Bad Kissingen
Vortrag

Die starke Frau an der Seite von Martin Luther

Ruth Lürken berichtete beim Ortsring Bad Kissingen des Deutschen Frauenrings über das Leben der Katharina von Bora.
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Die stellvertretende Frauenring-Vorsitzende Karin Reinshagen (links) bedankte sich bei Referentin Ruth Lürken (rechts) für den spannenden Vortrag über Katharina von Bora, die Ehefrau Martin Luthers.Uschi Schober
Die stellvertretende Frauenring-Vorsitzende Karin Reinshagen (links) bedankte sich bei Referentin Ruth Lürken (rechts) für den spannenden Vortrag über Katharina von Bora, die Ehefrau Martin Luthers.Uschi Schober
Viele Jahre arbeitete Ruth Lürken als Stadtführerin in Wittenberg - in der Stadt, in der am 31. Oktober 1517 Reformator Martin Luther seine berühmten 95 Thesen an das Hauptportal der Schlosskirche anschlug - in der Lutherstadt, wie sie seither genannt wurde. Während dieser Zeit als Stadtführerin befasste sich Ruth Lürken ausführlich mit dem Leben der Katharina von Bora, eben jener Frau, die Martin Luther eine unentbehrliche Gefährtin und Beraterin war. Wie so viele Frauen berühmter Männer stand Katharina von Bora lange im Hintergrund - Grund genug für den Bad Kissinger Frauenring, Ruth Lürken zu einem Vortrag einzuladen und der voll besetzte Veranstaltungsraum im Hotel Wyndham Garden spiegelte das große Interesse von Mitgliedern und Gästen an Leben und Wirken dieser starken Frau.

"Frauen im Mittelalter genossen allgemein wenig Ansehen", sagte Ruth Lürken, "ihre Rolle bestand weithin darin, Kinder zu gebären und den Mund zu halten", sie seien nicht geschäftsfähig gewesen, besaßen kein Erbrecht, durften keinen Grundbesitz haben und beim Tod des Ehemannes wurde ein Vormund eingesetzt.

"Es war schwierig, überhaupt belastbare Quellen über das Leben der Katharina von Bora zu finden", sagte Lürken, die Geschichte von Frauen sei allgemein wenig erforscht. Der Geburtsort Katharina von Boras sei das Gut Lippendorf in der Nähe von Leipzig gewesen, erklärte Ruth Lürken, urkundlich belegt ist dies allerdings nicht. Dort sei sie am 29. Januar 1499 zur Welt gekommen, sie hatte zwei Schwestern und drei Brüder. Katharinas Familie war nicht sehr wohlhabend, eine Familie des sächsischen Landadels, sie war die Tochter des Johan von Bora auf Lippendorf und seiner Ehefrau Margarete.

Einigkeit besteht in den Aufzeichnungen erst darüber, dass ihr Vater sie fünfzehnjährig zur Erziehung in das Augustiner-Chorfrauenstift Brehna gab, wie es viele Familien taten. 1509 wechselte Katharina in das Zisterzienserinnenkloster Marienthron bei Grimma, wo ihre Tante Margarethe von Haubitz als Äbtissin wirkte. Dort lernte sie Lesen, Schreiben und Singen, etwas Latein sowie betriebswirtschaftliche Abläufe in der Landwirtschaft. Im Jahre 1515, zum frühestmöglichen Termin, legte Katharina dort ihr Gelübde als Nonne ab. In den Zisterzienser-Klöstern sei es viel strenger zugegangen als bei den Augustinerinnen, erklärte Lürken, Nonnen durften sowieso keinen Besitz haben, auch ihre Kleidung war kein Eigentum.

