Bad Kissingen
Streitpunkt

Der Streit um den Wald für die Seele in Bad Kissingen geht in die nächste Runde: Eine Petition wurde abgegeben

Der Streit um den Wald für die Seele ist noch immer nicht beendet: Am Freitag wurde eine Petition im Rathaus abgegeben.
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Kai Fraass und Uta Galuska werfen ihre Unterschriftenliste in den Briefkasten des Rathauses.Johannes Schlereth
Kai Fraass und Uta Galuska werfen ihre Unterschriftenliste in den Briefkasten des Rathauses.Johannes Schlereth

Wald erhitzt momentan die Gemüter, sei es der Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen oder aber der Wald für die Seele in Bad Kissingen. Im Juni sorgte das 14,5 Hektar große Areal für Schlagzeilen, als 48 Bäume im Rahmen einer Verkehrssicherungsmaßnahme gefällt wurden. Beim Wald für die Seele handelt es sich um städtisches Eigentum. Durch einen zeitlich befristeten Nutzungsvertrag hat die Stadt der Stiftung Bewusstseinswissenschaften (SBW) das Waldstück überlassen. Während sich Stadt und Forstamt auf ihre Verkehrssicherungspflicht beriefen, betitelte Joachim Galuska , Stiftungsgründer und Vorsitzender Geschäftsführer der Heiligenfeldkliniken, die Holzentnahme als einen "unangemessenen und überzogenen Einsatz". Daraus entwickelte eine Auseinandersetzung zwischen SBW und Stadt Bad Kissingen, die letztlich in der Kündigung des Vertrages mündete.

Chance für das Stadtmarketing

"Was passiert nach dem Auslaufen des Vertrags mit den Kunstwerken?", fragt sich Uta Galuska, eine der Künstlerinnen, die Werke im Wald für die Seele ausstellen. Bereits bei den Forstarbeiten sei manches Werk in Mitleidenschaft gezogen, oder unwiderruflich zerstört worden. "Das ist Kulturgut. Deutschlandweit kommen Leute wegen des Waldes nach Bad Kissingen." Galuska sieht im Wald für die Seele außerdem eine Chance für das Stadtmarketing. "Das Projekt wurde durch das Leader-Programm gefördert. Möglicherweise lassen sich weitere Fördermittel anzapfen."

Von Nord bis Süd

Ruhe ist mit der Kündigung noch lange nicht eingekehrt: Am Freitag wurden Unterschriftenlisten eingereicht. Gestartet haben die Petition Kai Fraass und Uta Galuska. "Wir haben das als Privatpersonen ins Leben gerufen und nicht im Namen der Stiftung", betont Fraass, der beruflich in der Öffentlichkeitsarbeit der Kliniken Heiligenfeld aktiv ist. Ziel der Petition ist es, aufzuzeigen, dass Bürger mit dem Vorgehen der Stadt nicht einverstanden sind. Werbemaßnahmen für die Liste gab es keine. "Das war lediglich Mund-zu-Mund", erklärt Fraass. "Interessenten hatten die Möglichkeit, ihren Namen in ausgelegten Listen in den Kissinger Geschäften einzutragen oder aber online ihr Statement abzugeben." Insgesamt konnten die beiden Initiatoren am Freitag 454 Unterschriften ans Rathaus weiterleiten. Darunter Menschen aus Österreich und dem gesamten Bundesgebiet, von der Nordseeküste bis nach Bayern. Eine Husumerin kommentiert: "Das beschriebene Vorgehen der Stadtverwaltung zeigt einmal mehr, wie wenig Verwaltungsdenken mit den Bedürfnissen der Menschen zu tun hat."

Kein Shake-Hands Bild

Weil Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) für eine Übergabe nicht zur Verfügung stand, mussten sich Fraass und Galuska mit dem Einwerfen in den Briefkasten am Rathaus begnügen. "Das ist weiter nicht schlimm. Wir wollen kein Shake-Hand Bild, sondern Handlungen und Kommunikation", teilt Fraass mit. Thomas Hack, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Kissinger Rathaus, nimmt Stellung zur abgegebenen Petition: "Wir kommentieren den Sachverhalt nicht für die Öffentlichkeit. Wenn Gespräche geführt werden, dann intern und mit allen Beteiligten."

Uta Galuska bezeichnet das Verhalten der Stadt als "ignorant". "Im Bürgermeister steckt das Wort ,Bürger'. Er sollte Nähe zeigen und mit ihnen sprechen." Beim Wald für die Seele handele es sich um ein gemeinsames Projekt zwischen Stiftung und Stadt. "Durch die Waldarbeiten wurde ein Kulturgut nachhaltig beschädigt. Die Stadt sollte dazu stehen und sich entschuldigen", meint sie. Es gelte, Vertrauen neu aufzubauen, um in die Zukunft blicken zu können. "Der Wald für die Seele ist Natur, die sich entwickelt. Er soll nicht in seinem jetzigen Ist-Zustand bleiben", fügt Fraass an.

Mittlerweile hat die Stadt Bad Kissingen einen Schritt in Richtung der SBW gemacht. "Es gibt eine Terminanfrage von Seiten der Stadt gegenüber der Stiftung", informiert Uta Galuska. Ideen für eine Einigung hat sie bereits: "Ideal wäre es, wenn die Stadt das Areal verkauft, dass wir das Projekt weiterführen können." Der Wald für die Seele sei durch seine Lage im Klauswald mit dem Kaskadental und dem Pfad der Baumgiganten prädestiniert für das Naturerlebnis. "Sollte die Stadt das Areal nicht verkaufen, wäre ein Pachtvertrag, von dem beide Seiten profitieren, ein guter Lösungsansatz."



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