Nüdlingen
Abstimmung

Die meisten Nüdlinger wollen keine Umgehung

Lange gab es ein Hin und her in Nüdlingen: Soll die Nordumgehung des Ortes kommen oder nicht? Jetzt bezogen die Einwohner klar Stellung.
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Acht Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung kämpften sich durch die vielen Stimmzettel, die die Nüdlinger in der Befragung zur Nordumgehung abgegeben hatten. Das Ergebnis fiel klar aus.Steffen Standke
Acht Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung kämpften sich durch die vielen Stimmzettel, die die Nüdlinger in der Befragung zur Nordumgehung abgegeben hatten. Das Ergebnis fiel klar aus.Steffen Standke
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Es war um 11.34 Uhr am Dienstagmorgen, als Bürgermeister Harald Hofmann die Antwort auf die Frage verlas, die in diesen Tagen wohl die meisten Nüdlinger umtreibt: Befürworten die meisten Einwohner die vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt vorgeschlagene Nordumgehung des Ortes oder lehnen sie sie ab? Es wurde ein klares, wenn auch nicht überdeutliches Votum.

Vor der Auszählung hatte Hofmann auf zwei Dinge gehofft: ein richtungsweisendes Ergebnis bei einer hohen Wahlbeteiligung. Beides bekam er, nachdem sich acht Mitarbeiter der Verwaltung an zwei Tischen eineinhalb Stunden lang durch die Stimmzettel gekämpft hatten.

2649 Nüdlinger insgesamt gaben ihre Stimme bei der Bürgerbefragung ab. Das waren 79,4 Prozent der Wahlberechtigten; 3335 Stimmzettel hatte die Gemeinde ausgegeben.

Von den 2649 abgegebenen Stimmzetteln erwiesen sich zwölf als ungültig. 2637 konnten also gewertet werden. 1458 Wähler sprachen sich gegen die Nordumgehung aus, das macht 55,3 Prozent. Für die Straße, die Nüdlingen vom Durchgangsverkehr entlasten soll, sprachen sich 1179 Stimmberechtigte aus, also 44,7 Prozent.

Rückblende: Schon vor drei Jahren hatte der Gemeinderat beschlossen, dass die Nüdlinger nach ihrer Meinung gefragt werden sollen, wenn die Trassenführung der Umgehung feststeht. Am 6. Juni dieses Jahres präsentierte das Staatliche Bauamt bei einer Bürgerversammlung die sogenannte "Vorzugsvariante". Sie soll nördlich des Ortes verlaufen und 46,7 Millionen Euro kosten.

Wie angekündigt konnten die Nüdlinger in einer Bürgerbefragung vom 2. bis 15. Juli deutlich machen, ob sie die vorgeschlagene Umgehung wollen oder nicht. Allerdings: Das Votum ist - anders als ein Bürgerentscheid - für Gemeinderat und Staatliches Bauamt nicht bindend. Es spiegelt lediglich die Stimmungslage im Ort zu dem Thema wider.

Der Grund: Da die B287, die durch den Ort führt, eine Bundesstraße ist, wäre der Bund für den Bau der Ortsumgehung zuständig. Das Bauamt in Schweinfurt wäre nur planende und ausführende Behörde. Dennoch sagte Planer Alexander Schlegel bei der Vorstellung der Nordumgehung im Juni: "Das Bauamt wird keine Trasse gegen den Willen der Gemeinde planen."

Gemeinderätin Anita Haub, als Sprecherin der Bürgerinitiative "Verkehrsentlastung Nüdlingen" für die Nordumgehung, wohnte der Auszählung am Dienstagvormittag bei. Die Enttäuschung ob des Auszählungsergebnisses war der Anwohnerin der B287 anzusehen. Sie setzt nun auf den Gemeinderat, der sich das nächste Mal am 23. Juli trifft. "Das Votum ist trotz allem nicht bindend. Ich hoffe, dass sich die Räte anders als die befragten Bürger entscheiden."

Ihre Argumente pro Nordumgehung sind die selben wie vor der Abstimmung: Seit mehr als 50 Jahren bemühe sich die Gemeinde um eine Umgehung. "Jetzt, wo wir kurz davor sind, sie zu bekommen, sollte man sich überlegen, ob man das Geschenk nicht annimmt." So eine Chance komme nie wieder.

Marcus Lipsius von der Bürgerinitiative Contra Umgehung freut sich über das Ergebnis der Befragung, auch wenn das angestrebte Ziel von 60 Prozent gegen die Umgehung nicht erreicht wurde. Er geht davon aus, dass sich die Gemeinderäte am 23. Juli der Mehrheit anschließen. Andernfalls rechnet Lipsius "mit einem Aufschrei in der Bevölkerung."

Trotz des Erfolgs sieht der Nüdlinger die Arbeit als nicht beendet an. "Jetzt geht es darum, es dem Durchgangsverkehr so schwer wie möglich zu machen." Lipsius schweben verbreiterte Gehsteige, Kreisverkehre und Flüsterasphalt im Ortsbereich vor. Auch hofft er, dass ein Teil der für die Nordumgehung veranschlagten Gelder den Anwohnern der B287 "für Schall und Isolationsmaßnahmen" zugute kommen. Bei all dem wolle die Bürgerinitiative mit dem Gemeinderat zusammenarbeiten.

Bürgermeister Harald Hofmann respektiert das Ergebnis. Als Privatmann befürwortet er die Umgehung im Norden - obwohl er nah an der geplanten Straße wohnen würde, sollte sie gebaut werden. Enttäuscht sei er nicht, sagt er. Doch nach der Ablehnung stehe die Gemeinde "vor großen Herausforderungen, die Verkehrsprobleme im Ort in den Griff zu bekommen".

Zunächst kommt es aber am 23. Juli auf die Gemeinderäte an. Harald Hofmann kündigt auf jeden Fall an, dass die Sitzung des Gremiums nicht im Rathaus, sondern in der Schloßberghalle stattfinden wird. Mit reichlich Zuhörern ist zu rechnen.

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