Bad Kissingen
Winterzauber

Der Zauber des Swing

Tom Gaebel & his Orchestra brachten nicht nur Frank Sinatra und Dean Martin auf die Bühne. Auch James Brown erklang im Max-Littmann-Saal.
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Tom Gaebels Publikum durfte sich etwas wünschen. Meist waren es Musiktitel oder auch der Wunsch selbst auf der Bühne zu singen. Foto: Hartmut Hessel
Tom Gaebels Publikum durfte sich etwas wünschen. Meist waren es Musiktitel oder auch der Wunsch selbst auf der Bühne zu singen. Foto: Hartmut Hessel
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Es hat geschneit! Aus den Händen von elf fantastischen Musikern rieselte der Kunstschnee mitten in den swingenden Winterzauber, während der Pianist als zwölfter "The Voice" bei der Zugabe der Zugabe begleitete. Vielen Besuchern waren da schon die Mäntel in der Hand lieber, als dem sehr gefühlvollen "Gute Nacht" Lied zu folgen.

Tom Gaebel & his Orchestra gehörte im Max-Littmann- Saal zu den Aufmischern der Kissinger Winterzaubers. Der Bandleader, begnadeter Sänger und Entertainer hatte von der ersten Minute das fast volle Haus im Griff. Er förderte und forderte Mitgesang, Mitpfeifen und Mitschnalzen. Das Publikum war voll dabei und mischte sich auch mal selbstständig in die swingenden, jazzigen und gelegentlich souligen Takte ein. Alle, die gekommen waren, waren auf schnelle Rhythmen eingestellt. Die Lautstärke konnte durch Hörschutz, der an der Garderobe auslag, individuell geregelt werden. Die ruhigen Feiertage waren spätestens mit den ersten "Jingle Bells" und dem Einstieg Tom Gaebels mit "Santa Claus is Coming" vorbei. Der betörende Sound des Orchesters ließ Bewegungsdrang aufkommen. Tom Gaebel hatte auch zum Wunschkonzert eingeladen. Ein Säckchen vor ihm auf der Bühne nahm im Laufe des Abends ansehnlich viele Wunschkarten auf. Und wünschen durften sich die Besucher einiges an diesem Abend. Ein Türchen im Sechs-Tages Weihnachtskalender öffnen oder Mann oder Tochter mal Teil des Orchesters werden zu lassen war das Eine, das Hauptanliegen waren jedoch die Musikwünsche. Die Erfahrung darüber, was da kommen würde, war Tom Gaebel anzumerken. Dass er bereits ganze Abende mit Frank Sinatra -Titeln gestaltet hatte, wusste das Publikum, so hätte der Christmas-Swing-Evening leicht sehr einseitig werden können. Das hat Gaebel geschickt umgelenkt und gab auch anderen Interpreten, wie etwa Dean Martin seine Stimme. Natürlich verwies er auf das eigene neue Album, aus dem er und sein Orchester zwei Stücke spielten.

Richtig anstrengend fürs Publikum war der Moment, als James Brown, via Tom Gaebel , Einzug in den Kissinger Musikpalast feierte. Mit "Papa´s got a brand new bag" ging ein Zittern und Zucken durch den Saal, wer aufstehen konnte, "vertrat" sich die Beine, weil ruhig sein, gerade nicht angesagt war. Das gab es vorher zur Genüge, denn bereits die ersten Takte von Bert Kaempferts "Strangers in the night" musste Tom Gaebel nur andirigieren und schon fiel "der größte Chor in Bad Kissingen" in die ersten Textzeilen, die dann "The Voice" auf der Bühne sehr stimmungsvoll zu Ende sang.

Dass auch Leonard Cohens "Hallelujah" den Weg in die Ohren fand, ist Melissa zu verdanken. Ihr Wunsch, das mit Hilfe des Orchesters und textlicher Hilfe aus dem Smartphone singen zu dürfen, war dem Wunschkartensäckchen entsprungen und Tom Gaebel tat richtig daran, die Chorsängerin aus der Region Bad Kissingen auf die Bühne zu bitten. Nicht so gut gelang ihm jedoch der Umgang mit der Live-Situation, denn überheblich kam er nach Meinung einiger Besucher schon daher. Kurz, Melissa hat glänzend gesungen, Tom Gaebel hat es gesanglich sehr gut zu Ende gebracht, obwohl es offensichtlich nicht Teil seines Repertoires ist.

Dagegen war der Konzertbeitrag von Jens ganz nach dem Geschmack, auch der Profi-Musiker, denn der leidenschaftliche Jazzgitarrist, im wirklichen Leben Immobilienmakler, spielte bei seinem Kurzauftritt so, als ob er immer schon dabei war. Diese Kurzauftritte, wie auch das Öffnen der Kalendertürchen, unter anderem von der amtierenden Rosenprinzessin Katja - von der Mutter vorgeschlagen - waren Lokalkolorid, die der Bandleader gerne dazu nutzte, um neue musikalische Themen vorzutragen. Ein Medley deutscher Weihnachtslieder durfte da nicht fehlen. Wer zum Weihnachtsfest nach Hause gefahren ist, weiß sich der Begleitung von Chris Rea mit "Driving home for christmas" sicher und das schon seit Jahren. Es gehört zur swingenden Weihnacht Tom Gaebel genauso dazu wie "Feliz navidad" oder mit viele Seele in der Stimme "What a wonderful world". Der Winter hat musikalisch in Bad Kissingen einen weiteren Zauberer gefunden.

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