Kevin Hoos aus Westheim ist Fan elektronischer Musik und hat sich Anfang des Jahres ein Mischpult gekauft. Derzeit tritt er nur bei Privatfeten als DJ auf. Für Hoos ist es ein Nebenjob, der etwas abwirft und "aus dem man etwas machen kann". Sein musikalisches Ziel ist es, "mit selbst produzierten Beats aus dem Laptop die Katzen hinterm Ofen hervorzulocken".
Christoph Schlereth aus Hammelburg hat mit Selbstproduktionen noch nicht viel Erfahrung. "Ich spiele meine Musik bislang für meine Kumpels, möchte das aber ausbauen und würde gerne etwas Geld nebenher verdienen", sagt der ausgebildete Elektroniker über sein Hobby.
Für ambitionierte Freizeitmusiker und erfahrene DJs organisierte MainPop, die Popularmusikförderung des Bezirks Unterfranken, zusammen mit dem Schweinfurter Unternehmen Tonquadrat einen Kurs zu elektronischer Musik und Sound-Design. Anders als Bandmusiker, die die Musikakademie Hammelburg schon lange für ihre Zwecke nutzen, sitzen die "Elektrobastler" meist allein mit ihrem Laptop "im stillen Kämmerlein" und "generieren, was ihnen im Sektor elektronische Tanzmusik gefällt", sagt Marc Bieringer, Leiter des Workshops.
Was dabei klanglich entsteht, deckt verschiedene Genres ab: Techno, House und Grunge. "Die meisten fangen da an, echt kreativ zu werden", erklärt der 29-jährige Schweinfurter. "Es ist allerdings heute schwer von der Musik zu leben. Doch gute Leute können als Discjockeys damit durchaus Geld verdienen", so Bieringer.
Die Vorteile Computer generierter Musik sind Flexibilität durch die Lautstärketechnik und der Umstand, dass in der Regel nur eine Person hinter dem Mischpult sitzt. Damit entfallen Bandproben, aufwendige Ausrüstung und Absprachen. Das Sound-Design genießt die Sympathien der Club-Szene - auch wenn hämmernde Beats nicht jedermanns Sache sind. Es hängt von der eigenen Kreativität ab, was der Musiker am Mischpult daraus macht.
Bereits Erfahrungen gesammelt hat Enrico Jakob als DJ im Kissinger Look, wo Hip-Hop, Techno- und Chart-Musik angesagt sind. Jakob will sich während seines geplanten Studiums etwas dazuverdienen. Er will "noch einige Kraft in sein Hobby stecken". Sein Ziel: "Eigene Beats produzieren und wegkommen vom Monoton-Sound." Für die Künstler eröffnet sich auch die Möglichkeit, Videoclips mit Musik zu unterlegen. Auch hierfür klingeln eventuell einige Euros.
Die technische Entwicklung überrollte in den vergangenen drei Jahrzehnten die Fans und diejenigen, die den Sound präsentieren - die DJs. Die Altvorderen der Szene rümpften schon in den 70er Jahren die Nase wenn "Computermusik" auf dem Plattenteller lag. Dabei vergessen sie allerdings, dass die Anfänge elektrischer und elektronischer Musik in dieser Ära zu suchen sind. Der Psychedelic-Rock war 1965 der Steigbügel für die Innovationen zur späteren Techno-Musik.
Bands wie Pink Floyd, Greatful Dead, The Doors, The Nice und Iron Butterfly - und selbst die Beatles mit ihrem Album "Sergeant Pepper" - bereiteten dem heutigen Club-Sound den Weg, indem sie elektronische Teile in ihre Produktionen einbauten. Aus der Disco-Kultur in den USA, in der die Plattenleger mit Scratchen und Loops aufwarteten, wurden Hip-Hop, House, Electro Funk und Wave geboren.