Wie bringt man einen Oberbürgermeister dazu, in aller Öffentlichkeit ein Auto zu waschen, das ihm nicht gehört? Ganz einfach! Man schließt mit ihm eine Wette ab. Das haben die jungen Leute, die am 9. Mai in der Stadtpfarrkirche gefirmt werden, jetzt getan. Die Wette, die sie ihm angeboten haben und bei der er eingeschlagen hat, dient einem guten Zweck: "Wir sammeln am heutigen Samstag in der Fußgängerzone Geld für bedürftige Kinder im Landkreis. Wenn wir es schaffen, mehr als 300 Euro zusammenzubekommen, dann müssen Sie ein Auto der Caritas waschen." Der OB hat eingeschlagen.
Was ist das für eine Sammlung? Da kommen zwei Dinge zusammen. Zum einen heißt die Jahreskampagne der Caritas "Armut macht krank - jeder verdient Gesundheit". Zum anderen beteiligen sich die jungen Leute, wenn sie auf die Firmung vorbereitet werden, an kleineren sozialen Projekten, etwa in der Seniorenbetreuung, bei Gottesdienstvorbereitungen oder bei der Arbeit der Bad Kissinger Tafel.
Für die, die mal etwas ganz anderes, aber trotzdem Wirkungsvolles tun wollten, hatte Helga Vierheilig, die Leiterin des Fachdienstes Familiencaritas, die Idee mit der Wette. Sie weiß aus der Zusammenarbeit mit der Sozialberatung und der Flüchtlingsberatung, dass es auch im Landkreis viele Kinder gibt, die von Armut betroffen sind, die große Schwierigkeiten haben, Freunde zu finden, weil sie es sich nicht leisten können, an gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen, die vieles nicht bekommen können, was für ihre Altersgenossen selbstverständlich ist. Für die will jetzt eine zwölfköpfige Firmgruppe Geld sammeln.
In Zweierteams, mit offizieller Sammelbüchse und Ausweisen der Caritas ausgestattet, machen sie sich heute auf den Weg, um die Kissinger bei ihrer Ehre und Spendenbereitschaft zu packen. Die Gefühle sind noch ein bisschen gemischt, weil noch niemand von ihnen an einer derartigen Sammlung teilgenommen hat. Und weil sie erst ausprobieren müssen, wie man die Leute anspricht, damit sie freundlich-spendabel und nicht angesäuert reagieren, wie man ihnen die Aktion erklärt, damit sie wirklich die 300 Euro zusammenbringen.
Aber andererseits machen sie es auch gerne: "Das ist mal was anderes als im Kindergarten zu helfen", sagt Christina Blum, "weil man auch mal mit ganz anderen Leuten zu tun hat." Und Theresa Schaub sieht in der Aktion die Möglichkeit, "auch mal etwas für Gleichaltrige zu tun, denen es nicht so gut geht wie uns". Sie können sich alle gut vorstellen, dass sie sich auch mal mit Kindern, denen das Geld zugutekommen soll, treffen und vielleicht mal ein Eis zusammen essen. Aber jetzt hoffen sie erst einmal, dass sie am nächsten Samstag ein Auto waschendes Stadtoberhaupt begrüßen können. Helga Vierheilig: "Eigentlich wollte Dekan Keßler zur Wagenwäsche singen, aber wir haben einfach keinen gemeinsamen freien Termin für beide Herren gefunden."
Und wie sieht der Oberbürgermeister die Sache? Wird er nichts spenden, damit er nicht selbst den "Waschzwang" beschleunigt? "Nein", sagt Kay Blankenburg, "aber bei der Sammlung werde ich nichts geben, damit es nicht heißt, dass der sich nur einen Auftritt verschaffen will." Aber wenn die 300 Euro zusammenkommen, dann will er noch deutlich aufstocken. Denn er weiß, wie dringend das Geld gebraucht wird.
Was passiert wann? Am heutigen Samstag sammeln die zwölf jungen Leute in der Fußgängerzone zwischen 10 und 14 Uhr. Wenn mehr als 300 Euro zusammenkommen, wird Oberbürgermeister Kay Blankenburg am Samstag, 28. April, ab 10.30 Uhr in der Unteren Marktstraße (vor Uhren Servatius) zur Wagenwäsche antreten. Am Sonntag, 9. Mai, kommt Weihbischof Ulrich Booms um 10 Uhr zum Firmgottesdienst in die Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche.