Schüler im Online-Banking Geld vom Elternkonto auf sein Taschengeldkonto gebucht hat.



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