Bad Kissingen
Kissinger Sommer

Der Kontakt ist geblieben

Kent Nagano leitete im Max-Littmann- Saal sein ehemaliges Orchester: Von 2000 bis 2006 war er Chefdirigent des DSO Berlin.
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Rückkehr zu seinem alten Orchester Kent Nagano und das Deutsche Sinfonie-Orchester Berlin wurden vom Publikum gefeiert.Gerhild Ahnert
Rückkehr zu seinem alten Orchester Kent Nagano und das Deutsche Sinfonie-Orchester Berlin wurden vom Publikum gefeiert.Gerhild Ahnert
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Der Name Kent Nagano scheint in Bad Kissingen eine große Sogwirkung zu haben. Oder war es das Deutsche Sinfonie-Orchester Berlin. Oder das klassisch-romantische Programm, das sich über Mendelssohn-Bartholdy hinaus nicht in gefährliche Bereiche begab? Vermutlich waren es mal wieder alle drei Gründe, die dafür sorgten, dass auch der Grüne Saal voll besetzt war. Oder war es gar die an Sonntagabenden übliche frühere Anfangszeit?

Wie dem auch sei, es war ein Konzert mit zwei Hälften. Gut, die erste begann mit einem kleines Schmankerl, der "Ouvertüre im italienischen Stil" von Franz Schubert, der als junger Mann mit seinen Freunden im damals grassierenden Rossini-Fieber gewettet hatte, dass er genauso komponieren könne wie der berühmte Mann aus Pesaro. Man kann es den Berlinern hoch anrechnen, dass sie gar nicht erst versuchten Schubert wie Rossini klingen zu lassen. Denn die Rigorosität des Klanges, die starken dynamischen Kontraste und die typischen schwungvollen Akzelerationen, wie man sie erst am Freitag beim Ural Philharmonic Orcjhestra hören konnte, hat er nicht. Dafür wurde etwas anderes deutlich: Schuberts Harmonien sind um einiges raffinierter.

Und dann kam der erste Teil - und der Amerikaner Emanuel Ax mit Mozarts Klavierkonzert G-dur KV 453. Also offen gestanden: Es fiel ein bisschen schwer nachzuvollziehen, warum Emanuel Ax in den Vereinigten Staaten geradezu Kultstatus besitzt. Er begann, als das Orchester seine lange Einleitung mit der Exposition der Themen gespielt hatte, eigentlich mit einem interessanten Ansatz, der einiges an kreativer Auseinandersetzung versprach. Aber der verlor sich sehr schnell. Und dann gibng es durch in gefälligem Wohlklang im permanten Mezzoforte mit einheitlichen Anschlag. Man hatte nicht den Eindruck, dass er hinter dem stand, was er spielte, dass er irgendetwas erzählen wollte. Er spielte zwar ausgezeichnet mit dem Orchester zusammen, aber achtete vor allem auf Schönklang. Nicht einmal in den Kadenzen ging er ein bisschen aus sich heraus. Was Ax da vermittelte, war ein Mozartbild, das vor 25 Jahren aus der Mode gekommen war Und man konnte dem Orchester nicht verübeln, dass es sich nicht mit ihm anlegte. (Chopin-Walzer sind als Konzertzugaben auch ein bisschen aus der Mode gekommen.)

Denn geistreich und pointiert spielen konnte es in der zweiten Hälfte. Die war von ihrer musikalischen Profilierung her wesentlich schärfer mit Felix Mendelssohn-Bartholdys 4. Sinfonie, der "Italienischen". Man hatte den Eindruck, dass sie eine Version spielten, die sie mit Kent Nagano in seiner Zeit als Chefdirigent des Orchesters erarbeitet hatten und die noch in ihrer DNA steckte - auch wenn das zwischen 2000 und 2006 passiert sein muss - wie man überhaupt bei manchen der Musiker das Gefühlt hatte, dass sie ihn gerne wiedergehabt hätten.

Hier artikulierte sich in der Musik Mendelssohns Reiselust und auch ein bisschen Ungeduld, ein bisschen neapolitanische Lärmigkeit. Gut, vielleicht hätte man den zweiten Satz mit seinem Pilgerlied, das so sehr an den "König von Thule" erinnert, noch spannender spielen können. Aber insgesamt begeisterten die Berliner mit ihrem mitreißenden Engagement, mit ihrem klaren Spiel, mit ihrer Lust an der virtuosen Herausforderung. Mamn musste als Zuhörer einfach gute Laune bekommen.

Als Zugabe spielten die Berliner die Zwischenaktmusik Nr. 3 aus Franz Schuberts "Rosamunde" - nicht nur als Abschied vom Publikum, sondern auch für ihre stellvertretende Konzertmeisterin Hande Küden. Sie hatte an diesem Abend ihren letzten Dienst für das DSO. Sie wechselt ein paar Straßen weiter zu den Berliner Philharmonikern.

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