Bad Kissingen
Theaterring

Die Dreigroschenoper in Bad Kissingens Kurtheater

Der Bad Kissinger Theaterring endet mit der "Dreigroschenoper" am Wahlsonntag.
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Die "Dreigroschenoper" spielt im Londoner Stadtteil Soho. Das Theater Hof führt das Stück jetzt im Bad Kissinger Kurtheater auf. Harald Dietz Fotografie
Die "Dreigroschenoper" spielt im Londoner Stadtteil Soho. Das Theater Hof führt das Stück jetzt im Bad Kissinger Kurtheater auf. Harald Dietz Fotografie

Am Sonntag, 26. Mai, ist nicht nur Europawahl (Vorher wählen gehen!), sondern um 19.30 Uhr geht auch der 34. Bad Kissinger Theaterring mit der Aufführung eines der bekanntesten deutschen Theaterstücke des 20. Jahrhunderts zu Ende.

Im Oktober des vergangenen Jahres wurde "Die Dreigroschenoper" 90 Jahre alt und ist, nicht nur als Schullektüre, noch immer im Bewusstsein der Deutschen verankert. Das liegt nicht nur daran, dass Bertolt Brechts kurzweilige Geschichte um den Räuber Mackie Messer mit ihren rotzfrechen Texten und ernsthaften gesellschaftskritischen Tönen in der Statistik des Deutschen Bühnenvereins 2004 noch immer an vierter Stelle bei den meistgespielten deutschen Dramen stand. Auch viele der Songs aus dieser Opernparodie von Brechts Komponisten Kurt Weill sind zu Hits geworden.

Weill schrieb sie als Unterhaltungsmusik für ein Salon-Orchester, in dem neun Musiker 22 Instrumente spielen, das sehr wenig mit einem Opernorchester und viel mehr mit fetzigem Jazz und Swing zu tun hat. Die "Moritat von Mackie Messer", das "Lied der Seeräuber-Jenny", der "Kanonensong", der "Morgenchoral des Herrn Peachum" oder auch das Eifersuchtsduett der Huren, "Mackie und ich, wir lebten wie die Tauben", sind auch außerhalb des Theaters zu Hits geworden. Als "Mack the Knife" ist die der "Mackie-Messer-Song" weltweit bekannt geworden, zum Beispiel in der Fassung von Louis Armstrong.

Trotz des Vergnügens, den die Texte und Kompositionen machen, ist auch Brechts gesellschaftspolitisches Engagement in sprichwörtlich gewordenen Zitaten immer da: "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!" oder "Doch man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht!" haben leider wenig an Aktualität eingebüßt.

Das Theater Hof hat sich jetzt des Stückes angenommen und es sehr getreu den Brechtschen Vorstellungen inszeniert. Brechts Vorlage war John Gays "Bettleroper" von 1728, doch erscheint diese im Jahr der Uraufführung 1928 als "Dreigroschenoper" in vielfach veränderter Gestalt. So griff Brecht etwa auf deftige Texte von Francois Villon für die Handlung im Londoner Zuhältermilieu zurück. Kurt Weill dagegen zitierte musikalisch das pompöse Finale von Gays Originalkomponisten Johann Christoph Pepusch, um die Deus-ex-Machina-Begnadigung des Verbrechers Mackie Messer durch den "Reitenden Boten des Königs" am Ende mit zusätzlichem Sarkasmus aufzuladen.

Im London von Brecht herrschen 1928 Korruption, Scheinheiligkeit, Vetternwirtschaft und Prostitution. Den Mörder Mackie schützt seine Soldatenfreundschaft mit dem Polizeipräsidenten von London vor der Verhaftung; die Bettler werden von Jonathan Peachum in aller Drastik ausgestattet, um möglichst viele Herzen zu rühren und Almosen einzufahren. Die Liebe zwischen Peachums romantiksüchtiger Tochter Polly und Mackie gipfelt in einer Gangsterhochzeit in geraubtem Mobiliar. Und obwohl fast alle Beteiligten zwielichtige Gestalten sind und Mackie endlich doch hinter Gittern landet, endet die Oper mit einem Happy End - für den Verbrecher.

Karten für das Gastspiel des Theaters Hof gibt es wie üblich in der Tourist-Information im Arkadenbau, Tel.: 0971/8048-444, online unter kissingen-ticket@badkissingen.de oder an der Abendkasse im Kurtheater.

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