Oerlenbach
Bundespolizei

Diese Lehrerin ist Weltklasse

Biathletin Sabrina Buchholz unterrichtet nach dem Ende ihrer Sportkarriere jetzt in Oerlenbach Polizeianwärter.
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Seit einem Jahr unterrichtet die ehemalige Biathlon-Weltklasseathletin Sabrina Buchholz im Aus- und Fortbildungszentrum Oerlenbach. Vorrangig erteilt sie Sport. Fotos: Stefan Geiger
Seit einem Jahr unterrichtet die ehemalige Biathlon-Weltklasseathletin Sabrina Buchholz im Aus- und Fortbildungszentrum Oerlenbach. Vorrangig erteilt sie Sport. Fotos: Stefan Geiger
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Seit einem Jahr unterrichtet die einstige Weltklassebiathletin Sabrina Buchholz in den Fächern Sport und Einsatzlehre im Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei in Oerlenbach. "Hier gefällt es mir ausgezeichnet", sagt sie. Ab 1. Juli beginnt sie den Aufstieg in den gehobenen Dienst.
Ihre Sportkarriere beendete sie Ende der Saison 2011/2012. "Nach gutem Start verletzte ich mich. Dann folgte eine Viruserkrankung, die einfach nicht weichen wollte.
Monate vergingen, keine Besserung trat ein", blickt sie zurück. "Ich erkannte die Stimme in meinem Körper: Das war es mit dem Biathlon. Lass es gut sein!", sagt sie nach vielen Jahren des Leistungssports, der bis an die Grenzen forderte. Sichtlich erleichtert ergänzt sie. "Seit drei Monaten bin ich endlich wieder beschwerdefrei. Die Arbeit beim AFZ macht mir umso mehr Spaß".

Hervorragend akzeptiert

"Frau Buchholz wird von unseren Polizeianwärterinnen und -anwärtern hervorragend akzeptiert", betont Polizeidirektor Thomas Lehmann, der Leiter des AFZ. Sie strahle immer gute Laune aus und sei in ihrer jugendlich-frischen Art stets herzlich und offen. Sie zeige überdurchschnittlich Leistungen und sei bereit, bis an die Grenzen zu gehen. Gerade für die Dienstanfängerinnen sei sie Vorbild. Als Polizeihauptmeisterin im mittleren Dienst könne sie die Durchlässigkeit in den gehobenen Bereich nutzen. Den Eignungstest habe sie bereits hinter sich, alle Wege nach oben stünden ihr offen.
Sabrina Buchholz begann am 3. August 1998 ihre Ausbildung bei der Bundespolizei, nachdem sie den generellen Einstellungstest bestanden hatte. Um sich auf die Wettkämpfe konzentrieren zu können, lief die Ausbildung vor allem in den wettkampffreien Sommermonaten und dauerte mit vier Jahren und zwei Monaten länger als üblich. Am Ende musste sie die Prüfungen wie jeder andere Bewerber absolvieren, für sie mit einem 1,3-Abitur kein Problem. Damit war ihre Zukunft gesichert, um sich in der Folgezeit ganz dem Profisport zu widmen.

Oberhof treu geblieben

Die gebürtige Oberhoferin stand von Kindheit an auf Skiern. "Da wurden wir einfach hineingeboren", erzählt sie. "Mit sechs Jahren habe ich erste Langlaufrennen bestritten. Fast alle aus meiner Grundschulklasse machten mit. 1993 wechselte ich an das Sportgymnasium Oberhof und startete erstmals im Biathlon", denkt sie an den Anfang ihrer Karriere zurück. "Aus meiner einstigen Klasse ist bis heute nur noch Axel Teichmann aktiv". Oberhof blieb sie bis heute treu.
Im Jahr 2000 wurde sie in Sprint und Verfolgung sowie mit der Mannschaft Juniorenweltmeisterin. Noch im gleichen Jahr gab sie ihr Weltcup-Debut und landete im Sprint gleich auf Platz neun. Es folgten viele tolle Platzierungen mit dem Weltmeistertitel in der Mannschaft als Krönung 2008 in Östersund (Schweden), als sie als Startläuferin fehlerfrei schoss und den Grundstein für den Titel zusammen mit Magdalena Neuner, Andreas Birnbacher und Michael Greis legte.

Die Entscheidung nie bereut

"Damals war es überhaupt schwer, bei der sehr starken Konkurrenz ins deutsche Damenteam zu kommen", berichtet sie. Da hieß es immer wieder, sich neu zu motivieren und nie aufzugeben. "In der Mannschaft herrschte in all der Zeit ein wunderbares Klima. Wir bauten immer einander auf, um Rückschläge zu verkraften, obwohl wir im Rennen selbst Konkurrentinnen waren." Nach wie vor habe sie Kontakt zu ihren Kolleginnen wie Martina Beck, Simone Hausmann und Andrea Henkel. In ihrer Anfangszeit konnte sie vor allem auf das Schießen bauen. Dies ließ später etwas zu wünschen übrig, nachdem sie sich im Laufen deutlich steigern konnte. Das verletzungs- und krankheitsbedingte Ende ihrer Karriere hat sie akzeptiert, auch wenn es nicht so geplant war.
"In Oberhof wollte ich bleiben. So stand ich 2012 vor der Wahl zwischen den Bundespolizeieinrichtungen in Erfurt mit Bahndienst oder Oerlenbach als AFZ. "Dass ich mich für Letzteres entschieden habe, habe ich nicht bereut. Die Aufgabe macht mir riesigen Spaß", sagt sie unumwunden. Sie fühle sich optimal aufgenommen und werde während ihrer anstehenden Weiterbildung zu Lehrgängen wieder kommen. Wie es dann weiter gehe, sei offen. Gegen eine Rückkehr hätte sie nichts, zumal ihr Freund Christoph Stephan, der weiterhin im Biathlon-Männerteam mitkämpfen wird, ebenfalls in Oberhof wohnt.
In Oerlenbach unterrichtet sie vorrangig Sport. Bei unserem Besuch nahm sie gerade Polizeianwärtern die Leistungen auf einer Hindernisbahn ab, zwar konsequent mit Stoppuhr und Übungselementen, aber auch mit Anfeuerungen, um eine optimale Punktzahl zu schaffen. Zum Leistungssport hat sie Abstand genommen. Nochmals zu starten, wäre zwar reizvoll, aber das täglich harte Training könne sie sich nicht mehr vorstellen. "Mit Joggen, Laufen, Radfahren und Skilanglauf im Winter halte ich mich fit, das genügt."
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