Hammelburg
Ernstfalltraining

Die Johanniter: Opfern schnell und richtig helfen

Bei ihrer größten jährlichen Feldübung bereiteten die Johanniter ihre Soforthelfer auf Einsätze nach Katastrophen im Ausland vor.
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Der Hund hat einen Verletzten entdeckt. Sanitäter und Ärzte kümmern sich um ihn. Fotos: Markus Reeh
Der Hund hat einen Verletzten entdeckt. Sanitäter und Ärzte kümmern sich um ihn. Fotos: Markus Reeh
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Avena bellt ganz aufgeregt und schaut erwartungsvoll nach oben. Sie hat in dem eingestürzten Gang ein verschüttetes Mädchen gefunden. "Gut gemacht", lobt Hundeführer Rico Merker die Berner Sennenhündin. Zur Belohnung gibt es ein Stück Fleischwurst.

Das Kind ist verletzt, sein Bein vermutlich gebrochen. Die Sanitäter schienen das Bein und bauen aus zwei dicken Ästen und ihren Jacken eine behelfsmäßige Trage. Dann bringen sie die Kleine sicher zum Sammelpunkt. Dort kümmert sich ein Arzt um das Mädchen. Für die Retter gibt es aber noch viel mehr zu tun. Nach dem Erdbeben werden noch etliche Verletzte in den Trümmern einer Fabrik, in den eingestürzten Gängen und Gewölben vermutet.

Die Helfer wissen nicht, was sie erwartet. Mal sind es nur Prellungen, dann wieder Knochenbrüche und tiefe Wunden, einige Opfer sind auch bewusstlos. Zum Glück nur eine Übung.
Über 200 ehrenamtliche Johanniter aus ganz Deutschland sowie Österreich, Polen und Finnland nahmen an dem "Fieldcamp" auf dem Truppenübungsplatz teil. Auch das Technische Hilfswerk wurde in die Übung einbezogen. Drei Tage lang verwandelte sich das Übungsgelände in das fiktive Land Plantania, und Bonnland hieß jetzt Drubala.

Lob für gute Bedingungen


Einmal jährlich führen die Johanniter eine solch große Übung durch.
Ausrichter war heuer der Landesverband Bayern, und so fiel die Wahl auf den Truppenübungsplatz Hammelburg. "Wir haben hier gute Bedingungen. Wir können uns frei bewegen und fantasievolle Szenarien umsetzen", erklärte Oliver Rodewald, Leiter der Soforthilfe der Johanniter-Auslandshilfe.

"Der rote Faden der Übung ist, die Kooperation der verschiedenen Verbände zu üben. Dass zum Beispiel das medizinische Team mit der Schnelleinsatzgruppe (SEG) Transport möglichst reibungslos zusammenarbeitet", erläuterte Alexander von Gneisenau, Landesvorstandsmitglied in Bayern und Organisator des "Fieldcamps".
Bei den meisten Szenarien spielten Rettungshunde eine wichtige Rolle, wobei es Unterschiede gibt. "Es gibt den Trümmerhund, der verschüttete Menschen finden kann, während der Flächenhund zum Beispiel in einem Wald nach Vermissten sucht", erläuterte Team-Leaderin Alexandra Busemann. Die Staffel, die beim Erdbeben-Szenario zum Einsatz kam, bestand aus Border-Collies, Schnauzer, Berner Sennenhund, Australian Shepherd und belgischem Schäferhund.

Für möglichst realistische Bedingungen sorgten auch rund 30 Helfer, welche die Opfer spielten. Ihre Wunden sahen täuschend echt aus. Eine der Darstellerinnen war Jessica Webert, die früher in Bad Kissingen lebte und heute in Schweinfurt wohnt. "Ich wollte eine solche Übung gern mal mitmachen. Ein Freund, der bei den Johannitern ist, hat mich darauf aufmerksam gemacht", sagte sie. Auch Bonnland zu sehen, das als militärisches Sperrgebiet sonst nur selten zugänglich ist, war für sie ein Argument. Als Arzthelferin fiel es ihr übrigens nicht schwer, eine Verletzte zu spielen.

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