Eltingshausen
Diskussion

Der Fachkräftebedarf ist da

Zum "Neujahrstalk", lud die Heil Bauakademie und die Frauenunion des Landkreises in das Verwaltungsgebäude des Bauunternehmens Otto Heil ein.
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"Neujahrstalk" der Heil Bauakademie und der Frauenunion des Landkreises: Von links nach rechts: die Leiterin der Akademie Nikola Renner-Knopp, Geschäftsführer Peter Heil, Staatssekretär Gerhard Eck und Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner. Dieter Britz
"Neujahrstalk" der Heil Bauakademie und der Frauenunion des Landkreises: Von links nach rechts: die Leiterin der Akademie Nikola Renner-Knopp, Geschäftsführer Peter Heil, Staatssekretär Gerhard Eck und Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner. Dieter Britz
Brauchen wir eine Eisenbahn-Verbindung nach
Fulda? Haben wir eine Über-Akademisierung der Berufsausbildung? Was kann
man gegen den Fachkräftemangel im ländlichen Raum, insbesondere in der
Bauwirtschaft und im Mittelstand tun? Wie geht es mit den umstrittenen
Straßenausbaubeträgen weiter? Diese und andere Fragen standen im
Mittelpunkt des "Neujahrstalks", zu dem die Heil Bauakademie und die
Frauenunion des Landkreises in das Verwaltungsgebäude des Bauunternehmens
Otto Heil eingeladen hatten. Den Fragen von Nikola Renner-Knopp, der
Leiterin der Akademie und Vorsitzenden der Frauenunion im Landkreis,
stellten sich Staatssekretär und Landtagsabgeordneter Gerhard Eck (CSU),
Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner (CSU) und Peter Heil, Geschäftsführer
des Bauunternehmens Otto Heil GmbH & Co. KG. Die Gäste, unter denen
zahlreiche Bürgermeister und Vertreter des Baugewerbes waren, nutzten die
Gelegenheit für viele Fragen.

"Der Fachkräftebedarf ist da, er bremst den Bauboom", betonte Peter Heil. Im
ländlichen Raum sei es zwar einfacher, junge Leute zu finden, "aber auch
die Industriestandorte Bad Neustadt und Schweinfurt saugen Leute ab." Dabei
sei die Arbeit am Bau attraktiv, denn es gebe keine Fließbandarbeit und sie
werde gut bezahlt. Schon ein Auszubildender im ersten Lehrjahr bekomme 900
Euro pro Monat. "Früher hat man lamentiert, dass die Leute von hier weg
müssen, weil es keine Arbeit gibt. Heute gibt es Vollbeschäftigung und
Fachkräftebedarf in allen Branchen", meinte dazu Sandro Kirchner. 17
Milliarden Euro könnten nicht generiert werden, weil den Unternehmen
Mitarbeiter fehlen.

"Wird wieder mehr Wert auf Schulfächer gelegt, die handwerkliche
Fähigkeiten fördern?", wollte Nikola Renner wissen. In Bayern seien die
Weichen richtig gestellt, meinte dazu Gerhard Eck, "die Über-Akademisierung
müssen wir stoppen. Es ist von der Natur vorgegeben, dass nicht jeder
gleich ist." Rechtsanwälte hätten es oft schwer, doch Handwerker würden
gesucht. "Ich komme nicht aus der akademischen Laufbahn, das hat mir mein
Leben lang nicht geschadet", so Eck.
Peter Heil ergänzte, dass ein Polier auf dem Bau im Laufe seines
Berufslebens mehr verdiene als viele Akademiker. Man müsse aufzeigen, dass
es im bayerischen Bildungssystem keinen Abschluss ohne Anschluss gebe. Ein
Meister zum Beispiel könne studieren.
Ein ganz praktisches Problem schnitt Sandro Kirchner an: Wie kommen
Auszubildende von den Dörfern zu ihrem Ausbildungsplatz, wenn die Busse
nicht zu den passenden Zeiten fahren? Gegen die Anregung aus dem Publikum,
den Azubis den Führerschein schon unter 18 Jahren zu geben, hatte Gerhard Eck
starke Bedenken. Bei jungen Leuten unter 18, die einen Führerschein haben,
sei die Unfallquote sehr hoch, "das ist ein gefährlicher Weg." Er sei
selbst während seiner Lehrzeit 18 Kilometer nach Schweinfurt gefahren. Wie
es funktionieren kann, zeigte Peter Heil auf. In seinem Bauunternehmen wird
jedem Azubis ein Pate zugeordnet, der diesen, wenn nötig, abholt.
Sandro Kirchner berichtete, dass im Nachtragshaushaltsplan des Freistaates
zusätzliche Mittel für den öffentlichen Personennahverkehr eingestellt
worden seien und betonte: "Mir liegt die Schiene besonders am Herzen." Die
Anbindung nach Würzburg sollte noch verbessert werden. Defizite gebe es in
Richtung Hessen bzw. Fulda. Die Anbindung in die Tschechische Republik
werde gefördert, "aber Bayern hat nicht nur eine Grenze in diese Richtung,
sondern auch nach Hessen." Auch Staatssekretär Eck bekräftigte: "Wir setzen
ganz massiv auf die Schiene." Thomas Bold ergänzte, der Bus von Bad
Kissingen nach Fulda werde sehr gut angenommen. Sogar von einer
Eisenbahnverbindung nach Fulda war in der Diskussion die Rede.
Weiteres Thema war der Investitionsstau im Straßenbau. Die Bundesmittel
seien Dank des früheren Verkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU) stark
erhöht worden, so Eck. Auch die Mittel für Staatsstraßen seien
ausgeweitet worden. Schwierigkeiten gebe es oft, weil für die Planungen
Ingenieur fehlen und auch die freien Büros ausgelastet seien.
Lange wurde über die umstrittene Straßenausbausatzung diskutiert. Sie sei zwingend, da
gebe es keine Diskussion, betonte Eck, "irgendwo muss das Geld herkommen,
wenn nicht über die Satzung, dann aus dem allgemeinen Steuertopf" und "den
Freien Wählern geht es darum, im Wahlkampf Ärger zu produzieren." Sandro
Kirchner wies darauf hin, dass es im Landtag über alle Fraktionen hinweg
Konsens gegeben habe und dass diese Satzung sowieso im April auf den
Prüfstand gestellt werden sollte. "Die Politik hat es aufgenommen, es wird
eine Veränderung geben", prophezeite er.
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