Stralsbach
Bürgerengagement

Den Stralsbachern stinkts

Derzeit sorgt der Kanal für Frust unter den Bürgern. Deshalb hat sich kürzlich eine Interessengemeinschaft zusammengefunden, um dafür zu sorgen, dass sich die Gemeinde des Problems annimmt.
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Die Stralsbacher haben eine Interessengemeinschaft wieder zum Leben erweckt. Gemeinsam wollen sie erreichen, dass die Druckleitung in Stralsbach um den Ort verlegt wird. Foto: Johannes Schlereth
Die Stralsbacher haben eine Interessengemeinschaft wieder zum Leben erweckt. Gemeinsam wollen sie erreichen, dass die Druckleitung in Stralsbach um den Ort verlegt wird. Foto: Johannes Schlereth
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In Stralsbach herrscht seit mehreren Monaten dicke Luft. Schuld daran soll die Pumpleitung sein, mit der das Abwasser von Lauter, Waldfenster und Katzenbach durch Stralsbach in die Kläranlage nach Großenbrach gepumpt wird. Anwohner mehrerer Straßen beschwerten sich bei der Gemeindeverwaltung wegen des Lärms und des Gestanks. Weil die Situation während der jüngsten Hitzewelle überhand nahm, reaktivierten Bürger die "Interessengemeinschaft Stralsbach". Diese machte sich bereits vor einigen Jahren gegen das Industriegebiet an der B286 stark.

Ihre zentrale Forderung machte die IG gleich auf der ersten Versammlung am vergangenen Mittwoch in der alten Schule publik. "Die Gestank- und Lärmbelästigung muss aufhören. Das gelingt nur durch die Umleitung der Druckleitung um den Ort", sagte Berthold Kröckel, Mitglied der IG. In Betrieb genommen wurde die Druckleitung im Mai diesen Jahres. "Seitdem stinkt und rauscht es." Das Thema schlug schließlich in der jüngsten Gemeinderatssitzung auf.

Markt Burkardroth: Verwaltung wollte keine Gerüchte in die Welt setzen

Im öffentlichen Teil sprach der Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) von einem "Anlaufproblem" bei der Druckleitung. Im nichtöffentlichen Teil äußerte er sich konkreter, und machte den Kompressor im Pumpwerk für die Problematik verantwortlich. "Das war zum damaligen Zeitpunkt noch eine reine Vermutung", teilte Heiko Schuhmann, Kämmerer der Marktgemeinde, auf Nachfrage dieser Redaktion mit. Diese habe sich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht bestätigen lassen. "Wenn sich einige Tage später herausgestellt hätte, dass es doch nicht am Kompressor gelegen hätte, wäre also ein Gerücht durch die Öffentlichkeit gegeistert. Wir wollten nicht mit einer Vermutung hausieren gehen", nennt Schuhmann den Grund, warum die Theorie im öffentlichen Sitzungsteil nicht angesprochen wurde.

Allerdings bekräftigte sich der Verdacht. "Der Kompressor war programmiert und hätte also laufen sollen", sagte Schuhmann. Die Gemeindeverwaltung suchte daher nach dem Fehler und wurde fündig: "Ein Schieber war von Werk aus falsch eingestellt." Es habe sich um einen elektronischen Fehler in einem mechanischen Bauteil gehandelt. "Letztlich hat dadurch das Lufteinblasen nach dem Abwasser-Pumpvorgang nicht funktioniert." Fast zwei Monate litten die Stralsbacher unter Gestank und Lärm. "Im Garten sitzen, Wäsche an der frischen Luft trocknen lassen oder durchlüften - nicht mehr möglich", sagte Kröckel.

Dass die Reparatur etwas gebracht hatte, ließ sich von der IG nicht leugnen. Der Gestank sei in den letzten Tagen zurückgegangen. Eine Rückkehr zum Normalzustand gibt es für die Betroffenen allerdings nicht. "Momentan regnet es, wenn die nächste Hitzewelle kommt kann es wieder stinken", sagte IG-Mitglied Waldemar Straub. Außerdem sei der Lärm noch immer vorhanden.

Ist der Absturzschacht die richtige Lösung?

Schuld daran sollen laut der IG auch bauliche Fehler sein. Für Kopfschütteln sorgt etwa der Kanalschacht in den die Druckleitung mündet. "In den Schachthals wurde ein Rohr gesteckt, durch das Abwasser wie ein Wasserfall auf die Kanalsohle fällt", sagte Straub. Dadurch verwirbelt sich das Abwasser und Luft wird eingetragen. Die Folge ist der Gestank, der letztlich durch den Gullydeckel ausgast. "Absturzschächte sind durchaus üblich, wir haben bereits zwei Rohrkrümmer eingebaut, um das Wasser sanfter einzuleiten", heißt es von Seiten des Marktes. Der Weisheit letzter Schluss sei das allerdings noch nicht. "Wir sind noch nicht fertig und arbeiten daran", teilte Schuhmann mit.

Als mögliche Zweitursache für den Gestank hat die IG außerdem den neuen Kanal im Bereich der "Von-Henneberg-Straße" und der Straße "Zum Wiesengrund". Dort wurden wegen Starkregenereignissen Rohre verlegt, die einen Durchmesser von 80 bis 120 Zentimeter haben. Vorher belief sich der Rohrdurchmesser auf 30 bis 80 Zentimeter. Durch die neuen Rohre hat der Kanal eine größere Fließsohle. Durch Hitze trocknet diese aus, was dazu führt, dass Ablagerungen am Rinnenrand beginnen zu stinken.

Zur Debatte standen damals verschiedene Rohrtypen, sagt Schuhmann. Darunter beispielsweise Rohre deren Profil im Querschnitt einem Ei ähnelt. Bei diesen ist die Fließsohle erheblich kleiner, was dazu führt, dass der Kanal letztlich auch bei Trockenheit nicht stinkt. "Wegen statischer Probleme konnten wir die nicht einbauen. Die Erdabdeckung darüber hätte nicht gereicht, um eine ausreichende Stabilität zu gewährleisten", sagt Schuhmann.

Weil die Bürger nicht mit der Geruchs- und Geräuschbelästigung leben wollen, planen sie Gestanks- und Geruchsprotokolle anzufertigen. Außerdem will die IG sowohl von Betroffenen als auch von solidarischen Mitbürgern Unterschriften sammeln. Daneben verteilt die IG ein einheitliches Anschreiben, bei dem die Stralsbacher die Möglichkeit haben, ihre persönlichen Einschränkungen durch Lärm und Gestank festzuhalten. Diese sollen dann gebündelt mit den Unterschriften an das Rathaus übergeben werden. "Denn genau wie Lärm, macht auch Gestank auf Dauer krank", merkte Straub an.

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