Bad Kissingen
Künstlergespräch

Die richtigen Leute zur richtigen Zeit

Der Intendant des Kissinger Sommers, Tilman Schlömp, interviewte die Sopranistin Julia Lezhneva. Bad Kissingen hat es ihr angetan.
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Julia Lezhneva im Gespräch mit Tilman Schlömp. Foto: Thomas Ahnert
Julia Lezhneva im Gespräch mit Tilman Schlömp. Foto: Thomas Ahnert

Es kommt nicht alle Tage vor, dass man Künstler von der Insel Sachalin im russischen Polarmeer trifft, schon gar nicht in Bad Kissingen - für Intendant Tilman Schlömp ein Grund, die Sopranistin - und Artist in residence - Julia Lezhneva zu einem Künstlergespräch im Rossini-Saal einzuladen.

Seine erste Frage galt natürlich dem Konzert vom Vorabend und ihrer Einschätzung des Saales. "Wir mussten erst unsere gemeinsame Sprache in der Akustik des Saales finden", meinte sie. "Als dann das Publikum da war, war die Akustik trockener und leichter zu handhaben. Und es war sehr leicht und schön, Kontakt zum Publikum zu finden."

Julia Lezhneva hat noch nicht viel von der Stadt gesehen, aber was ihr sofort aufgefallen ist: "Es ist die Luft. Sie ist so leicht zu atmen. Vor allem im Vergleich mit der dicken Luft in Moskau, wo sie wohnt.

Julia Lezhneva erzählte von ihrer Kindheit auf Sachalin, wo sie die Natur zu lieben lernte, und von ihren ersten musikalischen Erfahrungen dort und als Achtjährige in Moskau: "Ich hatte immer das Glück, zur richtigen Zeit die richtigen Lehrer und Leute zu treffen". Marc Minkowski etwa hörte sie als 18-Jährige auf einem Youtube-Video und lud sie zu Aufnahmen von Bachs h-moll-Messe ein. Kiri Te Kanawa brachte sie ein Jahr später zum ersten Mal in die Royal Albert Hall in London und vermittelte sie an die Hochschule nach Cardiff: "Es gab immer wieder Leute, die bei mir Potenzial gesehen und mich gefördert haben."

Julia Lezhneva gilt mittlerweile als hochrangige Barockspezialistin, aber sie hat ihr Repertoire erweitert. Thomas Quasthoff war es, der sie bei einem Meisterkurs beim Festival von Verbier aufgefordert hat, sich mit Schubert zu beschäftigen. Welches Lied sie als erstes gesungen hat, wollte Tilman Schlömp wissen. "Ich weiß nicht mehr, es fing mit ,Ach' an." Wobei ihr schnell klar wurde, dass deutsche Texte eine große Herausforderung sind - die ihr aber Spaß macht.

Am Sonntag hat sie in Burghausen (am Inn) gesungen. Jetzt ist sie wieder da. Sie will sich ein Fahrrad leihen und ein bisschen die Umgebung von Bad Kissingen erkunden. Denn die Stadt hat es ihr angetan.

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