Bad Kissingen
Kultur

Der Kissinger Sommer hat zugelegt

Der Kissinger Sommer endete mit einer fulminanten Aufführung von Mozarts "Großer c-moll-Messe". Ein Grund zur Trauer bestand aber nicht: Das Festival hat wieder zugelegt.
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Mit einem prächtigen Feuerwerk im Rosengarten feierte die Stadt das Ende des Kissinger Sommers 2019 - und das mit gutem Grund: Das Festival fährt weiter auf der Erfolgsspur. Foto: Benedikt Borst
Mit einem prächtigen Feuerwerk im Rosengarten feierte die Stadt das Ende des Kissinger Sommers 2019 - und das mit gutem Grund: Das Festival fährt weiter auf der Erfolgsspur. Foto: Benedikt Borst

Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) fasste sich kurz beim Abschluss-Pressegespräch: "Wir haben gestern Abend mit Mozarts Messe den Kissinger Sommer 2019 zu Grabe getragen. Das war eines der vielen Konzerte, die sehr gut angenommen wurden." Die Grablegung des Festivals nach dem Abschlussempfang der Stadt im Weißen Saal wurde allerdings nicht unter Tränen, sondern mit einem Feuerwerk begangen.

Die gute Laune, die der OB bei seiner Grabrede zum Empfang zeigte, erklärte sich in der Pressekonferenz: Entgegen allen Erwartungen und Befürchtungen hat der Kissinger Sommer 2019 gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Zwar wurden 20 316 von 31 459 angebotenen Tickets verkauft, aber die Zahl der Veranstaltungen war mit 57 um sechs geringer als im Vorjahr, sodass der im Durchschnitt eine höhere Platzauslastung von 65 Prozent erreicht wurde. Und da der Verkauf einen Erlös von 1,024 Mio Euro einbrachte, konnte auch der errechnete und vorgegebene Kostenrahmen von 1,4 Mio Euro für Künstlerhonorare und Nebenkosten eingehalten werden.

Ausverkauft waren acht Veranstaltungen. Besonders beliebt waren die Konzerte mit dem Festivalorchester, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen sowie der Abend mit dem Deutschen Sinfonieorchester Berlin und Kent Nagano. Im Rossini-Saal schaffte es das Duo Simon Bode/Igor Levit an die absolute Spitze der Beliebtheitsskala.

Auf der anderen Seite: Schwer zu vermarkten waren "Ein Tag mit Haydn" mit Spira Mirabilis - möglicherweise waren die Pausen zwischen den drei Konzerten zu groß - und die LiederWerkstatt - was nicht allzu überraschend ist, denn das gilt als Spezialistenprogramm, obwohl neben den sechs Uraufführungen auch immer viel etabliertes Liedgut zu hören ist. Hier will Schlömp die Werbung intensivieren, insbesondere an der Würzburger Musikhochschule. Auf der anderen Seite sei es aber erstaunlich und erfreulich gewesen, auf welch große Beachtung die Uraufführung der Auftragskomposition "Orfeo-Projects" des Schweinfurter Wahl-Berliners Damian Scholl stieß. Schlömp: "Da hatten wir natürlich auch viel Publikum aus Schweinfurt."

Welle der Sympathie

Ein Service, der dieses Jahr eingeführt wurde und der gut angelaufen ist, soll beibehalten werden: der Shuttlebus von Würzburg zum Festival und zurück, der bei ausgewählten Konzerten fuhr: "Das hat uns zusätzlich über 100 Karten gebracht", sagte Erna Buscham, Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros.

Was Schlömp große Freude bereitet: "Ich habe eine große Welle von Sympathie für das Programm und die Festivalatmosphäre gespürt: "Das lag sicher auch daran, dass viele Künstler länger hier waren, dass es mehr Begegnungen zwischen den Künstlern gegeben hat. Vielleicht entstehen daraus auch neue Projekte." Aber es sei auch einiges Neues für das Publikum geboten worden, zum Beispiel Künstlertreffs, Einführungen oder die Lounge: "Es gibt ein neues Publikum. Wenn man neue Formate ausprobiert, kommen auch mehr junge Leute.Ich hoffe, da hat eine Bewegung in der richtigen Richtung eingesetzt." Der Trend gehe im Moment weg von zufälligen Reihenkonzerten zu Konzepten.

Dass es heftige Kritik an den Öffnungszeiten der Bad Kissinger Gastronomie während des Festivals gegeben hat, ist auch OB Blankenburg nicht entgangen: "Aber wir können als Stadt da gar nichts machen außer immer wieder reden." Er und Referatsleiter Thomas Lutz setzen für nächstes Jahr vor allem auf den dann neu eröffneten Ratskeller, der Konkurrenz in das Geschäft bringen könnte.

Blieb zum Schluss noch die Frage nach dem Stand der Gespräche oder Verhandlungen in Sachen Verlängerung des Intendantenvertrages. Der derzeit laufende Fünf-Jahresvertrag läuft nach dem Kissinger Sommer 2021 aus, und die Planungen für 2022 und 2023 müssen jetzt in Angriff genommen werden, denn die großen Orchester und berühmten Stars haben lange Vorlaufzeiten: "Zu Personal- und Vertragsfragen sage ich öffentlich nichts", betonte OB Blankenburg. Aber es gibt Gerüchte, dass diese Gespräche bereits angelaufen sind.

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