Oerlenbach
Tradition

Des walle is schüe!

Die Fußwallfahrt nach Retzbach hat auch nach 151 Jahren nichts an Faszination verloren. Am Samstag, 21. September laufen die Oerlenbacher wieder los.
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Am Sasmstag, 21. September startet in Oerlenbach die traditionelle Fußwallfahrt nach Retzbach.Peter Klopf
Am Sasmstag, 21. September startet in Oerlenbach die traditionelle Fußwallfahrt nach Retzbach.Peter Klopf

Seit 151 Jahren gehen Oerlenbacher Wallfahrer per pedes den Weg zur Wallfahrtskirche "Maria im grünen Tal" in Retzbach. Dabei wird ein schönes Wallfahrtsbild der Prozession vorangetragen, das die Jahreszahl 1868 trägt. "Wann die ersten Pilger nach Retzbach gezogen waren, kann heute nicht mit Gewissheit gesagt werden." Das Datum sei belegt, da eine Oerlenbacher Frau damals von einer Marianischen Bruderschaft ein Buch erhalten hat, in dem diese Jahreszahl vermerkt ist. "Man vermutet, dass es die Wallfahrt noch viel länger gibt, doch schriftliche Aufzeichnungen sind leider nicht vorhanden", so der jetzige Wallfahrtsleiter, Otmar Lutz. Manches sei nur mündlich überliefert worden. "Wir gehen davon aus, dass es auf jeden Fall die Wallfahrt seit damals gibt und wir am 21./22. September unsere 151. Wallfahrt durchführen." Knapp 300 Teilnehmer sind im vergangenen Jahr an zwei Tagen über 100 Kilometer gelaufen.

Was ist die Faszination, diese Strapazen auf sich zu nehmen? "Das Emotionale, die Kameradschaft und das, über sich selbst hinauszuwachsen sowie das Glücksgefühl nach seiner persönlichen Leistung. Ich habe es geschafft, Leute stehen Spalier an der Straße und winken einem zu. Man merkt, dass Jeder, der mitläuft, die gleichen physischen Probleme hat. Die Anstrengungen schweißen zusammen. Nicht vergessen darf man die Empfindungen, wenn Menschen die Straßen des Zuges säumen", so Wallfahrtsleiter, Otmar Lutz.

Viele Helfer und Musiker notwendig

Rund 300 Wallfahrer sind eine organisatorische Herausforderung für Lutz und seinen 20-köpfigen Helferstab. Man benötigt Vorbeter, Lautsprecher und Fahnenträger, die Besatzung von drei Begleitfahrzeugen, einem Traktorgespann und zusätzliches Sicherungspersonal für die Verkehrsabsicherung und den reibungslosen Ablauf. Wichtiges Instrument der Wallfahrt ist die Musikkapelle. Circa 30 Musiker aus rund 15 Ortschaften sorgen für die musikalische Begleitung der Wallfahrer.

Eine große Herausforderung sei es, dass es erst nach vier Stunden in Schwebenried ein Frühstück gibt. Später würden die Zeiten zu den Pausen kürzer. Um halb drei in der Nacht geht es in Oerlenbach los. Tradition der letzten Jahre und Druck auf die Tränendrüse ist an der Andachtsstätte ein Trompetensolo mit dem Lied "My Way". Starres herunterleiern von Gebeten oder den Rosenkränzen gebe es nicht. Vielmehr stünden Meditation und der Bezug zu Alltagsituationen, denen die Menschen ausgeliefert seien, im Mittelpunkt. "Die Wallfahrt will das Herz erreichen und die Verbindung zu Gott", so Lutz.

Der Weg führt über Ebenhausen, Poppenhausen, Kronungen, Kützberg, Brebersdorf, Schwebenried, Arnstein, Thüngen, bis man gegen 15 Uhr Retzbach erreicht. In den Weinbergen werden die Wallfahrer dann vom Wallfahrtspfarrer und den Ministranten abgeholt und durch Retzbach zur Wallfahrtskirche geleitet. "Die Wallfahrtslieder und der Marsch durch den Ort und das Erlebte drücken bei vielen nochmals auf die Tränendrüse", so Lutz. "Es ist ein einmaliges Erlebnis." Bußgottesdienst, Lichterprozession mit Bischof Franz Jung und ein gemeinschaftliches Beisammensein beschließen den ersten Tag.

"Viele denken im Überschwang nicht daran, dass man bereits um sechs Uhr aus den Federn muss", bemerkt Lutz lächelnd. Nach einem abschließenden Morgenlob geht es um acht Uhr nach Oerlenbach zurück. Circa halb neun abends wird Oerlenbach wieder erreicht. "Musikanten sind herzlich willkommen. Die Begegnung mit ihren vielfachen Erinnerungen bestärkt die Grundhaltung der Wallfahrer: "Des walle is schüe" (Das Wallfahren ist schön), so der Wallfahrtsleiter. "Helferinnen und Helfer als Fahnen-, Lautsprecher-, Bass- und Wallfahrtbildträger, Ordner für den Verkehr oder Sanitätshelfer würden immer gesucht. Wir sind froh, wenn sich Freiwillige melden", so der Wallfahrtsführer.

Den Abschluss der Wallfahrt bildet am 26. Oktober ein Dankgottesdienst mit Gerd Greier in der Oerlenbacher Pfarrkirche St. Burkard. Ein gemütliches Beisammensein, bei dem man die erfolgreiche Wallfahrt nochmals Revue passieren lässt, schließt die Wallfahrt 2019 ab.

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