Bad Kissingen
Kissinger Sommer

Das Schreckliche ist ihr Ding: Parade-Regisseurin Luise Kautz im Interview

Die "Parade" von Erik Satie sorgte vor 100 Jahren für einen Skandal. Luise Kautz bringt sie nun für den Kissinger Sommer mit Schülern zurück auf die Bühne.
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Immer den Überblick behalten: Regisseurin Luise Kautz koordiniert für die "Parade" Laiendarsteller aus mehreren Bad Kissinger Schulen. Foto: Teresa Hirschberg
Immer den Überblick behalten: Regisseurin Luise Kautz koordiniert für die "Parade" Laiendarsteller aus mehreren Bad Kissinger Schulen. Foto: Teresa Hirschberg
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Eine Metropole nach der nächsten: Gebürtig aus Bonn, studiert in Hamburg und Berlin, hospitiert in Oslo - und nun Bad Kissingen? Luise Kautz arbeitet als freischaffende Regisseurin in Hamburg. Für den Kissinger Sommer inszeniert die 30-Jährige das Theaterstück "Parade" neu. Zwischen Proben am Gymnasium, einer Zigarette und dem Zug zurück in die Heimat spricht sie über die Besonderheiten ihres neuesten Projekts.

Die Uraufführung der "Parade" im Jahr 1917 ist eskaliert. Hast du Angst, dass es diesmal wieder zum Skandal kommt?
Luise Kautz: (lacht) Einen Skandal gibt es denke ich nicht, hoffentlich nur euphorische Begeisterung. Das wäre schön.

WM, Flüchtlingskrise, Kapitalismuskritik, Castingshow - wie passt das alles zusammen?
Es wird durchaus ein buntes Potpourri aus verschiedenen Sachen. Die Lehrer und Intendant Tilman Schlömp haben als Rahmen die Castingshow gesetzt, weil wir damit ganz breit gestreute Interessen und viel kreatives Potenzial unterbringen können und trotzdem eine Stringenz finden.

Wie werden die Zuschauer wohl darauf reagieren?
Ich glaube, dass es sehr gut ankommen wird, weil die Schüler eine wahnsinnige Energie haben. Für sie ist es etwas Besonderes, im Theater zu sein und diese Atmosphäre mitzubekommen. In der Woche vor der Premiere entsteht immer ein Geist von Gemeinschaft und das transportiert sich ganz deutlich in den Aufführungen, die dadurch sehr mitreißend werden.


Würdest du selbst in einer Castingshow auftreten?
Nein. Das liegt aber auch daran, dass ich kein Talent habe, das dahin passen würde.

Mit wem lässt es sich leichter arbeiten: Den jüngeren oder den älteren Schülern?
Das kann man so gar nicht sagen. Sie haben ganz unterschiedliche Qualitäten. Die jüngeren Schüler betreut hauptsächlich Musikpädagogin Michaela Weißenberger und arbeitet choreographisch mit ihnen. Die älteren Schüler sind eher textlich eingebunden und haben da ihre Stärken. Das ist das Schöne, dass man diese verschiedenen Altersgruppen hat, die alle eine unterschiedliche Herangehensweise erfordern, aber auch einen eigenen Charme reinbringen.

Wie kontrollierst du eine so große Gruppe an Schauspielern?
Frau Weißenberger hat ein ganz schlaues Klatschsystem erfunden, um die Konzentration zu bündeln. Und man muss sagen, dass die Schüler von der Sinnberg-Schule einfach wahnsinnig diszipliniert dabei sind. Das habe ich selbst nicht erwartet von einer so großen Meute an Grundschülern. Und natürlich muss man ihnen Inhalte geben, die sie begeistern - sonst hat man wahrscheinlich keine Chance.

Was unterscheidet die "Parade" von deinen anderen Produktionen?
Sonst arbeite ich an Stadttheatern mit Profis. Da bin ich selbst zuständig für das Konzept, alles kommt von mir und meinem Team. Da arbeite ich sehr viel selbstständiger. Hier sehe ich mich eher in einer beratenden Funktion. Natürlich ist es etwas Anderes, mit Laiendarstellern zu arbeiten. Aber das ist auch immer wieder erfrischend, weil sie eine ganz andere Energie mitbringen.

Was ist dir bei deinen Inszenierungen besonders wichtig? Hast du ein Wiedererkennungsmerkmal, sodass man irgendwann sagt: Das ist ein klassischer Kautz!
Die ähneln sich schon alle. Ich lege sehr viel Wert auf eine stimmige Ästhetik, damit die Dinge einen Zauber haben und ansprechend aussehen. Mir liegt viel an den Abgründen und dem Schrecklichen, was sich auch in der Oper wiederfindet und manchmal übertüncht wird von der schönen Musik. Die Oper ist für mich eine sehr sinnliche Kunstform und diese Sinnlichkeit muss sich auch optisch widerspiegeln. Darin trotzdem die Substanz zu finden, das ist eigentlich mein Ding.

Erlebst du immer einen Kulturschock, wenn du zwischen Hamburg und Bad Kissingen pendelst?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin generell ein Freund der Großstadt, aber natürlich hat das hier auch seine Qualitäten. Die Ruhe hier ist auf jeden Fall immer erfrischend. Aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich von der Stadt bisher nicht sonderlich viel mitbekommen habe, weil ich entweder im Theater, in der Schule oder am Bahnhof bin.

Hast du dir schon Karten für den Kissinger Sommer gesichert?
Da muss ich leider sagen nein. Aber ich hoffe, dass ich in der Woche, in der wir hier proben, die Möglichkeit habe, noch was zu sehen. Ansonsten ist das von Hamburg natürlich nicht mal kurz um die Ecke.


Wo und wann es die "Parade" zu sehen gibt

Termine Das Theaterstück "Parade" wird am 14. Juli um 15 Uhr sowie am 15. Juli um 14 Uhr im Kurtheater aufgeführt. Karten dafür gibt es im Webshop des Kissinger Sommers unter www.kissingersommer.de, unter Tel.: 0971/ 804 84 44 oder an der Tourist-Information im Arkadenbau.

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