Bad Kissingen

Das Sterben zulassen

In Würde und im gewohnten Umfeld zu sterben, das ist das Schwerpunktthema im Sparkassenpavillon gewesen.
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Die Referenten Gregor Stacha, Reinhard Höhn und Olaf Uhle
Die Referenten Gregor Stacha, Reinhard Höhn und Olaf Uhle

"Sterben zuzulassen, es nicht zu verzögern, sondern umsorgend den Schwerstkranken und Sterbenden so zu begleiten, dass es in Würde möglich ist, dieser Wunsch ist ein ganz elementarer. Im gewohnten Umfeld seine letzten Tage zu verleben, mit Menschen, die vertraut sind, das ist nicht immer möglich, weil entsprechende Angebote fehlen. Viel zu häufig wird der Notarzt zum Sterbenden gerufen. In der Regel erfolgt dann die Klinikeinweisung und die Menschen versterben dann im Krankenwagen, in der Notaufnahme, in Aufzügen, auf Intensivstationen an Apparaten." Mit diesen Worten führte Dr. Reinhard Höhn, Vorsitzender des Hospizvereins Bad Kissingen zum Schwerpunktthema "Palliative Versorgung in Bad Kissingen" hin.

Etwa 120 Gäste waren in den voll besetzten Saal des Sparkassenpavillon gekommen und zeigten damit ihr großes Interesse an dieser Thematik. Der Hospiztag findet seit vielen Jahren am ersten Novembersamstag statt und greift in seinen Programmen immer wieder aktuelle und auch brisante Themen auf. Auch in diesem Jahr konnten mit Dr. Olaf Uhle und Gregor Stacha aus Schweinfurt kompetente Referenten gewonnen werden, die als Initiatoren und Akteure das neu gegründete SAPV-Team vorstellten.

Die Referenten erinnerten in ihrem Vortrag daran, dass seit April 2007 Patienten in Deutschland einen Anspruch auf Leistungen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) haben. Diese Form der Patientenversorgung gewährleistet, dass ein Team aus Palliativmedizinern und Pflegefachkräften sich um schwerstkranke Menschen und Sterbende im weit fortgeschrittenen Stadium ihrer Erkrankung kümmert, sie in ihrer häuslichen Umgebung versorgt und begleitet.

Bayernweit gibt es etwa 40 solcher SAPV-Teams. Im Juni 2017 haben das Leopoldina- Krankenhaus Schweinfurt und der Orden der Schwestern des Erlösers als Träger des Schweinfurter St. Josef -Krankenhauses die gemeinnützige Hospiz- und Palliativ- Versorgungs GmbH "Palliativo" gegründet, die sich dieser Aufgabe verschrieben hat, und zum 1. Januar 2018 wird diese Versorgungsform auch für die Städte und Landkreise Schweinfurt und Bad Kissingen zur Verfügung stehen, soweit die Genehmigung der Krankenkassen vorliegt.

Die Leistungen richten sich an Patienten im fortgeschrittenen Stadium einer lebensbegrenzenden Erkrankung, die in ihrer Familie und vertrauter Umgebung eine palliativärztliche und palliativpflegerische Betreuung in Anspruch nehmen wollen. Oberstes Ziel ist es immer, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, die Selbstbestimmung zu erhalten und ein menschenwürdiges Leben in der letzten Lebensphase zu ermöglichen. Dabei steht immer der Wunsch des Patienten im Mittelpunkt. Die Referenten sehen den Einsatz der SAPV -Teams immer als ergänzende Maßnahme zu dem bestehenden Versorgungssystem durch Hausarzt, ambulanten Pflegedienst und Hospizbegleiter.

In der anschließenden Diskussionsrunde standen die Referenten den Gästen gern zur Klärung von Fragen zur Verfügung.

Die Kaffeepause bot die Möglichkeit, sich über die Arbeit der Tagungsstätte für psychisch kranke Menschen zu informieren und die kunstgewerblichen Arbeiten, die in der Einrichtung entstehen, zu begutachten. Dipl. Psychologin Barbara Kreidler, die unter anderem Supervisorin im Hospizverein ist, führte im zweiten Programmpunkt in das Thema "Kommunikation" ein und schaffte mit ihrer PowerPoint - Präsentation einen gelungenen Abschluss des Hospiztages 2017.

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