Bad Kissingen
Umwelt

Der Biber spaltet die Gemüter im Landkreis Bad Kissingen

Rudolf Hanke vom Angel- Sportverein Hammelburg kämpft täglich mit den Schäden rund um die Teiche. In Sulzthal wurde Anfang Dezember ein Tier erschossen. Bund Naturschutz und Untere Naturschutzbehörde freuen sich dagegen über die große Population.
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Bilder von der Teichanlage des ASV Hammelburg oberhalb von Obereschenbach. Foto: Ralf Ruppert
Bilder von der Teichanlage des ASV Hammelburg oberhalb von Obereschenbach. Foto: Ralf Ruppert
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Auf 22 000 Tiere schätzt das Umweltministerium den aktuellen Biber-Bestand in Bayern, rund 270 davon leben im Landkreis Bad Kissingen. Alleine in den Teichen des Angelsport-Vereins (ASV) Hammelburg leben vier Biber-Familien. "Es gibt schon erste Stimmen, dass wir die Anlage aufgeben sollten", berichtet Vorsitzende Ellen Manke-Tumpach resigniert. "Wir räumen täglich dem Biber hinterher", ergänzt Rudolf Hanke - und winkt ab: "Das ist aussichtslos."

Biber schon neun Jahre vor Ort

Im Jahr 2000 kaufte der ASV den Hainbuchen- und den Tiefenbachteich oberhalb von Obereschenbach. Vor neun Jahren kamen die ersten Biber. "Uns geht es darum, dass die Anlage erhalten bleibt", sagt Ellen Manke-Tumpach. Der strikte Schutz der Biber mache das aber unmöglich. "Das ist eine künstliche Anlage, da hat der Biber nichts verloren", sagt Hanke. Er findet fast täglich neue Schäden: Erst in der vergangenen Woche haben Biber eine große Weide soweit angenagt, dass sie auf ein Häuschen fiel. Aufgestaute Gräben, die der städtische Bauhof wieder ausräumen muss, oder tiefe Löcher mitten in der Anlage: "Ich habe mir schon zwei Mal das Kreuz verdorben, weil ich eingebrochen bin." Oft meterweit vom nächsten Teich entfernt, fällt plötzlich eine Bruthöhle ein, auch ein Jugendlicher sei schon mal abgesackt. "Unseren Aufsatz-Rasenmäher können wir gar nicht mehr einsetzen." Durch eine andere Röhre lief ein Biotop oberhalb der Teiche über Nacht leer. "Dabei ist auch uns der Artenschutz wichtig", betont Hanke. Um Nistkästen und Brutröhren für Steinkäuze zu schützen, hat er Drahthosen um die Bäume gebunden. Die meisten Hecken und Büsche rund um die Teiche hätten die Biber bereits abgeholzt. "Da hinten haben Zaunkönige gebrütet", sagt Hanke, auch eine Märzenbecher-Wiese sei verschwunden, weil sie überflutet wurde. Auch den Fischen schade der Biber: "Die Fische brauchen im Winter Ruhe, aber die Biber sind den ganzen Winter über aktiv, im Frühjahr sammeln wir dann zentnerweise tote Fische ein." Sehr ärgerlich für den ASV: Entschädigungen gebe es nur für gewerbliche Fischzuchten, Vereine gehen leer aus.

"Die Biber-Problematik in Obereschenbach ist der Unteren Naturschutzbehörde seit vielen Jahren bekannt", teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. In "unzähligen Ortsterminen" seien Sanierungsmaßnahmen zur Sicherung der Anlage angeboten worden. Für kommende Woche ist ein weiterer Ortstermin geplant. Im Oktober 2018 habe der für Nordbayern zuständige Biberberater des Bund Naturschutz förderfähige Maßnahmen zur Sicherung der Anlage des ASV vorgeschlagen. Der Verein hat laut Landratsamt allerdings noch keine Vergleichsangebote vorgelegt.

"Man findet kaum eine Firma, die so etwas macht und bis zu uns kommen will", berichtet die ASV-Vorsitzende. Bisher habe sie nur ein einziges Angebot: Rund 200 000 Euro soll es kosten, sämtliche Dämme der Teiche bibersicher neu aufzubauen. Zudem sind die Mitglieder skeptisch, ob das auf Dauer eine Entlastung bringt, ihnen wäre der konsequente Abschuss lieber.

Die Bejagung des Bibers ist jedoch strikt verboten: "Lassen sich Konfliktfälle nicht anders lösen als durch eine Entnahme, sieht das Artenschutzrecht hierfür Ausnahmen vor, beispielsweise zur Verhinderung größerer Schäden oder aus Gründen der öffentlichen Sicherheit", teilt das Umweltministerium mit. Immerhin 1899 Biber wurden im Jahr 2018 in Bayern abgeschossen, alleine in Niederbayern 490. In Unterfranken waren es dagegen nur sechs, obwohl hier 2018 geschätzte 1865 Biber, also 8,5 Prozent des gesamten bayerischen Bestandes leben. "Der Biber hat den Nordwesten Bayerns später besiedelt als die übrigen Landesteile", erklärt das Ministerium die großen Unterschiede beim Abschuss.

Lob für Biber-Management

Zuständig für den Biber sind in Bayern die Landkreise. "Das Biber-Management im Landkreis funktioniert sehr gut", lobt Franz Zang, Kreisvorsitzender im Bund Naturschutz (BN). Die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde seien bei Beschwerden schnell vor Ort und würden vermitteln. Zang kennt die Anlage in Obereschenbach: Direkt oberhalb hat der BN eine Fläche, auf der nach Biberschäden vor kurzem mehrere Bäume gefällt wurden. Zang: "Da muss noch mehr weg."

Abschüsse sind laut Landratsamt im Landkreis die absolute Ausnahme: 2016 wurden mehrere Biber in der damaligen Kläranlage Katzenbach abgeschossen. Vor kurzem, am 3. Dezember, erlegte ein speziell geschulter Jäger einen Biber in der Sulzthaler Kläranlage. In den meisten Fällen werde die Situation durch Sicherungsmaßnahmen entschärft.

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