Bad Kissingen
Geschichte

Der Mann, der Bismarck bewachte

Ein Gendarm aus dem Steigerwald sorgte einst dafür, dass der Reichskanzler während seiner Kuraufenthalte in Bad Kissingen nicht zu Schaden kam.
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Bismarck zur Kur in Bad Kissingen. Das Foto mit Bismarck und Gendarmen in seiner Nähe stammt aus dem Jahre 1894. Es zeigt, wie er vor seinem Domizil in der Oberen Saline in Bad Kissingen von den Einheimischen und Kurgästen bejubelt wird. Foto: Stadtarchiv Bad Kissingen
Bismarck zur Kur in Bad Kissingen. Das Foto mit Bismarck und Gendarmen in seiner Nähe stammt aus dem Jahre 1894. Es zeigt, wie er vor seinem Domizil in der Oberen Saline in Bad Kissingen von den Einheimischen und Kurgästen bejubelt wird. Foto: Stadtarchiv Bad Kissingen
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von unserem Mitarbeiter Ludwig Leisentritt

Es ist jetzt 200 Jahre her, dass Otto von Bismarck (1815 bis 1898) geboren wurde. Zwischen 1874 und 1893 verbrachte der Gründer des Deutschen Kaiserreiches insgesamt 60 Wochen in Bad Kissingen. Hier führte er auch einen Teil seiner Amtsgeschäfte weiter. Politiker, Diplomaten und Vertreter der Wirtschaft suchten Kontakt zu Bismarck während dessen Kuraufenthalte.
Weniger bekannt dürfte sein, wer für Bismarcks Sicherheit zuständig war. Nach einem missglückten Attentat in der Kurstadt war Bayerns König Ludwig II. bemüht, die Sicherheit des prominenten Staatsmannes zu gewährleisten. Zur Vermeidung eines weiteren Angriffes stellte die bayerische Regierung einen Sicherheitsdienst mit sechs Gendarmen zur Bewachung des Reichskanzlers ab.
Drei Gendarmen aus der Station Kissingen sowie drei ausgesuchte Leute des Gendarmeriekommandos Unterfranken waren für diese ehrenvolle Aufgabe ausgesucht worden. Darunter war auch der 25-jährige Theodor Thürmer aus Unterschleichach im Steigerwald. Der 1860 geborene Gendarm war in Fabrikschleichach stationiert und schied 1919 als Gendarmeriekommissar aus dem Dienst. Von 1912 bis 1919 war er außerdem Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Unterschleichach.

Thürmer war begeistert

Für den 25-jährigen Steigerwälder war es eine besondere Auszeichnung, im Namen des bayerischen Königs 1885 und 1886 vom Polizei-Kommando zu diesem Ehrendienst ausgewählt worden zu sein. In den 20er-Jahren bezeichnete er einer Zeitung gegenüber die zwei Einsätze als die schönsten Erlebnisse seines Lebens. Unklar ist, wann und wo Thürmer verstorben ist. 1932 war er noch im damals erschienenen Adressbuch in Unterschleichach als Pensionist aufgeführt. Heute erinnert sich im Steigerwald kaum noch jemand an diesen Mann, der offenbar keine Nachkommen hinterlassen hat. Unvergesslich war für Thürmer offenbar der tiefe Eindruck, den die hoch gewachsene Gestalt des Fürsten auf ihn machte. Erwartet habe er eine mächtige, volle Bassstimme. Nach seiner Erinnerung hatte der hünenhafte Fürst jedoch eine hohe und feine Stimme, die etwas Gütiges ausstrahlte.
Bismarck erklärte bei der Vorstellung seiner Bewacher, dass er überzeugt sei, dass zweifellos tüchtige Beamte zu seinem Schutze abgestellt worden seien. Eigentlich hatte das Gendarmeriekommando den Dienst mit dem repräsentativen bayerischen Helm angeordnet. Bismarck wünschte jedoch während der Sommerzeit, dass die Schutzleute nur in Dienstmütze erscheinen und möglichst unauffällig ihre Pflicht erfüllen. Spaziergänge wünschte er ohne sichtbare Begleitung. Bismarck war fest davon überzeugt, dass sein Leben letzten Endes doch in der Hand der Vorsehung liege.
Im Allgemeinen erstreckte sich der Wachdienst auf die obere Saline und bei Spaziergängen auch auf die nähere Umgebung. Der Fürst war sehr leutselig gegenüber dem Sicherheitspersonal. Manchmal ist er auf der Straße bei Leuten stehen geblieben, um sich nach ihren persönlichen Verhältnisse zu erkundigen. Straßen- und Waldarbeiter erhielten schon mal ein Geldstück für eine Maß Bier in die Hand gedrückt. Die Stadt hatte für den prominenten Gast über die Saale sogar eine kleine Brücke errichten lassen.
Wie Thürmer erzählte, stellte König Ludwig II. dem Fürsten während seines Aufenthaltes in Kissingen seine Dienerschaft und Equipagen sowie seinen Leibdiener Lacher zur Verfügung. Denn der Monarch war dem Reichskanzler wohl gesonnen. Hatte er doch seit 1871 durch Bismarck rund fünf Millionen Mark für seine ehrgeizigen Bauvorhaben bekommen.
Der "Bismarck-Gendarm" aus dem Steigerwald erzählte gerne, was ihm bei einem Dienst im Hofe des Salinengebäudes widerfuhr. Unterhalb eines Fensters des Bismarck'schen Appartements unterhielt sich Thürmer einmal mit einer Angehörigen des Dienstpersonals. Er bemerkte aber nicht, dass der Fürst über ihm am Fenster stand, zuhörte und dabei Trauben aß. Bismarck beliebte einen Scherz zu machen, indem er dem Gendarmen den Traubenkamm auf dessen Dienstmütze warf.
Kaum war der Kanzler abgereist, fielen die Bediensteten über die von ihm bewohnten Räume im Salinengut her. Sie taten dies mit stillschweigender Duldung des Besitzers.
Überall suchten sie nach Andenken wie Bleistiftstumpen, Schreibfedern oder Briefumschlägen mit seiner Anschrift. Begehrt waren verbrauchte Schreibfedern, von denen man annahm, dass mit ihnen wichtige Schriftsätze geschrieben worden waren. Wer solche Andenken nicht selbst sammeln wollte, fand bei den zumeist englischen Gästen willkommene Abnehmer, die dafür stolze Preise bezahlten.
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Trinkgeld für die Gendarmen

Beim Abschied erhielt jeder der Bediensteten aus der Hand des Fürsten ein Erinnerungsgeschenk in Form eines gerahmten Bildes. Die Gendarmen erhielten noch je 100 Mark Trinkgeld, das der hohe Gast ebenfalls selbst übergab.




































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