Waldfenster
Kunsthandwerk

Die Ideen kommen beim Spaziergang im Wald

Martina Straub aus Waldfenster hat jetzt für ihre Kreationen aus Naturmaterial den Produktpreis Objekt, Kunst und Möbel verliehen bekommen.
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Martina Straub vor verschiedenen Kunstobjekten. Für diese wurde ihr beim fürstlichen Gartenfest Schloss Fasanerie in Eichenzell der Produktpreis Objekt, Kunst und Möbel verliehen. Foto: Björn Hein
Martina Straub vor verschiedenen Kunstobjekten. Für diese wurde ihr beim fürstlichen Gartenfest Schloss Fasanerie in Eichenzell der Produktpreis Objekt, Kunst und Möbel verliehen. Foto: Björn Hein
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Der Serviettenring, der bei Martina Straub auf dem Tisch liegt, sieht sehr edel aus. Nimmt man ihn in die Hand, so spürt man einen feinen Harzbezug, der dem Ganzen eine elastische Beschaffenheit gibt und das Gebilde vor Umwelteinflüssen schützt. Das Design beeindruckt. Der Serviettenring besteht sehr vielen Bucheckern, was aber erst bei näherem Hinsehen erkannt wird. Die dreikantigen, rund 1,5 Zentimeter großen Früchte der Rotbuche hat sie in mühsamer Kleinarbeit Stück für Stück aneinandergeleimt, bis der Ring entstand. "Natürlich braucht man Geduld dafür. Wenn man aber das Ergebnis sieht, dann ist man stolz auf die Arbeit", erklärt die Künstlerin. Vor rund 25 Jahren hat sie das Basteln für sich entdeckt, von Jugend an ist sie von der Natur fasziniert, so dass die Kunstobjekte, die sie herstellt, eine schöne Symbiose aus beiden Interessen ist.
Gerne wandert Martina Straub durch den Wald in Waldfenster, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann wohnt. Dabei kommen ihr auch immer Ideen für neue Projekte: "Wenn ich die Naturmaterialien sehe, dann entstehen Bilder in meinem Kopf von den fertigen Objekten", sagt Straub. Dies umzusetzen sei aber ein langer Prozess, der mühevoll ist. Ein Beispiel für die Idee, die in die Tat umgesetzt wurde: ein Stuhl aus Kiefernzapfen, der neben ihr auf der Wiese steht und ohne Probleme einen Erwachsenen trägt. Bis aus der Idee das fertige Stück wurde, dauerte es allerdings lange und viele Versuche waren hierzu notwendig. "Man darf nicht vergessen: das Material arbeitet, das muss man bei der Herstellung der Objekte immer im Hinterkopf behalten", sagt Straub. Bis die Naturmaterialien überhaupt zu verarbeiten sind, ist eine lange Trocknungszeit nötig. Bei den Bucheckerkernen hat es Jahre gedauert, bis sie sei verwenden konnte. "Dazu werden diese erst einmal in der Halle vorgetrocknet, dann näher ans Haus geholt und schließlich dort eingelagert. In die pralle Sonne darf man sie nicht legen, da sie sonst die Farbe verlieren und spröde werden können", berichtet die Künstlerin. Mit den Materialien müsse behutsam umgegangen werden. Dann werden sie sortiert, einige springen während der Trocknung einfach auf und lassen sich dann nicht mehr verwenden. Wenig Material bleibt am Schluss dieser aufwendigen Prozedur übrig.
Eines dieser Objekte ist eine Schale aus Eichelhütchen, die sich je nach Witterung auch leicht ausdehnen und zusammenziehen ohne das Kunstwerk zu zerstören. Da wird auch einem Außenstehenden klar, welche Faszination diese Arbeit bedeuten kann, besonders, wenn das Ergebnis so überzeugt. "Es gibt einfach einen unglaublichen Auftrieb wenn man sieht, dass man die eigenen Ideen umsetzen kann, auch wenn das manchmal Jahre dauert", sagt Straub. Wichtig ist ihr, dass das Material nicht in eine Form gepresst wird, sondern dass es sich natürlich entfalten kann. Und wenn man mit der Natur arbeitet, dann bleiben wie bei dem geflochtenen Kranz aus Raps, der vor ihr auf dem Tisch steht, die Schoten auch über viele Jahre erhalten, ohne abzufallen. "Das bedeutet natürlich sehr viel Tüftelei, es macht aber immer wieder Spaß", sagt die Künstlerin.
