Denn jetzt versperrt ein rund 100 Meter langer Staketenzaun den Zugang zu dem fast 400 Jahre alten Baum und Naturdenkmal. "Das Hutbuchenfest wird es natürlich trotzdem weiterhin geben", versichert Bürgermeister Waldemar Bug (ödp), "aber halt nicht mehr unter dem Baum, sondern daneben." Schließlich kommt ja auch der Name "Hutbuche" nicht von der schützenden Kopfbedeckung, sondern vom Hüten der Schweine und Schafe.
Dass jetzt der Zaun errichtet worden ist, hat ausschließlich Sicherheitsgründe. "Das ist jetzt der Endpunkt eines Prozesses, der vor drei Jahren begonnen hat", sagt Roland Lehnhart, Abteilungsleiter Umweltrecht in der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt. Und er bekennt sich schuldig, damals der Auslöser gewesen zu sein: "Am 28. Juli 2009, kurz vor dem Hutbuchenfest, hat mich der Ortssprecher Markus Alles angerufen, dass ein armdicker Ast heruntergefallen sei. Nachdem das Landratsamt die Verkehrssicherungspflicht hat, habe ich als erstes ein Betretungsverbot für den Traufbereich des Baumes verhängt. Das hat einen Mordsaufstand gegeben." Später wurde dann ein Forstschutzzaun aufgestellt: "Der hat halt ziemlich gräuslich ausgeschaut." Aber Lenhart sah sich damals in seiner Entscheidung bestätigt: "Kurz nach dem Hutbuchenfest ist wieder ein dicker Ast heruntergefallen."

Vor kurzem haben sich dann die beteiligten Behörden zusammengesetzt und beschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen, dass das nächste Hutbuchenfest nicht mehr unter dem hässlichen Forstschutzzaun leiden muss.
Die Ausführenden waren schnell und problemlos gefunden. Die Marktgemeinde stellte das Material zur Verfügung, der Gemeindebauhof setzte die Fundamente, und die gesamten Holzarbeiten übernahm eine Gruppe von KIP, dem Kissinger Integrationsprojekt von KIDRO, dem Verein für niedrigschwellige Hilfen Bad Kissingen. Die Männer schlugen das Holz im Gemeindewald, richteten es zu, flammten die Zaunpfosten ab und montierten die Zaunelemente in zwei Tagen. So entstand kostengünstig eine stabile Einfriedung. Trotzdem wünscht sich Lenhart, "dass der Baum den Zaun überlebt."

Ob der Wunsch Wirklichkeit wird, lässt sich gar nicht mit Sicherheit sagen. Denn in das 28 Meter hohe Naturdenkmal, das aus drei zusammengewachsenen Bäumen entstanden ist, kann niemand wirklich hineinschauen. Aussagen über den inneren Zustand der Buche könnte man nur machen, wenn man einen Bohrkern aus dem Stamm untersucht. Aber ein solcher Eingriff würde eine Schwächung des grünen Methusalems bedeuten, die jeder vermeiden will.

Deshalb gehen die regelmäßig begutachtenden Baumfachleute davon aus, dass die drei Hauptstämme innen schon lange hohl sind, auch wenn der Baum zurzeit aussieht, als hätte er gerade seinen zweiten Frühling. Über die Standfestigkeit lässt sich daher nichts sagen. Und es kann ja auch eines Tages ein Blitz in den Baum einschlagen. Vorsorglich ist allerdings die Krone schon mit Abspannungen gesichert.
Dass der Baum nicht mehr hudertprozentig fit ist, zeigt auch der Pilzbefall mit Hallimasch, Feuerschwamm und Austernpilz. Vor allem die beiden ersten sind gefährlich. Aber Gelassenheit ist erlaubt. Lenhart: "Da der Baum im Außenbereich steht, können wir ihn in Ruhe beobachten." Sollte er eines Tages umfallen, wird auch der Zaun nicht mehr gebraucht.