Als bald darauf die ersten Schriften des Reformators Martin Luthers erschienen, die sich kritisch mit dem Klosterleben auseinandersetzen, verließen viele Mönche und Nonnen ihre Klöster - aus den unterschiedlichsten Beweggründen. Im Gegensatz zu Luther hatte Katharina nicht freiwillig das Klosterleben gewählt und schließlich kehrte sie mit acht ihrer Mitschwestern zu Ostern 1523 ihrem Kloster den Rücken. Die Rückkehr zu ihrer Familie war nicht möglich und so gelangten die mittellosen Flüchtigen über Torgau nach Wittenberg, wo Luther die ehemaligen Nonnen bei seinen Freunden unterbrachte und versuchte, ihnen "ehrenwerte Männer" als Ehemänner und Ernährer zu vermitteln.
Zwei Jahre lebte Katharina bei der Familie von Lukas Cranach dem Älteren, von dem später die bekanntesten Porträts Katharinas und Martin Luthers stammen. Mit ihren 25 Jahren war Katharina eigentlich zu alt zum Heiraten - sie war schon immer eine selbstbewusste Frau gewesen und hatte ein großes Allgemeinwissen, was den Männern zu der damaligen Zeit nicht so gut gefiel. Deshalb war die Auswahl an Heiratskandidaten nicht groß, doch für eine Frau gab es damals nur die Wahl zwischen dem Dasein als Nonne oder Ehefrau.

Zuletzt blieb Martin Luther als unverheirateter Mann übrig und am 27. Juni 1525 heirateten Katharina von Bora und Martin Luther - eine Liebesheirat war es wohl nicht. Katharina war bei der Eheschließung vollkommen mittellos, schaffte es aber doch, eine Aussteuer zusammenzubringen. Das Paar richtete sich in dem ehemaligen Augustinerkloster in Wittenberg ein, das Kurfürst Johann der Beständige den Reformatoren zur Verfügung gestellt hatte, dort hatte auch die Trauung stattgefunden. Aus der Ehe Katharinas und Martins gingen sechs Kinder hervor, doch nur vier überlebten - besonders schlimm für die Eltern war der Tod der zwölfjährigen Lena.

Katharina von Bora verwaltete und bewirtschaftete die umfangreichen Ländereien des Klosters. Sie vermietete die Zellen des ehemaligen Klosters an Luthers Studenten, sie baute Gemüse an und braute Bier, um Luther und seine Studenten und Gäste zu verköstigen. In Zeiten der Pest führte sie zudem ein Hospiz, in dem sie mit anderen Frauen Kranke pflegte. Zeitweise lebten bis zu 50 Personen in Katharinas und Martins Haushalt, sie führten ein offenes Haus, was besonders Katharina große Anstrengungen kostete.


"Mein Herr Käthe"

Luther habe zeitweise viel Geld verdient, erzählte Lürken, aber sein Geld reichte nicht für den riesigen Haushalt. Die geschäftstüchtige Katharina verdiente immer dazu und Luther nannte seine Frau aufgrund ihrer entschlossenen Art liebevoll "mein Herr Käthe". Sie betreute auch den finanziellen Teil zu Drucklegungen der Lutherschriften und erwarb sich Respekt in geistreichen und schlagfertigen Beiträgen zu Tischgesprächen und in Briefen. Frauen im Mittelalter hatten wenig Rechte, der Mann konnte sogar entscheiden, wann abgestillt werden sollte, erzählte die Referentin, die Frauen wurden für zu schwach gehalten, um so etwas zu entscheiden.

Luther "revanchierte" sich für die Tüchtigkeit seiner Frau mit vielen Schriften zugunsten der Frauen, er rechtfertigte die Flucht aus den Klöstern und verfasste Trostschriften für Mütter mit Fehl- und Totgeburten. Martin Luther setzte Katharina in seinem Testament sogar als Alleinerbin ein - entgegen geltendem Recht, und als er dann 1546 in Eisleben starb, wurde sein Testament zunächst nicht anerkannt. Erst ein Machtwort des Kurfürsten sicherte Katharina wesentliche Teile der Erbschaft und so konnte sie in dem alten Klosterbräu bleiben, lebte aber immer wieder in wirtschaftlicher Not.

Als Katharina 1552 wegen der Pest und Missernten Wittenberg verlassen und nach Torgau flüchten musste, verunglückte ihr Fuhrwerk vor den Toren der Stadt. Katharina brach sich einen Beckenknochen und starb drei Wochen später, am 20. Dezember 1552, an den Folgen.
Mitglieder und Gäste des Frauenrings waren außerordentlich interessiert an den Ausführungen über diese beeindruckende Frau, die ein Leben lang, auch wegen ihrer selbstbewussten Art und Durchsetzungskraft, mit großen Problemen und Anfeindungen zu kämpfen hatte - und Referentin Ruth Lürken musste noch viele Fragen beantworten.
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