Bad Kissingen
Kultur

Der Bad Kissinger Orgelzyklus ist eröffnet

Die Schuke-Orgel in der Herz-Jesu-Kirche ist ein außerordentlich gutes Instrument. Nach einer fordernden Aufführung ist Stadtkantor Burkhard Ascherl jedes Mal richtig erschöpft.
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Man merkt Burkhard Ascherl die Anspannung nach dem Konzert an. Zum einen ist er erleichtert, dass alles geklappt hat, zum anderen ist er ermattet von der Interpretation der anspruchsvollen Konzertliteratur. Peter Klopf
Man merkt Burkhard Ascherl die Anspannung nach dem Konzert an. Zum einen ist er erleichtert, dass alles geklappt hat, zum anderen ist er ermattet von der Interpretation der anspruchsvollen Konzertliteratur. Peter Klopf

Seit drei Jahrzehnten ist der Bad Kissinger Orgelzyklus ein fester Bestandteil der Kulturszene Bad Kissingens. Dank einer erstklassigen Orgel aus der renommierten Potsdamer Orgelfabrik Schuke lässt sich fast jede Orgelliteratur interpretieren. Was treibt Stadtkantor Burkhard Ascherl an, immer wieder einen Orgelzyklus zu organisieren?

"Wenn man für die Orgelmusik brennt und so eine schöne Orgel hat, will man nicht einfach aufhören, denn es gibt so viele unterschiedliche Stücke für Orgel, und die Orgelliteratur ist so reichhaltig. Man hat als Organist so viele tolle Kollegen, die die Stücke anders spielen und auch die Orgel anders registrieren. Außerdem ist es schön, wenn man Zuhörer für die Orgelmusik begeistern kann."

Die Orgel einmal außerhalb der bekannten Messgesänge kennen zu lernen, einmal ihre Klangfülle zu erleben, ist ein einzigartiges Erlebnis. So auch beim Eröffnungskonzert zum 31. Bad Kissinger Orgelzyklus. "Orgelhits aus drei Jahrhunderten", hieß das Motto. Burkard Ascherl, spielfreudig am Manual der Schuke Orgel, hatte anspruchsvolle Werke heraus gesucht, die einem als Zuhörer geläufig waren und die Bandbreite der großen Orgel bewies.

Johann Sebastian Bachs "Toccata und Fuge d-Moll BWV 565" ist sicher das bekannteste Werk des Komponisten. Auch wer sich nicht für Orgelmusik interessiert, erkennt sie an den sieben Noten des Eingangs, die auch in vielen Filmen vorkommen. Georg Friedrich Händels "Andante allegro" aus dem Orgelkonzert "B-Dur op. 4. Nr. 6" kann man als Gassenhauer bezeichnen, genau so wie die berühmte Toccata aus Charles Marie Widor"s "5. Orgelsymphonie" oder Louis Viernes "Carillon de Westminster" op. 54.

Ascherl, ein Virtuose an der Orgel, erzeugte Klangwelten voller Überraschungen. Da waren die deutschen Komponisten, sachlich und kühl, aber mitreißend, dann die Franzosen, die mit ihrer Musik wahre Orgelwirbelstürme und bombastische Klangwelten erzeugten. Burkhard Ascherl fesselte mit seinem großartigen Konzert die Zuhörer.

Die Geschichte der Orgelzyklen beginnt im Jahre 1988. Pater Illig, Seelsorger der Jakobuskirche, regte die Restaurierung und den Teilneubau der Steinmeyer-Orgel in der Jakobuskirche an. Regionalkantor Peter Rottmann, der die Sonntagsgottesdienste dort musikalisch umrahmte, hat daraufhin 1989 den "Bad Kissinger Orgelzyklus" ins Leben gerufen. Mit einem einwöchigen Abstand standen vier Orgelkonzerte in der Jakobuskirche auf dem Programm.

Als Rottmann im Herbst 1993 seine Tätigkeit in den Raum Münnerstadt verlagerte, bat er Burkhard Ascherl, der gerade die Kantorstelle in der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche angetreten hatte, den Orgelzyklus zu übernehmen. Für Burkhard Ascherl war dies gleich eine Herausforderung, wie er sagt. Denn das erste Konzert erfolgte 1994 bereits nach der Segnung der ebenfalls neuen Schuke-Orgel in der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche. Kontinuierlich baute Ascherl den Orgelzyklus aus. Die zehn bis zwölf Konzerte verteilte er auf das ganze Jahr und nahm Gesangs- und Instrumental-Solisten auf. Dabei ist es ein Spagat für Ascherl, geeignete Organisten zu finden und ein Programm zusammenzustellen, das die Zuhörer, die überwiegend Gäste der Stadt sind, nicht zu überfordert.

Der Zyklus trägt sich selbst und hat nichts mit der Herz-Jesu-Gemeinde zu tun. Alle Einnahmen, auch die seiner eigenen Konzerte, gehen in einen Topf, woraus die Gastorganisten bezahlt werden, betont der Stadtkantor. Die starke Frau im Hintergrund ist Ehefrau Brigitte Ascherl, eine ausgebildete Sopranistin. Teilweise hilft sie ehrenamtlich bei der Organisation des Zyklen und tritt auch als Gesangsolistin dort auf. So war sie auch dieses Mal vor Ort und blätterte um, damit sich ihr Mann auf die Noten und das Spielen konzentrieren konnte. Die eine Hand zum Spielen der Melodie, die andere Hand für die Begleitung und die Füße für die Bässe. Da kann es einem als Laie beim Zuschauen schon schwindelig werden.

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