Münnerstadt
Vernissage

Der Ton macht das Gefäß

Die Sonderausstellung "Kalkspatzen und Quarzsprung - die Kunst fränkischer Hafner" im Henneberg-Museum ist eröffnet und begeisterte die Besucher.
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Um Ton und Porzellan geht es bei der neuen Sonderausstellung im  Henneberg-Museum, die jetzt eröffnet wurde.  Museumsleiter  Nicolas Zenzen (Mitte) hatte Interessantes zu erzählen.  Bürgermeister Helmut Blank (rechts)  hatte schon vor der Eröffnung von einem Paukenschlag gesprochen. Foto: Dieter Britz
Um Ton und Porzellan geht es bei der neuen Sonderausstellung im Henneberg-Museum, die jetzt eröffnet wurde. Museumsleiter Nicolas Zenzen (Mitte) hatte Interessantes zu erzählen. Bürgermeister Helmut Blank (rechts) hatte schon vor der Eröffnung von einem Paukenschlag gesprochen. Foto: Dieter Britz

"Das ist ein Paukenschlag" hatte Bürgermeister Helmut Blank schon Tage vor der offiziellen Eröffnung die Sonderausstellung "Kalkspatzen und Quarzsprung - die Kunst fränkischer Hafner" im Henneberg-Museum kommentiert. Bei der Vernissage gestand ein Besucher "erst durch den Vorbericht in der Zeitung ist mir so richtig klargeworden, um was es da geht. Das hat mich neugierig gemacht und angeregt, zu kommen". Außer ihm waren sehr viele andere interessierte Besucherinnen und Besucher bei der Ausstellungseröffnung dabei. Museumsleiter Nicolas Zenzen hielt dabei eine Vorlesung über die Geschichte der Herstellung und Verwendung von Tongefäßen, Keramik, Steingut und Porzellan.

Wie wird Wasser versandt?

In Bad Brückenau wurde 1747 eine Heilquelle gebohrt und bald nach der Gründung des Bades tauchte die Frage auf, wie das Heilwasser versandt werden kann. Der Bischof von Fulda holte zwei Steinzeug-Töpfer zur Herstellung von Flaschen. In Römershag wurde extra eine Flaschen-Manufaktur gebaut. Schwierig war es allerdings, den passenden Ton, ohne den es nicht geht, zu finden. Nicolas Zenzen konnte den staunenden Besuchern Flaschen aus jener Zeit mit entsprechender Inschrift präsentieren. Der Würzburger Bischof stand wenig später vor ähnlichen Problemen, als er Heilwasser aus den Quellen von Kissingen und Bocklet verschicken wollte. Deshalb schrieb er 1766 einen Brief an seinen Kollegen in Trier mit der Bitte um Hilfe und Entsendung eines Fachmannes. Die Flaschen für das Kissinger und Bockleter Heilwasser waren grau bis schwarz, die für Brückenau rot oder braun. Das lag an den unterschiedlichen Brenn-Techniken (mit viel oder wenig Sauerstoff-Zufuhr) ebenso wie an den Unterschieden in der Zusammensetzung und Aufbereitung des Tons, erklärte der fachkundige Museumsleiter seinen staunenden Zuhörern. Der Ton kann Kalkstücke enthalten, beim Brennen werden dadurch kleine Teile abgesprengt, da der Kalk gebrannt wird und sich ausdehnt. Es können auch ganze Löcher im Gefäß oder in der Flasche entstehen, die sogenannten Kalkspatzen. Auch dafür hatte Zenzen Demonstrationsobjekte parat.

Töpferscheibe erforder Übung

Tongefäße gibt es seit tausenden von Jahren. Die Technik, sie aus Tonwülsten aufzubauen, ist 3000 Jahre alt, wird aber heute nur noch von Hobby-Keramiken gepflegt, erklärte Zenzen. Das Drehen auf der Töpferscheibe wurde in Mesopotamien erfunden, "es sieht einfach aus, erfordert aber Übung".

In der Ausstellung sind einige sehr alte Gefäße zu bewundern. Einige Stücke, die aus Tonplatten montiert wurden, werden ebenfalls gezeigt , ein wichtiger Aspekt ist die Dekoration der Flaschen, Gefäße, Töpfe. Eine einfache Methode ist die Verwendung von flüssigem, aufgeschlämmtem Ton. Plastische Verzierungen können durch Einritzen erzeugt werden. Durch Glasur werden die Gegenstände dicht. Ton enthält mehr oder weniger viel Quarz. Wenn die vom Töpfer oder Hafner geschaffenen Gegenstände gebrannt werden, dann werden sie um einiges über 573 Grad Celsius erhitzt. Exakt bei dieser Temperatur ändert der Quarz seine Kristallstruktur und dehnt sich abrupt aus. Wenn diese Temperatur zu rasch überschritten wird, dann kann dieser Effekt die Tongegenstände auseinandersprengen, erfuhren die Zuhörer.

Weitere Themen in der Ausstellung sind Steingut, Keramik und natürlich Porzellan. In der Ausstellung sind mehrere schöne Stücke des "weißen Goldes", wie Porzellan früher genannt wurde, zu bewundern. Es wurde in den ersten Jahrhunderten nach Christus in China erfunden. In Europa wurde seine Herstellung lange Zeit vergeblich versucht. Erst 1708 gelang es in Dresden Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, das erste europäische Hartporzellan zu erzeugen. Zu seiner Herstellung braucht man neben Kaolin, einem speziellen weißen Ton, viel Energie. Letztere gab es in Oberfranken, deshalb wurden dort auch viele Porzellanfabriken gegründet, auch wenn das Kaolin weiter her herangeschafft werden musste, erzählte Nicolas Zenzen. Den Vernissage-Teilnehmern gefiel die Lehrstunde über Porzellan und Ton und alles sonst sehr gut und die Ausstellung mit den vielen unterschiedlichen und sehr interessanten Stücken ebenso. Die Kommentare sprachen für sich.

Öffnungszeiten bis zum 21. Juli jeweils dienstags bis freitags von 10 bis 15 Uhr und samstags, sonntags sowie an Feiertagen von 11 bis 15 Uhr.

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