LKR Bad Kissingen
Landtagswahl Bayern

Die Landtagskandidatin der AfD im Stimmkreis Bad Kissingen, Freia Wilhelmina Lippold-Eggen, im Gespräch über ihr Leben und zu politischen Inhalten

Stets politisch interessiert und engagiert: Freia Wilhelmina Lippold Eggen, die Direktkandidatin der AfD im Stimmkreis Bad Kissingen, im Portrait.
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Die 63-Jährige vor dem Arkadenbau in Bad Kissingen. Johannes Schlereth
Die 63-Jährige vor dem Arkadenbau in Bad Kissingen. Johannes Schlereth

Vom Bundesnachrichtendienst (BND) zur CDU, anschließend zu den Piraten, jetzt bei der Alternative für Deutschland (AfD) und stets berufstätig. Ein ungewöhnlicher Lebenslauf. Die Türe öffnet sich und eine zierliche blonde Frau in blauem Kleid tritt ein. Freia Wilhelmina Lippold-Eggen ist bei der Landtagswahl die Kandidatin der AfD im Stimmkreis Bad Kissingen. Auf der einen Seite Politik, auf der anderen Künstlerin. Die 63-Jährige will heute reden, über ihr Leben und die Politik.

Fränkin unterwegs

Geboren wurde sie während des Wirtschaftswunders 1955 als drittes Kind eines Eisenbahnbeamten in Bamberg. Nach dem Abitur zog es sie nach Erlangen. "Ich wollte Beschäftigungstherapeutin werden, aber wir gehörten zu den geburtenstarken Jahrgängen, da waren die Ausbildungsplätze knapp." Daraufhin verließ die Fränkin ihre Heimat und begann in München eine Optikerlehre. Dort lernte sie ihren ersten Mann, einen Offizier der Bundeswehr, kennen. "Wir haben dann geheiratet und sind nach Koblenz gezogen, weil er versetzt wurde", erinnert sich Lippold-Eggen. Nach einer weiteren Versetzung kam die erste Tochter auf die Welt. Die junge Mutter arbeitete mittlerweile für den BND und ließ sich scheiden. Nach eigenen Angaben arbeitete sie dort zunächst in der militärischen, später in der Auslandsabteilung. Ihre Tochter zog sie nahezu alleine auf. Die beiden anderen Töchter sind angeheiratet. Nach zehn Jahren zog es sie mit ihrem zweiten Mann nach Amerika: "Er arbeitete bei IBM, nach vier Jahren sind wir wieder zurück in die Nähe von Stuttgart gezogen." Beim nächsten Umzug an die Nordsee sollte der Einstieg in die Politik folgen: "Beim BND durfte man ja keiner Partei angehören und jetzt waren viele Bekannte bei der CDU, ich war dann bei Stammtischen und bin schließlich eingetreten." Grund waren die konservativen Werte. "Politikinteressiert war ich aber immer - beim BND war man ja ständig damit in Berührung."

Doch die bayerische Heimat lockte sie wieder zurück: Für die Konservative folgte eine Zeit ohne Politik. "Ich habe dann mal einen Gang runter geschalten." Als die Piratenpartei aufkam, holte die Vergangenheit sie wieder ein: "Ich habe mir das angeguckt und festgestellt, dass das ein ganz munteres Häufchen ist." Die Folge: "Spontan wie ich bin, bin ich eingetreten." Im Gedächtnis behalten hat die 63-Jährige den Fleiß der Partei: "Da gab es zahlreiche Arbeitsgruppen und Betätigungsfelder." Allerdings stellte sie fest: "Es gab keine Linie zum Euro, das war aber ein Thema, das die Leute damals bewegte."

Es folgten erste Begegnungen mit der eurokritischen AfD. Lippold-Eggen wohnte einer Rede von Bernd Lucke bei, der die AfD damals aus der Taufe hob. Den Grund für den Parteieintritt lieferte ihr die Flüchtlingswelle. Die Szenen waren für die damals 60-Jährige drastisch: "Es waren Menschenmassen. Manche Familien haben sich registrieren lassen, andere nicht." Ihre Reaktion: "Jetzt trete ich in die AfD ein."

Als Belastung sieht die AfD-Kandidatin Politik nicht. Ärgerlich seien beschädigte Wahlplakate. "Man muss sich organisieren und abschalten können." Ihre Strategie: Malen. "Das ist in dem Sinne Beschäftigungstherapie - man kriegt den Kopf dabei frei." Eine Vernissage gab es noch nicht: "Das ist alles Hobby." Es sei wie beim Kochen: "Ich freue mich, wenn es gut geworden ist".

