Bad Kissingen
Dürre

Die Dampferle kommen in Bad Kissingen aus der Saale: Die Trockenheit machte auch vor den Flüssen nicht halt

Nicht immer war die sprichwörtliche Handbreit Wasser während der letzten Monate unter dem Kiel der beiden Dampferle.
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Auf dem Trockenen: Die Saline und die Kissingen.Johannes Schlereth
Auf dem Trockenen: Die Saline und die Kissingen.Johannes Schlereth
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Die Hitze und der fehlende Regen im Sommer haben sich nicht nur in der Landwirtschaft oder in der Getränkeindustrie bemerkbar gemacht. Auch die Saaleschifffahrt GmbH hatte in der vergangenen Saison vereinzelt mit Problemen zu kämpfen. Am Mittwoch hob ein Kran die "Kissingen" und "Saline" aus ihrem nassem Bett.

Ein Sommer mit Janusgesicht

Der vergangene Sommer hatte zwei Seiten, meint Dr. Helmut Fischer, Inhaber der Saaleschifffahrt GmbH. "Vom Wetter her ging es kaum besser. Die Leute hat es nach draußen gelockt. Davon konnten wir profitieren: die schwarze Null steht." Andererseits habe die Hitze und der fehlende Regen auch für Wasserknappheit gesorgt. "Wir mussten unseren Fahrbetrieb deswegen in dieser Saison auch mal einstellen", sagt er rückblickend. Für den eintägigen Stopp beim Dampferlebetrieb sorgte ein spontaner Abfall des Pegels. Ursache war vermutlich ein Ablassen und Aufstauen an einer Mühle im Nachbarlandkreis.

Trotz eines derartigen Zwischenfalls ist die Saale, "verglichen mit anderen Flüssen in der Region, noch glimpflich davon gekommen", teilt Uwe Seidl, der stellvertretende Leiter des Wasserwirtschaftsamts Bad Kissingen, mit. "Kleinere Flüsse wie die Lauer oder Sinn haben ein kleineres Einzugsgebiet und kaum Zuflüsse - also gibt es da schneller Niedrigwasser." Nichtsdestotrotz herrsche seit Juni Niedrigwasser im Saaleabschnitt bei Bad Kissingen.

Große Flüsse nicht betroffen

Ausschlaggebend ist in diesem Zusammenhang ist der sogenannte Mittlere Niedrigwasserabfluss. Dabei handelt es sich um einen statistischen Wert. "Aktuell liegt der bei 2,97 Kubikmeter Wasser in der Sekunde. Wenn sich der Abfluss der Saale um diesen Wert bewegt, sprechen wir vom Niedrigwasser", erläutert der Fachmann die Kenngröße. "Aktuell fließen etwa 3 Kubikmeter Wasser in der Sekunde aus der Saale ab. Allerdings war das in den letzten Monaten häufig weniger." Anders sieht die Situation am Main aus. Helko Fröhner, der stellvertretende Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes in Schweinfurt, hatte im Sommer wenige Probleme: "Der Main ist bei uns staureguliert." Mit den Staustufen sorge man dafür, dass der Fluss stets genug Wasser führe. "Zugutekommen uns außerdem noch die vielen Zuflüsse des Mains."

Nager störten Schiffe

Allerdings sorgte nicht nur der kritische Pegel der Saale für Kopfzerbrechen bei der Saaleschifffahrt GmbH. Kopfzerbrechen bereiten Fischer die anstehenden Arbeiten am historischen Pumpwerk an der unteren Saline im kommenden Jahr. "Ich hoffe, dass die Arbeiten dort schnell abgeschlossen sind und der Altarm dann wieder mehr Wasser führt." Führt der Altarm zu wenig Wasser, könnte der Anleger verschlammen. Fischer steht allerdings auch vor aktuellen Problemen: "In der Saale gibt es einige Biber. Da kommt es schon vor, dass durch Zweige und Äste unsere Fahrrinne versperrt ist." Die Folge für die Dampferle: kein Durchkommen möglich. "Unsere Bootsmänner dürfen dann jedes Mal die Fahrrinne frei räumen. Dadurch fallen uns Fahrten weg."

Maschinen Stop

Am Mittwoch hieß es jedoch "Maschinen Stop" auf der Saale. Während des Winters müssen die Boote ins Trockendock. Ein Kran hievt Boot für Boot aus dem Wasser. Dieses Jahr ist es schwieriger als üblich, denn der Kranführer arbeitet nur mit einer Lasttraverse. An dem Bauteil werden die Haltegurte für das Boot festgemacht. Erst danach hebt der Kran das Schiff aus der Saale. "Normalerweise verwenden wir zwei Lasttraversen. Da ist das Boot in der Luft dann besser ausbalanciert", informiert Fischer.

Bevor die beiden Dampferle im ehemaligen Café Neptun ihren Winterschlaf beginnen, schleppt ein 14 PS-Eicher Traktor die Boote in das Trockendock. "Im Winter gilt es die üblichen Reparaturen und Wartungen durchzuführen", teilt Fischer mit. Konkret: "Wir warten den Motor und das Getriebe." Erst danach könne man getrost in die kommende Saison starten. Für die hat der Chef der Saaleschifffahrt GmbH einen besonderen Wunsch neben ausreichend Wasser unter dem Kiel: "Ein Café in der Oberen Saline würde der Stadt gut tun."



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