Dabei sei sie eigentlich kein sehr geduldiger Mensch, stellt sie mit einem Schmunzeln fest. "Wenn ich aber in der Werkstatt bin, dann werde ich ruhig und kann hier Stunden zubringen. Ich vergesse dann vollkommen die Zeit", sagt die Waldfensterin. In diesen sehr arbeitsreichen Phasen fragt ihr Mann dann scherzhaft, ob er ihr vielleicht das Bett in die Werkstatt bringen soll. "Ich freue mich, dass ich bei meinem Hobby von der Familie so viel Unterstützung erfahre", sagt Martina Straub.
Das Kunsthandwerk hat sie schon von klein auf fasziniert, die Liebe dazu hat ihr ihr Vater vermittelt. Er war es auch, der ihr bei Sonntagsausflügen in den Wald vieles über die Natur und die Pflanzen erzählte. Von ihm hat sie die Technik erlernt, wie man Kirschzweige so binden kann, dass die Knospen erhalten bleiben. "Es ist alles eine Frage des richtigen Zeitpunkts, das bekommt man mit viel Tüfteln heraus", erklärt die Künstlerin. Am liebsten wäre sie nach der Schule Schreinerin geworden, doch damals war es noch unüblich, dass eine Frau ein solches Handwerk lernt. Also machte sie eine Ausbildung zur Hotel- und Restaurantfachfrau, heute arbeitet sie in einer Reha-Klinik in der Badeabteilung. Ihr Hobby ist für sie ein Ausgleich, daraus ist eine richtige Leidenschaft geworden.
Seit mittlerweile zwölf Jahren stellt sie auch auf Kunsthandwerkermärkten aus, erstmals war sie in diesem Jahr auch beim Fürstlichen Gartenfest im Schloss Fasanerie in Eichenzell mit dabei. "Hier galt es zuerst einen Bewerbungsprozess zu durchlaufen, man musste Bilder und Arbeitsproben schicken und erklären, wie man die einzelnen Objekte herstellt", berichtet die Künstlerin. Damit demonstrierte man, dass wirklich alles handgefertigt ist und der jeweilige Kunsthandwerker seine Sache versteht. Martina Straub hat dort gebundene Flussweidenkränze gezeigt, einen Kirschkranz, wobei sie Wert darauf legte, dass diese nicht gewässert wurden. "Um sie zu binden muss man den richtigen Zeitpunkt erwischen, an dem man sie schneidet: dann ist die Verarbeitung überhaupt kein Problem, man muss nur mit der Natur gehen", erklärt sie. Fehlen durfte dabei auch ein Kranz aus geflochtenem Raps nicht, bei dem die Schoten dauerhaft fest bleiben, aber auch der Stuhl aus Kiefernzapfen und eine Schale aus Bucheckernkapseln war dort zu sehen. "Ich war schon froh, dass ich dort ausstellen durfte. Als dann eine Jury zur Beurteilung kam, war ich schon etwas aufgeregt", erinnert sich Martina Straub. Als ihr dann jedoch der "Produktpreis Objekt, Kunst und Möbel" für die "handwerkliche und ästhetische Arbeit mit Naturmaterialien" verliehen wurde, war sie überrascht und überglücklich. "Ich habe mich riesig darüber gefreut." Die Juroren haben gesagt, dass sie die Art von Kunsthandwerk, die sie mache, in dieser Form noch nicht gesehen haben. "Da ist man dann schon stolz auf die eigene Arbeit", meint Martina Straub.
Natürlich wird sie auch in Zukunft ihrem Hobby nachgehen - Ideen hat sie auf jeden Fall noch genug. "Auch wenn der Weg von der Idee zur Umsetzung oft schwer ist: ich mache mit dem Tüfteln weiter, es gibt immer eine Lösung für das Problem", sagt Martina Straub.
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