Keine Foodbloggerin

"Manche fotografieren das dann ja und stellen es online - da gehöre ich nicht dazu." Bei Restaurantbesuchen fällt der AfDlerin auf, dass Disziplin im Umgang mit Smartphones notwendig ist. "Da sitzen vier Leute an einem Tisch, aber sie unterhalten sich nicht mehr, sondern tippen nur noch." Um dem vorzubeugen, lässt sie ihr Smartphone beim Essengehen zu Hause. "Ich bin keine Technikverweigerin, aber jeder sollte Maß halten können."

Politische Inhalte:

Bevorstehender Hausarztmangel: In Hammelburg liegt der Altersdurchschnitt der Ärzte bei 59,2 Jahren - vier Jahre mehr als der Landesdurchschnitt. Ursache des Problems laut Lippold-Eggen: "Das ist in den letzten Jahren versemmelt worden." Als einen Hauptgrund sieht die 63-Jährige den Numerus Clausus (NC), die Zulassungsbeschränkung zum Medizinstudium. Diese sei zu hoch. "Es müsste mehr nach Eignung gegangen werden anstelle der Noten."

Laut Lippold-Eggen könne das soziale Engagement Einzug in die Abschlusszeugnisse halten, so dass Unis darauf Rücksicht nehmen könnten. Das steht allerdings im Widerspruch zum Wahlprogramm, in dem kritisiert wird, dass immer mehr Schülern der Zugang zur Universität ermöglicht wird, obwohl sie nicht hochschulgeeignet sind. "Landärzte müssten besser vergütet werden, um einen Anreiz zu schaffen", sagt sie. Außerdem müsse das Gefälle zwischen Stadt und Land aufgelöst werden. Um dies zu erreichen, seien Arbeiten an der Infrastruktur notwendig.

Allerdings hat die Bundespolitik in diesem Bereich nicht geschlafen: Im 2017 beschlossenen "Masterplan Medizinstudium 2020" (MM2020) soll die Attraktivität des Landarzt-Berufs gesteigert werden. Bei dem Konzept bekommen Abiturienten eine bevorzugte Zulassung zum Medizinstudium, wenn sie sich verpflichten, auf dem Land zu praktizieren.

Außerdem gibt es finanzielle Anreize wie ein Stipendium für die angehenden Ärzte. Ob der Masterplan in Zukunft Erfolge verbuchen kann, hält Lippold-Eggen jedoch für Spekulation. Allerdings hat sie auch Lob für die Initiative übrig: "Prinzipiell ist es immer gut, wenn man sich, um einen Mangel zu beheben, irgendetwas einfallen lässt."

Pflegenotstand: Grundsätzlich glaubt die 63-Jährige, dass faire Löhne und Personal gegen den Pflegenotstand helfen. Im Wahlprogramm der AfD wird von einem "aufwandsgerechten Personalschlüssel" gesprochen. Was damit gemeint ist, kann Lippold-Eggen nicht genau erklären. "Quoten sind eine Zahl, aber die spiegeln die Wirklichkeit nicht wieder. Ich denke, dass eine Mischung aus Quote und Realität am sinnvollsten ist", teilt die AfD-Kandidatin mit. Der aufwandsgerechte Personalschlüssel sei als "roter Faden" zu sehen. Eine Quote allein reiche nicht aus, da sich die Patientenzahlen ständig ändern. Dies dementiert Eduard Fuchshuber, Sprecher der Bayerischen Krankenhausgesellschaft: "Es gibt keine großen Schwankungen bei der Patientenzahl." Zu Schwankungen komme es meist nur durch die Schließung oder Eröffnung neuer Abteilungen.

Infrastruktur auf dem Land: Die AfD priorisiert die Verbesserung der Infrastruktur im ländlichen Raum. Gerade in Rhöndörfern sind Nahversorgung, öffentlicher Personen-Nahverkehr und Leerstand problematisch. Häufig gibt es keinen Dorfladen mehr. Die Bewohner müssen zum Einkaufen in die Stadt oder den Nachbarort. Lösungen wie den Bürgerbus in Hammelburg findet Lippold-Eggen gut. Der wird von einem Verein getragen, durch Spenden und Zuwendungen der Kommunen unterstützt. Laut Lippold-Eggen müssten außerdem mehr Arbeitsplätze auf dem Land angesiedelt werden. Die AfD verspricht einen bunten Strauß für den ländlichen Raum. Wie dies umgesetzt werden soll, wird aus dem Wahlprogramm nicht ersichtlich. Konkret wird die Partei jedoch bei den Steuern: die Erbschaftssteuer soll abgeschafft werden, was Wohlhabende begünstigten würde.

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