Bad Kissingen
Jubiläum

Die Stadt Bad Kissingen verneigt sich vor Kardinal Döpfner

Vor 100 Jahren wurde in Hausen der spätere Kardinal Julius Döpfner geboren. Bei einem Festakt würdigte Karl Kardinal Lehmann (Mainz) vor mehr als 700 Gästen in Bad Kissigen Leben und Wirken des Kirchenmanns.
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Stoßen auf Julius Kardinal Döpfner an (von links): Karl Kardinal Lehmann, der frühere ZdK-Vizepräsident Walter Bayerlein und Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg.  Foto: Edgar Bartl
Stoßen auf Julius Kardinal Döpfner an (von links): Karl Kardinal Lehmann, der frühere ZdK-Vizepräsident Walter Bayerlein und Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Foto: Edgar Bartl
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Sie schwärmen noch heute von ihrem damaligen Chef: "Er wollte einer von uns sein und er sprach mit uns wie einer von uns", sagt Generalvikar a. D. Gerhard Gruber über die Zusammenarbeit beim II. Vatikanischen Konzil. "Brüderlich" - das sei der erste Eindruck gewesen. Friedrich Kronenberg, von 1966 bis 1999 Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZDK), erinnert sich: "Es war für mich als jungen Mann mit 33 schon ungewöhnlich, dass er mich um Rat gefragt hat." Bis heute sei er glücklich über das "völlige Vertrauensverhalten". Außerdem: "Wir konnten über alles reden, und er wollte das auch."

Beide sprechen von Julius Kardinal Döpfner, der vor genau 100 Jahren in Hausen zur Welt gekommen ist. Bei einem Festakt vor mehr als 700 Gästen würdigte Karl Kardinal Lehmann (Mainz) Leben und Wirken des am 24. Juli 1976 so plötzlich verstorbenen Kirchenmanns.

Mit Zuneigung und Offenheit

Dabei wurde deutlich, dass der Kardinal genauso war, wie viele meinen - und doch ganz anders. Kardinal Lehmann schilderte seinen Mitbruder als überzeugten Seelsorger, der kein Taktiker und Politiker gewesen sei. Er habe Humor besessen, ohne zynisch zu sein, sei kollegial gewesen und habe auch jungen Menschen Vertrauen geschenkt. Den Menschen sei er mit Zuneigung und grenzenloser Offenheit begegnet, habe ehrlich und aufrichtig um Lösungen gerungen.

Immer Diener des Glaubens

Als Präses der Würzburger Synode habe Kardinal Döpfner eine zu große Polarisierung in der Kirche verhindert und den Prozess der Gespräche mit allen Beteiligten gefördert. Er habe sich immer um die Einheit der Kirche bemüht. Als er starb, hätten auch viele Nichtchristen und Nichtkatholiken um ihn getrauert, sagte Kardinal Lehmann.

Geblieben sei dessen männliche und herzliche Fröhlichkeit. Er habe immer in erster Linie Diener des Glaubens sein wollen, sei mit großer Unerschrockenheit und auch mit Mut zu Unpopulärem aufgetreten.

Kenntnisreich, detailliert und pointiert zeichnete er den Lebensweg und Wandel von Julius Döpfner nach. Er stammte aus ärmsten Verhältnissen, besuchte die Gymnasien in Münnerstadt und Würzburg, wo er das beste Abitur des Jahrgangs ablegte. Nach dem Studium in Rom wurde Julius Döpfner dort 1939 zum Priester geweiht. 1941 folgten Promotion, Jahre als Kaplan und im Priesterseminar Würzburg.

Bad Kissinger Ehrenbürger

Er war 1948 der damals jüngste Bischof Europas und machte sich in Würzburg auch einen Namen als Sozialreformer. 1957 wurde er Bischof, 1958 Kardinal und 1961 Erzbischof vom München und Freising. Beim II. Vatikanischen Konzil 1962 bis 1965 war er einer von vier Moderatoren. 1965 übernahm er den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz. Und nie hat er den Kontakt zur Heimat verloren, die er regelmäßig besucht hat.

Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) sagte, die Stadt, die den Priester zum ersten Ehrenbürger nach 1945 ernannt hat, verneige sich tief vor Kardinal Döpfner. Er sprach von einem großen Kirchenmann, der den Glauben gelebt habe und dessen Wirken für Bad Kissingen "unverzichtbar" sei. Der OB: "Wir sind sehr stolz auf ihn."

Prägende Persönlichkeit

Regierungspräsident Paul Beinhofer sagte über den geistlichen Würdenträger, er sei eine der prägendsten Persönlichkeiten der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts gewesen.
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